Wesel: Ireen Sheer gastiert in der Niederrheinhalle

Interview Ireen Sheer : „Rheinland ist die Happy-Abteilung Deutschlands“

Am Samstag, 20. Oktober, macht die „Schlagerlegenden-Tour“ Station in der Weseler Niederrheinhalle. Ab 20 Uhr werden Lena Valaitis, Peggy March, Michael Holm, Graham Bonney und nicht zuletzt Ireen Sheer ihre größten Hits vortragen. Vor allem Ireen Sheer, gebürtige Engländerin mit Düsseldorfer Mutter, freut sich auf den Abend am Niederrhein.

Punkt 11.30 Uhr wähle ich die Berliner Nummer von Ireen Sheer. „Klaus Kahl“, meldet sich eine sonore Stimme. Kahl, der früher als Geschäftsmann in der Baustoffindustrie erfolgreich war, ist ihr Manager und seit dem Jahr 2010 ihr zweiter Ehemann. Die beiden sind aber schon seit 2001 ein Paar. „Einen Moment“, sagt er, „Frau Sheer kommt sofort.“ Was folgt, ist ein unterhaltsamer Plausch über die Lust am Leben auch im fortgeschrittenen Alter, über die goldenen Zeiten des Schlagers und die Pläne der charmanten Künstlerin.

Darf ich ehrlich sein?

Ireen Sheer Bitte.

Sie gehören für mich zu den Künstlerinnen, die im Laufe der Jahrzehnte kaum gealtert sind.

Ireen Sheer (lacht) Ohhh, danke für das Kompliment. Ja, ich fühle mich jung, aber natürlich auch erfahrener – was schön ist. Generell fühle ich mich sehr wohl in meiner Haut, genieße die Zeit sehr, denn die wird ja auch immer weniger. Meine Mama sagte immer, man schaut von innen nach außen. Wenn man so ein interessantes Leben hat, wie ich es führen darf, mit so vielen schönen Erinnerungen und noch so vielen Plänen, dann hilft einem das ja auch, nicht älter zu werden. Das Strahlen in den Augen macht einen jung. Wenn man tote Augen hat, keine Mimik, keine Lebensfreunde, dann ist man alt, auch wenn man noch jung ist.

Eigentlich brauche ich jetzt die Frage nicht mehr stellen, warum Sie sich in einem Alter, in dem die meisten Menschen ihren Ruhestand genießen, diesen Tour-Stress antun – jeden Abend an den Wochenenden in einer anderen Stadt, in einer anderen Halle.

Ireen Sheer Die Schlagerlegenden-Tour war ein schönes Angebot. Weil wir in der Regel nur freitags bis sonntags auftreten, den Rest der Woche aber etwas anderes tun können, ist das alles leichter geworden.

Ihre Mutter stammt aus Düsseldorf. Wie viel Rheinländerin steckt in Ihnen?

Ireen Sheer (lacht) Ich liebe das Rheinland. Das ist die Happy-Abteilung Deutschlands. Der Humor ähnelt dem der Engländer. Wobei die Familie meiner Mutter eigentlich aus Ostpreußen stammt – aus Königsberg und Tilsit. Mein Großvater hatte in den 20er Jahren eine Anstellung in Düsseldorf gefunden und Frau und Kinder nachgeholt. Düsseldorf kenne ich gut, bin mit meinen Cousinen auf dem Unterbacher See Boot gefahren und kenne natürlich auch die Altstadt. Nach mehreren Jahren in Ellmau in Tirol wohnen wir seit zwei Jahren in Berlin. Dort kann man auch gut leben, weil es so grün ist und die Stadt aus lauter Kiezen besteht. Das gefällt mir. Da fühlen wir uns wohl, weil mein man Mann hier früher elf Jahre gelebt und gearbeitet hat.

Gibt es eigentlich Freundschaften unter Schlagersängern? Oder anders gefragt: Treffen Sie sich auch privat mit Kollegen?

Ireen Sheer Es ist so, dass man irgendwie wie eine große Familie ist, wenn man sich sieht. Befreundet bin ich mit Patrick Lindner. Vor 30 Jahren war ich mal Patin für eine TV-Sendung. Ich weiß noch, das war im Tarm-Disco-Center in Bochum. So haben wir uns kennengelernt. Ich war in seinen TV-Sendungen. Und vor fünf Jahren waren wir gemeinsam auf Tournee. Wir treffen uns auch mit Bernhard Brink und seiner Frau. Oder mit Carmen Nebel und ihrem Mann, die auch in Berlin leben. Eigentlich gibt es kaum einen Kollegen, den ich nicht mag. Wie gesagt, wir sind wie eine Familie, die die Erinnerungen verbindet. Es hat sich ja alles verändert. Die großen TV-Shows gibt es heute nicht mehr. Außer die von Carmen Nebel und Florian Silbereisen.

