Wesel: Die Lebensretter vom Auesee

Wesel : Die Lebensretter vom Auesee

Ein großes Team von Rettungsschwimmern sorgt für die Sicherheit am beliebten Weseler Badesee. Die jungen Leute opfern ihre Freizeit, manchmal auch ihren Urlaub für diesen Dienst.

Nahezu zehn Wochen Höchsttemperaturen, das bindet eine hohe Anzahl an Ehrenamtlichen der DLRG, die die Badeaufsicht am Auesee übernommen haben. Dabei haben die Sommerferien gerade erst begonnen. Täglich teilen sich zwischen vier und acht ausgebildete Rettungsschwimmer die Schicht der DLRG Wachstation am Auesee, jetzt in den Ferien von 9 bis 19 Uhr.

Der Leiter der Wachmannschaft, DLRG-Geschäftsführer Fabian Schmitt, kann dabei auf einen Pool von gut 60 Leuten zurückgreifen. Jeweils im Stundentakt gehen die Wachgänger Streifen, beziehungsweise sitzen auf den Aussichtsposten. Immerhin müssen 55.000 Quadratmeter Wasserfläche, vom Ufer bis zur Abgrenzung des Schwimmbereichs durch die gelbe Bojenkette, im Auge behalten werden. „Mehr als eine Stunde Wachzeit ist nicht vertretbar“, weiß Fabian Schmitt, dessen Fürsorgepflicht auch seinen jungen DLRGlern gilt, etwa damit sie nicht zu lange in der prallen Sonne stehen und ausreichend trinken. Und schließlich opfern sie ihre Freizeit, manchmal sogar den Urlaub für diesen Dienst. Im Jahr 2016 hat die DLRG am Auesee 2992 Wachstunden geleistet, 3487 waren es 2017.

Dass die Rettungsschwimmer ihre Arbeit mit großer Sorgfalt ausüben, belegt die Statistik, die Jan Heykamp zusammengestellt hat. Suchmeldungen über Mikrofon wurden im Jahr 2016 16 Mal abgesetzt, 2017 gab es nur zwei Suchen nach Vermissten. Häufiger kommt es zu Erste-Hilfe-Einsätzen, denn die DLRG unterhält auch die Sanitätsstation. Schnittverletzungen und Insektenstiche sind die häufigsten Einsatzursachen. 35 Einsätze gab es 2016, im vergangenen Jahr elf. Aus dem Wasser musste niemand gerettet werden, die DLRG konnte Gefahrensituationen rechtzeitig abwenden. „Wenn wir sehen, dass sich jemand nicht mehr im Wasser bewegt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass ihn die Kräfte verlassen haben und ein bedrohlicher Erschöpfungszustand droht“, erläutert Jan Heykamp. „Das ist die Gefahr des stillen Ertrinkens, wenn die Kraft für einen Hilferuf fehlt.“ Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es keine Todesopfer im Auesee gab. Wenn es zu Bergungen kam, dann von abgetriebenen Schlauchbooten, doch auch die gab es in den vergangenen zwei Jahren nicht.

Wenn auch in der Vergangenheit alles gut gegangen ist, lauern Gefahren im See. Im Badebereich ist der Auesee etwa 6,5 Meter tief, an der tiefsten Stelle 15 Meter. „Die Gefahren sind sogenannte Springschichten, also Stellen mit verschiedenen, teils sehr kalten Temperaturzonen“, erklärt Fabian Schmitt. Oftmals wird bei Schwimmern auch der Abstand zum gegenüberliegenden Ufer unterschätzt.

Was Jan Heykamp, der schon mit seiner Geburt DLRG-Mitglied wurde, auffällt: „Die Kinder gehen hauptsächlich ins Wasser, um sich abzukühlen. Dass, wie wir es früher gemacht haben, um die Wette geschwommen wird oder Purzelbäume im Wasser geschlagen werden, sieht man heute kaum noch.“ Tatsächlich hat die Anzahl an Nichtschwimmern zugenommen. Die dann, trotz aller Vorsicht, in höheres Wasser fallen könnten. Auch Kinder unbeaufsichtigt mit Schwimmflügeln am Wasser laufen zu lassen, missfällt den Rettungsschwimmern.

Aktuell freuen sie sich über ein neues Rettungsbrett und eine Rettungsboje. Damit ist es leichter, Schwimmer in Not an Land zu befördern. Jennifer und Cornelia Martin zeigen wie es geht. Der in Not Geratene wird auf das Brett gelegt und von den Schwimmerinnen gezogen, alternativ kann er sich auch an der Rettungsboje festhalten, die mit einem Gurt verbunden ist. Dieser wird vom Retter umgeschnallt, um die Person sicher an Land zu schleppen.

Obwohl es so heiß in den vergangenen Wochen war, wurden noch keine Spitzenbesucherzahlen erreicht. „Das ist in diesem Jahr schwer zu toppen, denn 2017 waren allein an einem Wochenende 3500 Pfadfinder am Auesee“, resümiert Heykamp, der sich auch erinnern kann, dass zu Spitzenzeiten 1000 Leute gleichzeitig im Wasser waren. „Im vergangenen Jahr gab es aber auch in den Sommerferien drei Wochen mit schlechtem Wetter, maximal 20 Personen zählten wir am Tag am Auesee“, erinnert sich Jennifer Martin. Nun ist das Wachteam auf die Besucherzahlen der kommenden Wochen gespannt.

Jennifer Martin, Nina Ruppert und Cornelia Martin demonstrieren am Mittwoch, 18.07.2018, die Rettung von Ertrinkenden im Auesee in Wesel. Die Rettungsstation der DLRG am Auesee überwacht den Badestrand am Auesee. Foto : Markus Weissenfels / Funke Foto Services. Foto: FUNKE Foto Services

Die DLRG bietet für Interessenten Rettungsschwimmkurse an. Dazu gibt es Informationen unter https://wesel.dlrg.de

(ha)
Mehr von RP ONLINE