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Wesel: Die Mieten in der Kreisstadt gehen immer weiter hoch

Die Kreisstadt wird als Wohnort immer beliebter : Günstige Mieten machen Wesel attraktiv

In vielen Großstädten explodieren die Mieten. Anders in Wesel, wo die Quadratmeterpreise nach wie vor vergleichsweise günstig sind. Deshalb wird die Kreisstadt für Familien aus dem Ruhrgebiet immer interessanter.

Nicht nur in den angesagten Großstädten sind die Mieten in den vergangenen Jahren förmlich explodiert. Mittlerweile müssen Arbeitnehmer auch in kleineren bis mittleren Städten immer mehr fürs Wohnen ausgeben. Das hat jüngst der Immobilienverband IVD verkündet, der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständige vertritt. Durchschnittlich werden derzeit etwa fünf bis sieben Prozent mehr Miete verlangt als noch ein Jahr zuvor. Doch gelten diese Zahlen auch für Wesel? Und wie entwickelt sich der Wohnungsmarkt in der Kreisstadt? Unsere Redaktion hat sich umgehört.

Dass vor allem die Mietpreise für neue und hochwertige Wohnungen in guten Lagen steigen, bestätigt Bernhard Krahwinkel, der Vorsitzende von Haus & Grund. „Es sind vor allem Paare, die zuvor eher ländlich in großen Häusern gewohnt haben und nun im Alter zurück in die Stadt wollen, die sich für die neue Wohnungen interessieren“, sagt der Jurist. Dieses Phänomen habe es früher nicht gegeben. Außerdem steigt seiner Überzeugung nach die Nachfrage nach Wohnungen in Wesel und Umgebung, weil immer mehr Familien mit „mittleren Einkommen zwischen 2500 und 4500 Euro brutto“ die Mieten in den Großstädten nicht mehr bezahlen können und deshalb in die Peripherie ziehen, um von dort zur Arbeit in die Großstädte zu pendeln.

Diesen Trend kann auch Ralf Ast, Geschäftsführer von Rottbeck Immobilien in Flüren, bestätigen. „Vor allem in den beiden vergangenen Jahren steigt die Zahl der Leute aus dem nahen Ruhrgebiet, die sich für Immobilien zwischen 150.000 und 250.000 Euro interessieren“, so Ast. Zumal Wesel auch eine gewisse Attraktivität habe. Auch für Leute, die nur ein Mietobjekt suchen, ist Wesel attraktiv. Denn hier sind die Preise seit vielen Jahren recht stabil. „Das Problem ist, dass die Nebenkosten innerhalb von 20 Jahren jährlich um bis zu fünf Prozent gestiegen sind. Das heißt, die Leute müssen mehr fürs Wohnen zahlen, doch der Vermieter profitiert davon nicht.“ Und als Beispiel spricht er von einer älteren Mietwohnung in der Innenstadt, die vor 20 Jahren (unrenoviert) elf Euro pro Quadratmeter gekostet habe und heute (renoviert) für fünf Euro Kaltmiete angeboten werde. Für neue Mietwohnungen sind zwischen sieben bis 8,50 Euro realistisch. „Alles, was teurer ist, findet so gut wie keinen Interessenten“, sagt Ast. Auch wenn der aktuelle Weseler Mietspiegel (Stand: März 2018) davon spricht, dass neue Mietwohnungen bis knapp unter zehn Euro pro Quadratmeter kosten können. Insgesamt sind die Nettomieten für frei finanzierte Wohnungen in den vergangenen vier Jahren – je nach Alter, Ausstattung und Lage – um 3,3 bis 11,4 Prozent gestiegen, teilte Hans-Joachim Zache von der Stadt auf Anfrage mit. Wesel zahlt für Empfänger von Grundsicherung eine Miete von bis zu 5,55 Euro pro Quadratmeter an die Vermieter. „Das ist ein Vorgabe des Kreises“, erklärt Zache. Der ist übrigens froh, dass die Zahl der öffentlich geförderten Mietwohnungen zuletzt stark gestiegen ist. 46 seinen bezogen worden, 118 befänden sich noch in Bau. „Wir haben in Wesel einen überdurchschnittlichen Bedarf. Das hat auch das Land bestätigt“, so Zache.