Apropos Show. Es gibt noch eine große Samstagabend-Show, in der Sie auch schon aufgetreten sind: Verstehen Sie Spaß? Ihre Empörung, dass die Nachwuchssängerin Tatjana, gespielt von Paola, Ihre Hits singt, ist ein Klassiker. „Ich bringe sie um“, haben sie damals vor Wut gesagt.

Ireen Sheer (lacht) Ich habe mich damals wirklich so aufgeregt. Heinz Schenk war der Lockvogel, der mich aufregen sollte. Er hat das auch sehr gut gemacht. Ich konnte auf einem kleinen Monitor sehen, was da in der Halle passiert und habe mich so geärgert, weil man so hart am eigenen Repertoire, der Show und an den Gags arbeitet. Und dann kommt jemand und tritt mit meinem Programm auf – und kommt damit auch noch tierisch gut an. Das war zu viel. Wie gut, dass es nur die versteckte Kamera war.

Ihr Stern ging 1973 mit dem Song „Goodbye Mama“ in der Hitparade von Dieter-Thomas Heck auf, der kürzlich verstorben ist. Waren Sie auf seiner Beerdigung?

Ireen Sheer Die Beerdigung fand im kleinsten Familienkreis statt. Dafür habe ich Verständnis. Ich habe mit Hildchen, seiner Witwe, telefoniert. Ich finde, sie und die Kinder haben das genau richtig gemacht, dass er im engsten Familienkreis beigesetzt wurde. Dieter hatte wirklich einen riesigen Kreis an Freunden und Bekannten. Wären alle eingeladen gewesen, wären Tausende zu seiner Beerdigung gekommen. Die letzten ein oder zwei Jahre seines Lebens waren schlimm. Das hat mich traurig gemacht. Sein Tod war letztlich eine Erlösung.

Welche Musik hören Sie privat am liebsten?

Ireen Sheer Gute Schlager (lacht). Und Softrock. Queen finde ich toll. Aber auch leichte Klassik. Ich gehe gerne in die Oper und in Musicals. Es gibt ja so viel. Wenn man musikalisch ist, hat Musik keine Grenzen. Und wenn man das stimmliche Material hat, kann man auch diverse Musikrichtungen darstellen.

Gibt es Schlagersängerinnen, die Sie besonders schätzen?

Ireen Sheer Helene Fischer ist eine Ikone geworden, Andrea Berg hat eine große Karriere gemacht. Michelle ist auch wieder da. Sie hat zwar mal gesagt, dass Frauen ab 40 nicht mehr auf die Bühne gehen sollten. Nun ist sie 46 und hat sich für ihr neues Album fast komplett entblößt.

Haben Sie auch schon mal solch freizügige Bilder von sich machen lassen?

Ireen Sheer (lacht) Nur einmal für die Bravo. Ich trug so eine Federboa, da hat man nicht viel gesehen. Da war das Frechste, was ich je gemacht habe.

Am 20. Oktober kommen Sie in die Weseler Niederrheinhalle. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Ireen Sheer Zu Beginn stehen wir alle gemeinsam auf der Bühne, begleitet von Otti Bauer und seinem Orchester. Danach präsentiert jeder seine Hits. Es ist toll, dass einige treue Fans zu jedem unserer Konzerte kommen und auch schon Karten für die ersten beiden Reihen gebucht haben. Es ist schön, Menschen durch meine Lieder eine Freude zu bereiten.

Sie singen also ihren Eurovision-Song von 1978, „Feuer“, „Xanadu“ und „Heut’ Abend hab’ ich Kopfweh“.

Ireen Sheer Genau. Das wollen die Leute hören. Es heißt ja auch Schlagerlegenden.

Zu Beginn haben Sie von Plänen gesprochen, auf die Sie sich freuen.

Ireen Sheer 2019 nulle ich und feiere außerdem ein Jubiläum: 50 Jahre Profisängerin. Das ist der Beruf, den ich schon als Kind ergreifen wollte. Es wird ein Jubiläums-Doppelalbum geben und eine DVD. Außerdem werde ab Oktober 2019 Teil einer großen, von Sascha Heyna moderierten Hitparaden-Tournee sein und 70 Tage unter anderem mit Patrick Lindner, GG Anderson und Michael Hirte, dem Mann mit der Mundharmonika, unterwegs sein. Privat fliege ich im Dezember dieses Jahres mit meinem Mann nach Südafrika, worauf ich mich auch sehr freue.

Gibt es eigentlich eine Persönlichkeit, die Sie in Ihrem Leben noch nicht getroffen haben, aber gerne kennenlernen würden?

Ireen Sheer (überlegt kurz) Ja. Die Queen, die bewundere ich. Eine tolle Frau.

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