Wesel: Hansgilde zieht ab 2020 ins Berliner Tor

Bauministerin Scharrenbach überreicht Förderbescheid : Im Berliner Tor wird Hansezeit lebendig

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach hat der Stadt einen Förderbescheid in Höhe von 213.600 Euro überreicht. Damit kann das ehemalige Stadttor umgebaut werden, das von der Hanse-Gilde genutzt werden soll.

Gut 40 Minuten später als ursprünglich vorgesehen fuhr NRW-Bauministerin Ina Schnarrenbach (CDU) am Freitagabend am Berliner Tor vor, um Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp ein ganz besonderes Dokument zu überreichen: einen Förderbescheid aus dem Programm „Heimat-Zeugnis“. Damit wird das Land den Umbau des sanierungsbedürftigen Berliner Tores, in dem bis vor wenigen Monaten noch ein italienisches Restaurant untergebracht war, mit 213.600 Euro unterstützen. Die Verwaltung hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Stadt selbst wird, dank der Finanzspritze aus Düsseldorf, von den Gesamtkosten in Höhe von 267.000 Euro lediglich 20 Prozent tragen müssen.

Sobald die Arbeiten in dem denkmalgeschützten Objekt (siehe Infobox) im Frühjahr oder Sommer 2021 abgeschlossen sind, soll in den Räumen eine Ausstellung zum Thema „Hanse und Handel“ eröffnet werden. Wobei der inhaltliche Schwerpunkt die Hanse vom Mittelalter bis zur Neuzeit sein soll.

Das Konzept, an dem neben Ideengeberin Heike Kemper (Kulturbeauftragte der Stadt), Barbara Rinn-Kupka, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des städtischen Museums, und Ludwig Maritzen, der Sekretär der rührigen Weseler Hanse-Gilde, mitgearbeitet haben, sieht unter anderem folgendes vor: Der Eingangsbereich des architektonischen Kleinodes wird mit Informationsmaterial der Stadt versehen. Zu den Präsentationsräumen hin werden die schon vorhandenen Türelemente (aus Glas und Holz) wieder eingesetzt. Küche, Theke und Schränke im ersten Raum werden entfernt, der Korpus bleibt bestehen. Der mittlere Raum wird der Hauptraum der Präsentation. Neben Objekten in einer Vitrine sollen Rekonstruktionen von Verkaufsstellen die damals gehandelten Waren zeigen. Eine interaktive Karte an der Wand soll die verschiedenen Handelswege durch Europa präsentieren.

Der Raum mit den kleinen Fenstern ist für die Gegenwart vorgesehen (Neue Hanse, Europäische Union). Dort wird ein kleinerer Gruppenraum entstehen. Zudem wird moderne Technik (Beamer, Leinwand) eingesetzt.

Aus dem Bestand der Kulturverwaltung und der Hanse-Gilde kann eine Dauerausstellung eingerichtet werden. Mit der Präsentation könnte das Berliner Tor in die bestehenden Stadtführungen integriert werden. Darüber hinaus hat die Hanse-Gilde bereits zugesagt, zu besonderen Ereignissen wie dem Frühlings-, dem Hanse- oder auch dem Weinfest das Berliner Tor zu öffnen.

Zudem ist ab Frühjahr 2020 eine Außengastronomie geplant, die von den Machern des Spellener Brauprojektes 777 betrieben wird. In den Sommermonaten sollen von Mittwoch bis Sonntag regionale Spezialitäten und Getränke angeboten werden. Dabei könnte ein regelmäßiges Open-Air-Kulturprogramm die Angebote am Berliner Tor ergänzen. So jedenfalls sieht es das Konzept derzeit vor.

Im Frühjahr 2020 sollen die nötigen Arbeiten ausgeschrieben werden. Die Bauzeit wird etwa neun Monate betragen. Wann genau das Berliner Tor künftig geöffnet haben wird, dazu wollte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp am Freitagabend nichts sagen. „Das vorgestellte Konzept ist ein atmendes Konzept. Es ist noch zu früh, um über Öffnungszeiten zu sprechen.“

Auch hat das kulturell vielsprechende Kind noch keinen richtigen Namen. Aber Hansemuseum, da sind sich alle daran Beteiligten jetzt schon einig, wird es auf keinen Fall heißen.