Wesel: Klimaschützer kritisieren Klimaschutz-Antrag von SPD und CDU

Wesel: Thema wandert in den Umweltausschuss : Klimaschützer kritisierten Antrag von SPD und CDU

Eigentlich sollte am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss über das Thema Klimaschutz disktuiert werden. Doch nun wird über einen entsprechenden Antrag von CDU und SPD im Umweltausschuss debattiert.

Kürzlich haben CDU und SPD in Wesel erklärt, dass sie die von den Weseler Klimaschützern eingereichte Bürgeranregung ablehnen, in der der Stadtrat aufgefordert wird, den Klimanotstand zu erklären. Gleichzeitig stellten sie einen gemeinsamen Antrag zur „klimagerechten Stadtentwicklung in Wesel“ vor (wir berichteten). Mittlerweile haben sich die Klimaschützer den Antrag der beiden Fraktionen genau angesehen. „Klimagerechtes Handeln wünschen wir uns alle“, stellt Umweltaktivistin Bärbel van Doornick fest. Unter Klimagerechtigkeit versteht sie eine CO2-Emission von maximal zwei Tonnen pro Mensch und Jahr. Wobei Entwicklungsländer mehr Spielraum beim Klimaschutz bräuchten und entwickelte Staaten aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten spätestens im Jahr 2035 CO2-neutral sein müssten.

„Doch der Antrag der beiden Fraktionen entspricht nicht einmal den Anforderungen, die sie selber formuliert haben. Geschweige denn denen, die sich für Wesel aus den Pariser Klimazielen ergeben, wenn die Belastungen global gerecht verteilt werden“, beklagt Bärbel van Doornick. So heiße es: „Der Rat der Stadt Wesel setzt auf tatsächlich wirksame und zielführende Maßnahmen.“ Unter den 17 vorgeschlagenen Einzelmaßnahmen, die in dem Antrag aufgeführt wurden, sei nicht eine, die zu einer signifikanten Emissionsminderung führen könnte, meint Harald Sauerland von den Weseler Klimaschützern. Wichtige Maßnahmen, wie eine radikale Verkehrswende, kämen in dem Antrag nicht mal vor. Dabei sei der Verkehrsbereich mit 36 Prozent der Sektor mit den höchsten Emissionen.

CDU und SPD, die in Wesel Aufforstungsflächen als langfristige CO2-Speicher fordern, seien sich des Ausmaßes des Klimawandels nicht bewusst, meint auch Klaus Kubernus-Perscheid vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac-Niederrhein. Wenn Wesel es schaffen wollte, die CO2-Emissionen auf drei Tonnen je Einwohner und Jahr im Jahre 2035 zu reduzieren, müssten mehr als 15 Millionen Bäume gepflanzt werden. Bei einer normalen Pflanzdichte von 1000 Bäumen je Hektar reiche die gesamte Fläche Wesels dafür nicht aus, hat er ausgerechnet.

Eigentlich sollte der Antrag von CDU und SPD am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss diskutiert werden. Doch wurde das Thema in den Umweltausschusses weitergereicht.

(RP)