Wesel: Hotelverbands-Chef spricht sich gegen Hallen-Neubau aus

Diskussion in Wesel geht weiter : Hotelverband gegen Hallen-Neubau

Ulrich Langhoff, Vorsitzender des Gaststättenverbandes im Kreis, spricht sich gegen den Neubau einer Veranstaltungshalle mit Hotel am Fusternberg aus. Die Debatte um die Niederrheinhalle befeuern auch Politiker weiter.

Gibt es wirklich einen Bedarf für ein weiteres Hotel mit Tagungskapazität in Wesel? Ulrich Langhoff, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis und Gastronom des Lippeschlößchens, zweifelt dies stark an. Ein weiterer Neubau würde die bestehende Hotellandschaft gefährden, sagte Langhoff. Er verweist dabei auch auf das große Welcome-Hotel an der Rheinpromenade. Die Hotels seien in Wesel im Schnitt zu 60 Prozent ausgelastet, sagte Langhoff. Der „Break Even“, also der Punkt der Gewinnerzielung, sei bei 50 Prozent. Dies zeige, wie sehr die Statik der Hotellandschaft durch einen Neubau gefährdet wäre. Langhoff fordert die Politik auf, den Dialog mit den Hoteliers zu suchen. „Mit vielen wurde noch überhaupt nicht gesprochen“, beklagt er.

Die Debatte eines Neubaus der Niederrheinhalle mit Hotelanschluss bewegt Wesel seit Wochen. Den ersten Aufschlag machte die Stadtverwaltung jüngst, als sie vorschlug, auf die Suche nach einem Investor zu gehen, der an der Stelle der jetzigen Niederrheinhalle eine neue Halle mit Tagungshotel baut. Die jetzige Niederrheinhalle hat bei Maximalbestuhlung eine Kapazität von 1500 Plätzen. Diese Zahl braucht es wohl nicht mehr. Die Weseler Politik geht von nur noch 1000 nötigen Plätzen aus.

Die Niederrheinhalle ist marode, der Sanierungsstau liegt bei 16,5 Millionen Euro. 40 Prozent davon sind zwar Risikoaufschlag, die eigentlichen Kosten liegen bei rund 11,8 Millionen Euro. Dennoch zeigte sich jüngst im Fachausschuss Gebäudeservice-Chefin Anita Timmreck sicher, dass mindestens die Kosten von 16,5 Millionen Euro erreicht würden. Andere Politiker wie Jürgen Linz (CDU) rechnen sogar damit, dass die Kosten am Ende noch einmal immens steigen. Zwar soll ergebnisoffen diskutiert werden. Das von weiten Teilen der Politik favorisierte Modell ist aber eindeutig, dass ein Investor die Halle errichtet.

Gegen seine eigene Fraktion hat der SPD-Politiker Hilmar Schulz gestimmt. Er sagt, er habe Kontakt mit der Weseler Hotellandschaft aufgenommen. Die würde einen Neubau sehr kritisch sehen. Es gebe schlicht keinen Bedarf. Ulrich Langhoff pflichtet ihm bei, wenn er sagt: „Selbst beim Tagungsgeschäft sehe ich keinen Mangel.“ Er verweist auf die bestehende Hotellandschaft mit Welcome-Hotel, Tannenhäuschen und den kleineren Häusern wie Hotel zur Aue oder Kaiserhof.

Bernd Reuther, Bundestagsabgeordneter der FDP und viele Jahre Fraktionschef seiner Partei in Wesel, kommt durch Gespräche mit der umliegenden Gastronomie zu anderen Ergebnissen. Er habe Kontakt mit einem Gastronomen im Umland aufgenommen, der schon im Tagungsgeschäft aktiv sei. Der habe ihm bestätigt, dass der Niederrhein Tagungsräume dringend brauche. Reuther selbst hat in seinem früheren Job bei Hochtief Tagungen mit organisiert. Dabei habe er gemerkt, wie schwer es ist, geeignete Räume zu finden.

Ulrich Langhoff regt auch an, einen Alternativstandort für Hotel und Veranstaltungshalle zu suchen. Der Standort Fusternberg sei nicht geeignet. Es sei schwierig, dafür einen Investor zu finden. Die Standortfrage bewegt auch Bernd Reuther. Man dürfe nicht schon jetzt einen Standort schlecht reden, sondern solle abwarten, ob ein Investor kommt. Falls dieser nicht komme, regt Reuther auch eine Alternatividee an. Bei der Historischen Rathausfassade habe sich die enge Verbindung vieler Weseler mit ihrer Stadt gezeigt. Der FPD-Politiker kann sich ein ähnliches Modell für die Niederrheinhalle vorstellen. Ein Teil des Areals würde dann verkauft und zu Bauland umgewandelt. Mit dem Erlös dieses Verkaufs und dem Mitwirken Privater, etwa der Schützen, könnte dann Neues entstehen.