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Wesel: Kieferorthopädin Jasmin Kesseler geht in Rente

Kieferorthopädin in Wesel : Pionierin Jasmin Kesseler geht in Rente

Die Kieferorthopädin war die erste, die in Wesel feste Zahnspangen anbot. Nun übergibt sie nach 30 Jahren Tätigkeit ihre Praxis an ein Trio.

Mit 60 Jahren in Rente gehen – das hat sich Jasmin Kesseler schon seit Jahren vorgenommen. Nun ist es mit 59 Jahren zum Jahresende doch etwas früher geworden. Die Weseler Kieferorthopädin verabschiedet sich pünktlich zum 30. Bestehen der Praxis und sorgt für Nachfolge.

Lange im Vorhinein kommuniziert kommt es für den ein oder anderen jetzt doch plötzlicher als erwartet. Jasmin Kesseler geht in Ruhestand: „Mir fällt es nicht schwer aufzuhören. Vielmehr freue ich mich auch.“ Ohne übliche Jubiläumfeier verabschiedet sich die Kieferorthopädin zum Ende des Jahres aus der selbst gegründeten Praxis. Am schwersten fällt es ihr, sich nicht bei allen persönlich verabschieden zu können.

„Viele Menschen haben in den letzten Jahren super zusammengearbeitet. Wir saßen alle im gleichen Boot, haben uns ergänzt und unterstützt. Nur so konnten wir alle unsere Patienten behandeln“, veranschaulicht die 59-Jährige ihr Erfolgsrezept, „Alles fand auf einer großen Vertrauensbasis statt. Ohne mein Team oder auch eine treue Kinderfrau und Haushaltshilfe wäre das gar nicht möglich gewesen.“

Eigentlich wollte Jasmin Kesseler nach ihrem Abitur 1980 in Bad Oeynhausen Entwicklungshelferin werden. Weil sie aber zunächst einen beruflichen Abschluss brauchte, entschied sich die heute 59-Jährige damals für die Zahnmedizin. „Der Anfang war schwer und stressig, aber am Ende des Studiums war es einfach nur noch schön“, erzählt die Mutter von fünf Kindern. Mit der Fachausbildung in Kieferorthopädie machte sie schließlich ihr Hobby zum Beruf. Am 10. Dezember 1990 eröffnete sie auf der Luisenstraße ihre eigene Praxis. Die erste Weseler Praxis, die feste Zahnspangen anbot.

Die letzten 30 Jahre hat diese Praxis auch immer den dritten Platz im Leben der Ärztin eingenommen – stets hinter der eigenen Familie und der Bahai-Gemeinde. Gemeinsam mit der am 1. Januar 1996 als Assistentin eingestiegenen und ab dem 1. April 1998 als Partnerin tätigen Marie-Christine van Doren teilte sie sich ihre Tage in der Praxis nur 200 Meter entfernt von ihrem Zuhause.

„Es hat mir immer riesig viel Spaß gemacht. Ich bin unseren Patienten und ihren Eltern sehr dankbar, dass sie immer so gut mit uns kooperiert haben.“, betont die Kieferorthopädin. Aber besonders das zwölfköpfige Team, bestehend aus Helferinnen, Technikern und einer Reinigungskraft, habe die 59-Jährige in den letzten 30 Jahren gebunden und gehalten: „Meine längste Helferin arbeitet schon seit Sommer 1991 mit mir zusammen.“

Genauso bleiben Anekdoten aus all den Jahren in Erinnerung. „Wir hatten einen Wintertag mit so hohem Schnee, dass tatsächlich kein Patient gekommen ist. Nach einer Stunde sind auch wir wieder nach Hause gefahren“, erinnert sich Partnerin van Doren zurück. Trotzdem sei es für das gesamte Team immer eine Selbstverständlichkeit gewesen, immer anwesend zu sein.

Und auch der Neue im Team durfte schon an vielen Erfahrungen teilhaben. „Mittlerweile kommen auch Kinder von ehemaligen Patienten und Patientinnen in die Praxis und zeigen uns somit auch Ihre Dankbarkeit“, berichtet Benjamin Müller.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Kieferorthopädin Jae-Eun Shin-Müller wird der 35-Jährige ab dem kommenden Jahr das Team rund um van Doren tatkräftig unterstützen. Er offiziell ab dem 1. Januar, sie ab dem kommenden Sommer.

Nach sieben Jahren kieferorthopädischer und zahnärztlicher Erfahrung in Frankfurt verschlägt es das Ehepaar mit gemeinsamem Sohn wieder zurück in die Heimat. Durch eine von Kesseler inserierte Anzeige wurden sie auf die Praxis in Wesel aufmerksam und konnten sich gegen eine Konkurrentin aus Düsseldorf durchsetzen.

Aktuell arbeitet das Ärzteteam zu dritt. Der erste und einzige Mann im Frauenteam, Benjamin Müller, spricht von Abwechslung für die Patienten. Grundsätzlich sehen alle drei aber weder Vor- noch Nachteile in der neuen Situation. „Es ist toll so, wie es ist und wir können nur dankbar sein“, meint die scheidende Ärztin, und auch Müller habe sich sehr auf die Übergangsphase gefreut: „Es bestätigt mich, wenn ich sehe, wieviel Spaß das gesamte Team an der Arbeit hat.“

Alle drei haben Spaß am Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Sie sprechen von der Faszination, die Charaktereigenschaften der Kinder wie beispielsweise Ausdauer, Ehrlichkeit und Vertrauen über mehrere Jahre Behandlung positiv trainieren zu können. Insbesondere die Motivation der Kinder und Jugendlichen hebt Müller hervor. Er selbst habe durch die Motivation und Freude seines eigenen Kieferorthopäden zu seinem Beruf gefunden. „Und das Handwerk lag mir auch schon immer“, lacht er.

Diese Arbeitseinstellung wurde auch in den vergangenen Wochen deutlich. „Anstatt dass sich mal jemand zurückzieht möchte jeder von uns mit anpacken und arbeiten“, berichtet der neue im Team, „Kinder sind immer sehr ehrlich. Darum macht die Arbeit mit Ihnen auch so viel Spaß.“

Vieles ist auch in dreißig Jahren gleichgeblieben. Trotzdem bringt das Ehepaar Müller auch neue Ansätze mit ins Team. „Mittlerweile gibt es auch Zahnspangen, die hinter den Zähnen sitzen oder durchsichtige Schienen“, erklärt der 35-Jährige. Auch ein digitaler Behandlungsplan stehe auf dem Programm. Eben eine eigene Note in Erscheinungsbild und Behandlung.

„Ich sorge mit meinem Ausstieg für Entwicklung und Platz für Neues. Hätte ich dafür nicht den passenden Nachfolger gefunden, hätte ich auch nicht aufgehört“, ergänzt Kesseler, „Es harmoniert und funktioniert einfach wunderbar mit uns allen. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen.“

Jasmin Kesseler freut sich währenddessen auf mehr Zeit mit ihren Kindern, mehr Kontakte zu ihrer weltweit verbreiteten Familie und vermehrtes Engagement in ihrer Gemeinde.