Wesel: Hausfrau wegen Geldwäsche zu Haftstrafe verurteilt

Gerichtsurteil in Wesel : Hausfrau wegen Geldwäsche zu Haftstrafe verurteilt

Eine 49-jährige Hausfrau aus Wesel wollte sich ein paar Euro dazuverdienen, indem sie Pakete weiterschickte. Am Montag wurde sie vor dem Amtsgericht dafür verurteilt.

Auf monatlich 450 Euro hatte sich eine Hausfrau aus Wesel gefreut, die ihr Haushaltskonto mit einer keinen Nebentätigkeit etwas aufbessern wollte. Doch statt auch nur einen Cent zu sehen, wurde die 49-Jährige am Montag am Weseler Amtsgericht wegen Geldwäsche zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt – zudem muss sie 100 Sozialstunden leisten und die Kosten des Verfahrens übernehmen.

Die Weselerin war im Sommer vergangenen Jahres auf der Suche nach einem Job, schaltete dazu ein Inserat bei Ebay-Kleinanzeigen. Kurz darauf wurde ihr eine Tätigkeit angeboten, die sie leicht von zu Hause aus erledigen konnte. Per WhatsApp bot ihr jemand an, sie bekäme 450 Euro pro Monat, wenn sie Pakete annehme, den Inhalt „kontrolliere“ und diese weiterschicken. Schon nach wenigen Tagen trudelten die ersten Pakete bei ihr ein – mal ein Handy, mal eine Lampe, mal Lego und auch mal ein T-Shirt im Wert von 329 Euro.

Die Hausfrau öffnete alle diese Pakete, fotografierte den Inhalt und schickte diese an Adressen weiter, die ihr der Auftrageber mitteilte. „Ich musste die Pakete nach Polen, Russland, Rumänien und England schicken“, sagte die Angeklagte vor Gericht. Sie habe sich zunächst nichts weiter dabei gedacht, doch als eine Paketbotin sie ansprach und sagte „Da stimmt doch was nicht!“, wurde auch die Weselerin skeptisch. Sie kontaktierte ihren Auftraggeber und fragte, wie es mit der Bezahlung aussehe. Von diesem Zeitpunkt an hörte sie nie wieder was von der Person, der sich als Mann ausgab und die Ländervorwahl +44 aus Großbritannien nutzte. Stattdessen hörte sie was von Polizei und Staatsanwaltschaft – und wurde wegen Geldwäsche angeklagt.

„Wenn man ein Jobangebot nur per WhatsApp annimmt und dann merkt, dass man nur Pakete mit offenbar wertvollen Inhalten ins Ausland weiterleiten soll, muss man erkennen: Das müssen kriminelle Geschäfte sein!“, sagte der Richter, der die Hausfrau am Montag verurteilte und ihr vorwarf, „extrem grob fahrlässig“ gehandelt zu haben. Er ging davon aus, dass bei etwa 50 weitergeleiteten Paketen ein „nicht unerheblicher Schaden“ verursacht wurde. Positiv wertete das Gericht das umfassende Geständnis der 49-Jährigen – strafverschärfend allerdings kam hinzu, dass die Hausfrau bereits vier Vorstrafen hatte – drei wegen Betruges und eine wegen Diebstahls. „Sie ist da leichtfertig reingeschlittert, aber ja letztlich Betrügern aufgesessen“, argumentierte der Anwalt der Weselerin, die selber sagte: „Ich war halt dumm!“

Geldwäsche wird in § 261 des Strafgesetzbuches geregelt: „Wer einen Gegenstand, der aus einer rechtswidrigen Tat herrührt, verbirgt, dessen Herkunft verschleiert oder die Ermittlung der Herkunft, das Auffinden, die Einziehung oder die Sicherstellung eines solchen Gegenstandes vereitelt oder gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“ In besonders schweren Fällen ist eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren möglich.

(jok)
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