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Wesel: Historische Vereinigung hat neuen Band vorgelegt

Neuer Band der Historischen Vereinigung : Geschichten aus dem alten Wesel

Der neue Band der Historischen Vereinigung erzählt in Abhandlungen Wissenswertes aus der Vergangenheit. Unter anderem geht es um die Weseler Zeitungslandschaft.

Es stecken wieder unzählig viele Forscherstunden in dieser Arbeit. Historikerarbeit ist mühsam, es ist ein Wühlen in Archiven, ein Stöbern in Blättern – und nicht jeder Fund ist zwingend ein Treffer. Am Ende dieses Prozesses entsteht für den Leser immer Spannendes: Da ist jemand für mich in die Vergangenheit getaucht. Historiker sind immer auch Detektive.

Im neuen, jetzt vorliegenden Band „Wesel und der Untere Niederrhein“  haben sich zehn Autoren mit spannenden Aspekten der Regionalgeschichte befasst. Der Band lebt von seiner Vielfalt. Eine populärwissenschaftliche Betrachtung der regionalen Presselandschaft in Wesel (Autor Werner Köhler) kommt ebenso vor wie der stärker an tradierter Geschichtsforschung orientierte Aufsatz „Das Herzogtum Kleve und Wesel in der Umbruchzeit zwischen 1794 und 1816“ von Irmgard Hantsche, ehemalige Professorin an der Universität Duisburg.

 Mitglieder der Historischen Vereinigung bei der Buchvorstellung (v. l.): Dieter Kraemer, Werner Köhler, Jürgen Becks, Reinhard Hoffacker (Sparkasse) und Martin Roelen vom Stadtarchiv.
Mitglieder der Historischen Vereinigung bei der Buchvorstellung (v. l.): Dieter Kraemer, Werner Köhler, Jürgen Becks, Reinhard Hoffacker (Sparkasse) und Martin Roelen vom Stadtarchiv. Foto: Sebastian Peters

Es ist der insgesamt fünfte Band der Historischen Vereinigung unter diesem Titel. Es werde immer schwerer, Autoren zu finden, räumt der Vorsitzende Jürgen Becks ein. „16 Monate Arbeit stecken in diesem Band“, sagt er. 350 Bücher wurden gedruckt. Zu 25 Euro sind sie erhältlich. Auch Becks nennt die Vielfalt der Aufsätze als eines der prägenden Kriterien.

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Was treibt die Autoren an, warum wühlen sie immer weiter in der Weseler Geschichte? Eine Stadtgeschichte sei eben nie ganz auserzählt, sagt Martin Roelen, der Weseler Stadtarchivar. Er hat immer wieder Themen, die er der Historischen Vereinigung empfiehlt. Ziel der Aufsätze soll immer auch sein, ein breites Publikumsinteresse zu erzeugen. In diesem Sinne spannende Lektüre bietet unter anderem Peter Bruns. Er befasst sich mit Einbäumen. Ausgehend von einem Fund in Krudenburg, hat er Einbäume in den Kontext zu Flussfähren gesetzt. Im Jahr 1950 wurde bei Hünxe die größte vorgeschichtliche Flussfähre Deutschlands entdeckt.

Volker Kocks widmet sich einem bis dato kaum erforschten Thema. Er befasste sich mit dem städtischen Weseler Waisenhaus von seinen Anfängen im 16. Jahrhundert bis zu seiner Umwidmung in den 1960er Jahren.

Kai Hecheltjen befasst sich in seinem Aufsatz, „weil er nicht arischer Abstammung ist“, mit dem durch die Nazis verfolgten Weseler Rechtsanwalt Walter Bongartz. Er wurde nach Auschwitz deportiert, unmittelbar nach der Ankunft dort am 6. September 1942 getötet.

Trotz aller Forschungsarbeit – die Historische Vereinigung muss personalbedingt auch kürzer treten. Ihre bis zuletzt regelmäßig erschienenen „Mitteilungen“ hat die Vereinigung inzwischen eingestellt – zu viel Arbeit für das kleiner werdende Team. Zwar hat die Historische Vereinigung noch 180 Mitglieder. Zum „harten Kern“, so Werner Köhler, gehörten aber nur noch zehn Mitstreiter. Die sorgen dafür, dass Geschichte stetig neu in Erinnerung gerufen wird; auch mit Vorträgen von Gastreferenten.

Das Buch ist zum Preis von 25 Euro erhältlich in den Buchhandlungen Korn und Mayersche, im Weseler LVR-Niederrheinmuseum und in der Stadtinfo am Großen Markt.