Wesel: Fahrplanwechsel sorgt für Irritationen

Wesel : Fahrplanwechsel sorgt für Irritationen

Zum Schulstart tritt heute der neue Nahverkehrsplan in Kraft. Er bringt Einschränkungen, die trotz vorher breiter politischer Diskussion Fahrgästen erst allmählich bewusst werden. Auch der Verband Pro Bahn übt Kritik.

Wer künftig aus den Außenbereichen Wesels mit dem Bus in die Stadt fahren will, muss rechtzeitig und aufmerksam die Fahrpläne studieren. Der neue Nahverkehrsplan tritt heute mit dem Schulstart nach den Ferien in Kraft. Aus wirtschaftlichen Gründen sind die Angebote auf etlichen Linien eingeschränkt worden. Das gilt besonders in Nebenzeiten wie den Wochenenden. Um eine Grundversorgung zu gewährleisten, ist für Bislich und Blumenkamp/Lackhausen, wie berichtet, ein Anrufsammeltaxi (AST) eingerichtet worden.

Die verwunderten Reaktionen einiger ÖPNV-Nutzer, die unsere Redaktion kontaktierten, zeigen: Die Existenz des Anrufsammeltaxis muss sich fürs Gelingen ebenso erst herumsprechen wie die Tatsache, dass potenzielle Passagiere ihre Fahrtwünsche unter Tel 02841 88 22 444 anmelden müssen. Neben dieser Neuerung irritieren in diesen Tagen noch andere Änderungen. So fühlt sich mancher auf dem Fusternberg von der Stadt abgeschnitten, andere wiederum sorgen sich um eine verlässliche Anbindung der Grav-Insel.

Mit einem offenen Brief wandten sich zum Beispiel die Düsseldorfer Grav-Insel-Camper Marion und Harald Konradt jetzt an den Kreistag und den Weseler Stadtrat. Sie haben den aushängenden Plänen an der Haltestelle Flüren Friedhof entnommen, dass die Buslinie 86 samstagsnachmittags und sonntags ganztägig ab September nicht mehr verkehrt. Weil Marion Konradt berufstätig ist, erwägen die autolosen ÖPNV-Nutzer die Aufgabe ihres Platzes. Nichts mitbekommen hatten sie bislang vom neuen Anrufsammeltaxi.

Auf Anfrage unserer Redaktion äußerte Harald Konradt Zweifel daran, dass dies Flüren mitbedient. Diese Sorgen können ihm genommen werden. Günter Schlüter, Leiter der Verkehrsplanung bei der Niag, sagte, dass alle AST-relevanten Haltestellen, also auch Flüren Friedhof mit Hinweisen und Infomaterial ausgerüstet sind. Es bleibt aber dabei, dass jeder selbst aktiv werden muss, um das Angebot in Anspruch nehmen zu können.

Schlüter selbst war am Wochenende mit dem Rad auf den AST-Strecken unterwegs, hat unter anderem Info-Flyer verteilt und auch versucht, mit Leuten übers Thema Bus zu sprechen. Zum Beispiel in Bislich. Teils habe man ihm gesagt, dass Nachbarn sich gegenseitig mitnähmen. Andere nahmen das Faltblatt immerhin an mit dem Satz: „Man weiß ja nie ...“

Vom Fusternberg meldete sich Leserin Brigitte Dahlbeck in der Redaktion. Ihr geht es unter anderem um die Linie 83. Nach stundenlangem Studium der Fahrpläne hat sie herausgefunden, dass der Bus zum Beispiel am Samstag nicht mehr bis zum Großen Markt fährt, sondern nur bis zum Bahnhof, wo die Verbindungen dann schlecht seien. Dabei sei er dann immer voll gewesen, weil viele Ältere zum Wochenmarkt wollten. Außerdem gebe es sonntags keine Möglichkeit mehr, nach Hamminkeln zu kommen.

Niag-Verkehrsplaner Schlüter bestätigt die Wochenend-Ausdünnung des 83ers. Er erinnert daran, dass die schwarze Null im ÖPNV vom Kreis Wesel gewollt und die Wirtschaftlichkeit der Strecken natürlich genau untersucht worden ist. 15 Zählbusse mit Infrarotkameras seien im Einsatz gewesen, hätten mindestens alle Fahrten an vier Wochenenden erfasst. Und die Zahlen seien eindeutig: zu wenig Fahrgäste zu bestimmten Zeiten. Überdies, so Schlüter weiter, gebe es im Raum Wesel viel Radverkehr und auch die Zugverbindungen zu den Rhein-Ruhr-Zentren seien überdurchschnittlich gut. Beides gehe zu Lasten des Verkehrsträgers Bus.

Wesels städtischer Verkehrsplaner Michael Blaess erinnert daran, dass der Nahverkehrsplan vor gut einem Jahr für viel Wirbel in der Politik gesorgt hat. In den Ausschüssen sei er öffentlich rauf- und runterdiskutiert worden mit dem Ergebnis, dass Wesel sich an die Kreis gewandt hatte und mit der Niag eben das AST-System als Lösungsmöglichkeit erarbeitet worden war. Es kostet die Stadt nichts, die Niag indes vergütet dem Taxiunternehmen Dickmann (Voerde) Aufwand, auch wenn kein Wagen genutzt wird.

Gleichwohl sind der Niag alle Hinweise auf Ungereimtheiten oder zu Verbesserungen willkommen. „Nichts ist für die Ewigkeit“, sagte Schlüter mit Verweis auf Möglichkeiten zu Änderungen und Nachbesserungen.

Wer also Beschwerden loswerden will, kann sich rund um die Uhr an die Niag-Hotline unter 0180 6504030 oder zu Bürozeiten auch unter der Telefonnummer 028141 2050 an das Verkehrsunternehmen wenden.

Mehr von RP ONLINE