1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Wesel: Jazz in Diersfordter Schlosskirche ab Herbst

Konzertreihe in Diersfordt :  Jazzer mögen Charme der Schlosskirche

Am 6. September startet in Diersfordt die Reihe „acoustics“. Die Organisatoren rechnen mit ausverkauften Veranstaltungen, wobei eine Dreier-Karte für die Konzerte im Rahmen der Muziek Biennale Niederrhein gilt.

Wenn Programmmacher Wilfried Schaus-Sahm eine Jazzgröße unbedingt zum Konzert ins kleine Diersfordt lotsen will, sagt ein Bild manchmal mehr als 1000 Worte. Dann schickt der Künstlerische Leiter der noch jungen, aber erfolgreichen Konzertreihe „acoustics“ in der Rokoko-Kirche des Diersfordter Schlosses ein paar Fotos von Konzerten in dem Denkmal.

Der Charme des Kirchleins mit diesem verzierten Innenleben und himmelblauen, hölzernen Bänken mit den kräftig pinken Sitzkissen ist groß, im Fall von Anja Lechner und Pablo Marquez überzeugend. Eigentlich sind die Münchner Cellistin und der argentinische Gitarrist als Duo unterwegs mit ihrem Schubert-Programm „Die Nacht“, zu teuer für das vergleichsweise schmale Konzertbudget. Doch die intime Atmosphäre in der Schlosskirche und die direkte Nähe zum Publikum hat besonderen Reiz. Auch deshalb kann „acoustics“ ab dem 6. September immer wieder sonntags um 15 Uhr mit Jazzgrößen brillieren.

Volker Pypetz vom Kultur Netzwerk Diersfordt-Wesel beschreibt die Dimensionen so: „Ein Großteil der Künstler, die wir haben, treten sonst in Philharmonien und großen Sälen auf. Hier bei uns erleben sie eine ganz andere Stimmung, das spricht sich in der Jazzszene herum.“ Übrigens auch beim Publikum; ein fester Stamm kauft schon Karten, ohne überhaupt das Programm zu kennen. 2019, erzählt Pypetz, seien fünf Schweizer extra wegen „acoustics“ angereist und hätten noch ein paar Tage in Wesel drangehängt.

Auch in diesem Jahr rechnen die Organisatoren mit ausverkauften Veranstaltungen, wobei eine Dreier-Karte, der All-in-Pass, für die Konzerte im Rahmen der Muziek Biennale Niederrhein gilt. Dazu kommt ein Zusatzkonzert, für das ein Einzelticket gilt. Ingrid Misterek-Plagge, Geschäftsführerin des Kulturraums, betonte, dass man die Diersfordter Reihe als hochkarätige Veranstaltung einschätzt, die den Niederrhein kulturell sichtbar mache. Das Kultur Netzwerk freut sich, denn es bekommt Fördergeld. Landtagsabgeordnete Charlotte Quik unterstützt gerne als Schirmherrin.

Der Erfolg hat sicher auch mit dem Ruf zu tun, den sich zuvor das ausgelaufene Sommerton-Festival am Schloss erworben hatte. Die kleine Schwester des Jazzfestivals hat nun die feine Rolle übernommen – mit mindestens regionaler Wirkung. Die Klasse der nun angekündigten Musiker spricht für sich. Am 6. September macht die ungarische klassische Gitarristin Zsoffa Boros den Anfang. Sie ist bekannt dafür, nur Stücke auszuwählen, zu denen sie eine besondere Beziehung hat. Ihr unaufgeregtes, lyrisches Spiel passt gut zum Biennale-Motto „Tiefen“.

Am 20. September folgt das französische Duo Renaud Garcia-Fons, bekannter Gast in Diersfordt, und Claire Antonini. Es präsentiert das inzwischen europaweit aufgeführt Projekt „Farangi“, bei dem die Musiker über Melodien aus dem Orient und dem Barock improvisieren sowie Eigenkompositionen präsentieren. Am 4. Oktober spielen Anja Lechner und Pablo Marquez ihr Schubert-Projekt, das sich mit Schuberts alternativen Kompositionsversionen mit Gitarre widmet.

„Das passt perfekt an den Aufführungsort“, sagt Schaus-Sahm. Als Zusatzkonzert hat er Arkady Shilkloper (Russland) und Vadim Neselovskyi (Ukraine) für den 15. November gebucht. Wald- und Alphorn trifft Piano – das Konzert verspricht eine unglaubliche Kombination. Experimentierfreudige Töne klingen gut im Konzertraum Schlosskirche Diersfordt. Er ist auch ein Ort, der mit seiner Akustik besticht, die ihn für Musikdarbietungen außergewöhnlich macht.