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Wesel: Kommentar zur Nutzung des Geländes von Flachglas

Kommentar zur Woche : Villen und Willen

Wesel sollte, wenn eine Nachfolgenutzung irgendwann möglich ist, nicht alles auf die Karte Gewerbe setzen. Das Flachglasareal ist ein Filetstück der Hansestadt. Wesel müsste Willen zeigen.

Noch drei Wochen bis zur Wahl. Und jetzt bei der Weseler SPD der Modus „Klassenkampf“. Fraktionschef Ludger Hovest nennt „100 exklusive Villen“ als Drohkulisse für das Flachglasareal. Aber ist das wirklich eine Drohung? Warum sollten nicht auch reiche Menschen gerne nahe der Weseler City wohnen dürfen und viel Geld für ein Haus ausgeben, mit dem sie sowohl den Rhein fußläufig erreichen als auch in einer funktionierenden Innenstadt einkaufen können? Die Geschäftsinhaber der Weseler Innenstadt jedenfalls würde es freuen. Die Menschen, die dort angestellt sind, ebenfalls.

Wieder und wieder wird in Wesel die eigentlich so sinnvolle Nutzung des Flachglasareals als Stadterweiterung zum Rhein hin zerredet. Die bestehenden Arbeitsplätze darf man natürlich nicht gefährden. Wesel sollte aber, wenn eine Nachfolgenutzung irgendwann möglich ist, nicht alles auf die Karte Gewerbe setzen. Das Flachglasareal ist ein Filetstück der Hansestadt. Wesel müsste Willen zeigen. Spannende Villen-Wohnprojekte wären dann hier möglich, vielleicht in Kombination mit wohnverträglichem Gewerbe.

Eine kluge Flächenpolitik sähe so aus, dass Wesel dieses Areal zu erwerben versucht und dann an Interessenten veräußert. Eine Mischnutzung mit kleineren Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und hochwertigen Einfamilienhäusern wäre begrüßenswert. Wer in den Speckgürtel der Innenstadt zieht, der demonstriert mit dieser Wohnortwahl jedenfalls nicht per se den Wunsch nach Exklusivität. Im Gegenteil: Diese neuen Weseler würden bezeugen, dass sie sich voll ins städtische Leben einbringen wollen.

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sebastian.peters@Rheinische-Post.de