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Wesel: Eltern gegen neunten Zug an der Gesamtschule

Bildung in Wesel : Gesamtschuleltern lehnen den neunten Zug ab

Die Elternvertreter der Gesamtschule wehren sich jetzt gegen die Gründung eines neunten Klassenzuges in der Jahrgangsstufe fünf in 2019. Die Frage lautet: Was geschieht mit den 23 Kindern, die an der Gesamtschule abgelehnt wurden?

Die Elternvertreter der Gesamtschule wehren sich gegen die Gründung eines neunten Klassenzuges in der Jahrgangsstufe fünf ab Ende August. Die Frage lautet: Was geschieht mit den 23 Kindern, die an der Gesamtschule abgelehnt wurden?

Im Konflikt um die an der Gesamtschule am Lauerhaas abgelehnten 23 Grundschüler schaltet sich nun die Schulpflegschaft ein. Aus Sicht der Elternvertreter platzt die Schule mit acht Zügen in der nächsten fünften Klasse schon jetzt aus allen Nähten. Ihre Forderung lautet, dass die Konrad-Duden-Realschule im Schulzentrum Nord die Kinder aufnimmt. "Ich kenne keine Schule in NRW, die neunzügig ist, nicht einmal in Großstädten wie Köln. Deshalb wäre eine neunzügige Gesamtschule für Wesel eine falsche Wahl", sagt Martin Biesemann. Er sagt, er habe von vielen Lehrern gehört, dass die Belastungsgrenze erreicht sei und sie bereits über einen Schulwechsel nachdächten. "Wir haben Angst, dass unser gutes System hier vor die Wand fährt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es nicht mehr weitergeht."

In der kommenden Woche tagt der Weseler Schulausschuss und soll entscheiden, wie weiter verfahren wird. Wer nimmt die 23 Schüler auf? Die Gesamtschule Lauerhaas oder die Realschule? In der SPD zeigen sich einige Politiker auf Anfrage zuversichtlich, dass die Gesamtschule die neunte Klasse noch werde schultern können. Diesem Eindruck versuchen die Eltern nun entgegenzuwirken.

Die Situation ist verfahren: Wie exklusiv berichtet, hatten Mitte April 23 Viertklässler von der Lauerhaas-Gesamtschule eine Absage erhalten. Die Eltern von Jona Oliver (10) machten dies öffentlich. Sie verwiesen auf die Lese-Rechtschreibschwäche ihres Kindes und merkten an, dass es an der Realschule nicht willkommen sei. Bei seiner Gesamtschule sieht aber Schulleiter Dirk Timmermann keine Kapazität. 220 Fünftklässler wird die Gesamtschule in ihrer Dependance in der Weseler Innenstadt Ende August begrüßen. Für weitere 23 Schüler sei schlicht kein Platz, sagt auch Daniela Krasch, die Vorsitzende der Schulpflegschaft: "Wir sind voll." Am Dienstagabend hat sich die Schulpflegschaft zusammengesetzt. Insgesamt 50 Eltern kamen zusammen. "Dass 23 Kinder noch immer keinen Platz haben, bewegt uns alle", sagt Daniela Krasch. Gleichwohl hätten Eltern und Kollegium der Gesamtschule Lauerhaas in den vergangenen Jahren schon viele Anstrengungen unternommen, um von fünf auf acht Züge zu wachsen. Zeitgleich sei die Schule durch die Aufnahme von Flüchtlingskindern und Inklusionskindern sehr gefordert gewesen. 1400 Schüler lernen derzeit an der Gesamtschule inklusive der Dependance.

Elternvertreter Klemens Simon sieht auch das Konzept der Binnendifferenzierung in Gefahr, wenn es eine neunte Klasse fünf gibt. Räumlich sei nämlich im Bereich der Dependance keine Kapazität. "Hier wurden die Hausaufgaben gemacht. Ich frage mich, ob das an den anderen Schulformen ebenfalls geschehen ist", sagt Klemens Simon. Er sieht wie die anderen Eltern die -bisher dreizügige - Realschule in der Pflicht zur Aufnahme, schließlich habe sie von der Politik den Auftrag erhalten, einen Hauptschulzweig zu gründen. "Die Realschule hat schon immer auch Hauptschulkinder aufgenommen", sagt Elternvertreterin Anika Ponellis. Dass die Realschule nun darauf verweist, eigentlich nur zweizügig zu sein, befremde sie. "Warum wird dann bei den Anmeldungen dafür geworben, dass die Schule drei Züge hat?" Die Elternvertreter betonen die "gute Arbeit" des Gesamtschulkollegiums - das gute Schulklima sehen sie bei Gründung einer weiteren Klasse gefährdet.

Die Eltern erhoffen sich von der Weseler Politik auch Antworten auf die Frage, wie die Schullandschaft in den nächsten Jahren aufgestellt sein wird. Die Entwicklung der Nachfrage an der Gesamtschule Lauerhaas mache es zwingend erforderlich, dass eine weitere Gesamtschule gegründet wird. Schon jetzt sei die Zeit sehr knapp, sagt Daniela Krasch. Martin Biesemann sagt: "Im Februar 2019 sind die nächsten Anmeldungen, bis dahin müssen die Eltern Infos haben, bis dahin sollte feststehen, ob eine weitere Gesamtschule gegründet wird."

(RP)