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Wesel-Diersfordt: Schwarzes Wasser wird für Frösche entsäuert

Zu niedriger PH-Wert : Schwarzes Wasser wird für Frösche entsäuert

Das Gewässer in Diersfordt ist eines der wichtigsten Naturschutzgebiete der Region. Im einzigen größeren Heideweiher des Regierungsbezirks Düsseldorfs stehen nun Maßnahmen zum Schutz des seltenen Moorfrosches an.

Das Schwarze Wasser in Diersfordt ist bei Spaziergängern beliebt. Mit einem Bündel an neuen Maßnahmen wollen Naturschützer nun dafür sorgen, dass auch der in Nordrhein-Westfalen sehr seltene Moorfrosch das Schwarze Wasser dauerhaft als sein Zuhause betrachten darf. Der Umweltausschuss des Kreises hat dafür jetzt Gelder bewilligt. Es ist nur eine kleine Summe von 12.500 Euro. 50.000 Euro sind insgesamt nötig, ein großer Teil kommt aus EU-Fördertöpfen. Auch solche Summen erzählen Geschichten: Für den Moorfrosch kann sie in Diersfordt die Lebensrettung bedeuten. Auch für Pflanzenarten, Experten nennen sie „Strandlingsgesellschaften“, sollen die Lebensbedingungen verbessert werden.

Das Schwarze Wasser ist der einzige größere Heideweiher im Regierungsbezirk Düsseldorf. Als „typisches Moorgewässer“ bezeichnet es Klaus Kretschmer von der Biologischen Station in Wesel. Der Boden bestehe teilweise aus Torf, im Wasser schwömmen „Huminstoffe“. Wegen der dunklen Färbung dieser Substanzen habe sich der Name Schwarzes Wasser durchgesetzt. Eigentlich aber passe „braunes Wasser“ viel besser, sagt Kretschmer.

Im vergangenen Jahr hatte die Tier- und Pflanzenwelt dort stark erschwerte Bedingungen. Bei der Extremdürre fiel das Moor fast komplett trocken. Am Montag meldete der Weseler Winfried Evertz, dass der Wasserspiegel in Diersfordt derzeit sogar 60 Zentimeter unter dem vom Oktober 2018, der Phase nach der Rekorddürre, liege. Das sei aber kein Grund zur Besorgnis, sagt Klaus Kretschmer. „Schwankende Stände gibt es dort immer.“ Wichtig sei es aber, den Säuregehalt im Schwarzen Wasser zu senken. Dazu dienten die jetzigen Fördergelder des Kreises. Mithilfe von Experten aus den Niederlanden werde man dem Wasser Basen zufügen, um den Säuregehalt zu senken. Zurate gezogen werden Forscher aus Nijmegen, die erfolgreich Heideweiher in den Niederlanden renaturiert haben. Im Detail müssen diese Pläne noch ausgearbeitet werden. Schon jetzt gilt die Maßnahme aber als wichtiges Instrument zum Naturschutz.

Die Moorfrosch-Population soll sich erhalten: In den vergangenen Jahren waren schon einmal bis zu 400 Moorfrösche gezählt worden. Wegen der Dürre im vergangenen Jahr dürfte der Bestand nun deutlich geringer sein. Die Diersfordter Moorfrösche (Rana arvalis) gelten als die am westlichsten in Europa lebenden Tiere ihrer Art – größere Bestände des bis zu sieben Zentimeter großen Tieres leben im Osten. Besonderheit beim Männchen: In der Laichzeit färbt es sich blau. Wenn der PH-Wert im Wasser zu niedrig ist, also zu sauer, dann verpilzt der Laichbestand. Die Tiere können sich nicht fortpflanzen. Durch Entschlammung und Zufügen von Wasser aus dem Wasserwerk der Stadtwerke soll der PH-Wert angehoben werden, der aktuell für eine Fortpflanzung des Moorfrosches zu niedrig ist. Von rund 3,5 auf fünf soll der PH-Wert steigen.

Auch die Pflanzenwelt soll profitieren. Im Schwarzen Wasser gibt es im Uferbereich noch wenige Bestände von Strandlingsgesellschaften mit landesweit seltenen und hochgradig gefährdeten Arten, darunter der Schmalblättrige Igelkolben oder das Froschkraut. Kretschmer vermutet, dass Samen und Früchte der Pflanzenarten im Schlamm des Heideweihers noch vorhanden sind. Wenn die Chemie im Boden wieder stimmt, könnten sich die Pflanzen wieder ausbreiten.