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Wesel: Kolumne von Pfarrer Stefan Sühling zur Himmelfahrt Jesu

Pfarrer Stefan Sühling aus Wesel : Erwachsen werden

In der Kolumne Himmel & Erde macht sich Stefan Sühling, leitender Pfarrer der Weseler Kirchengemeinde St. Nikolaus, Gedanken zur „Himmelfahrt“ von Jesus – 40 Tage nach dem Oster-Fest.

Ihn nicht mehr sehen und berühren zu können – das erleben die Jüngerinnen und Jünger 40 Tage nach Ostern: Jesus, der Auferstandene, nimmt ihnen die Möglichkeit des direkten Kontaktes. Er entzieht sich ihnen. Die kirchliche Tradition hat diesen gravierenden Einschnitt in das Bild der „Himmelfahrt“ Jesu gekleidet. Wir könnten spekulieren, dass das für Jesus schön war, jetzt mehr und näher bei Gott sein zu können. Für die Jüngerinnen und Jünger war die Erfahrung „Er ist nicht mehr da!“ sicher eher ein großer Schreck.

Gleichwohl – wir heute teilen diese Erfahrung mit den Zeuginnen und Zeugen der Himmelfahrt Jesu: Er ist nicht da! Er gibt keine direkte Antwort auf meine sorgenvollen Fragen. Ich höre keine Resonanz auf meine Klage. Ich spüre keinen aufmunternden Blick. Mit der Himmelfahrt Christi sind die Jüngerinnen und Jünger in der Realität der Kirche, die auch wir heute noch erleben, angekommen.

Mit der „Himmelfahrt“ Jesu gilt für die ersten Jüngerinnen und Jünger (und für uns heute gleichermaßen): erwachsen werden! Der immer verfügbare Ratgeber im Hintergrund, der, der immer den nächsten Schritt schon wusste, ist nicht mehr da – nun sind wir selbst dran zu denken, zu entscheiden und zu handeln. Genauso wie wir selbst unser Tun und Lassen verantworten müssen.

Jesu lässt die Jüngerinnen und Jünger nicht allein und hilflos zurück. Er verspricht: Ihr seid begabt mit dem Heiligen Geist. Welch schöne Aussichten! Nur: Der Heilige Geist spricht nicht immer vernehmbar für meine Ohren und genauso wenig oft spricht er, was ich mir wünsche oder hören möchte.

Mit dem Heiligen Geist habe ich es nicht immer einfach. Ich muss mich mühen, ihn zu hören und zu verstehen. Ich muss auch akzeptieren, dass er mir nicht nach dem Mund redet. Dennoch, er ist auch Ermunterung in Mutlosigkeit, Kraft in erlebter Schwächephase, tröstendes Licht am Ende des Sorgentunnels. Auf diesen Geist möchte ich mich immer mehr einlassen, ihm zuhören, mich von ihm leiten lassen, in der Hoffnung, dass er Gelassenheit und Besonnenheit schenkt. Ich wünschte, gerade in diesen Tagen täten das in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen.

Stefan Sühling