Wesel: Die Bäckerei im Haus Pooth schließt, dafür öffnet ein Café

Generationswechsel im Haus Pooth : Aus der Weseler Bäckerei soll ein Café werden

Im 125. Jahr des Familienunternehmens endet die Backtradition. Hubertus Pooth und seine Schwester Andrea Bruns übernehmen – und eröffnen ein Café.

(sz) Es ist ein Neuanfang – und ein Abschied: Seit Anfang des Jahres ist die Ära von Brot und Brötchen in Haus Pooth zu Ende, nach fast 200 Jahren, 125 davon unter dem Namen Pooth. Hanni und Hubert Pooth geben Hotel und Gastronomie an ihre Kinder Hubertus Pooth (40) und Andrea Bruns (49) weiter, die vierte Generation. Die Geschwister werden Hotel und Gastronomie weiterführen, die Bäckerei aber nicht – hier entsteht ein kleines Café.

Das 125. Jahr des Traditionshauses Pooth in Bislich wird also ein ereignisreiches. Ein paar Tränen seien schon geflossen am Silvestertag, verrät Hubert Pooth (77). Sein Leben lang haben er und seine Frau (72) hart gearbeitet, nun könnten sie sich ein wenig Ruhe gönnen. Eigentlich liegt das nicht in ihrer Natur, das zeigt sein leichtes Zögern. „Etwas wird sich ändern: Bislang haben wir immer die Kinder gefragt, ob sie einspringen können. Jetzt wird es umgekehrt laufen“, sagt er schmunzelnd.

Haus Pooth um 1910. Auch früher war es Treffpunkt in Bislich. Foto: FUNKE Foto Services/Lena Reichmann

Als Jüngster von 102 Teilnehmern legte Hubert Pooth mit 21 Jahren seine Meisterprüfung ab: Der Vater war 1944 im Krieg geblieben, Mutter Hildegard arbeitete quasi rund um die Uhr, um den Familienbetrieb zu erhalten. „Sie hat bis zum Schluss getan, was sie konnte“, erinnert sich ihr Sohn, „sie kannte keinen Urlaub, keine Freizeit“. Und er – im kleinen Wohnzimmer, das es damals neben der Backstube gab, zur Welt gekommen – übernahm den Betrieb und die Verantwortung. Seine Frau Hanni stets an seiner Seite, mit der er im September Goldhochzeit feierte. Würde er es noch einmal genauso machen? Er lächelt, sagt Ja. „Darin war unsere Mutter Vorbild“, sagt er – eine Witwe mit drei Kindern und ihr unermüdlicher Einsatz, das habe für ihn den Ausschlag gegeben.

Hanni Pooth war all die Jahre für den Verkauf zuständig. Foto: FUNKE Foto Services/Weissenfels

Großvater Hubert Pooth schaut streng aus seinem Ölgemälde in den Gastraum herab, während sein Enkel erzählt. 1962 machte er seinen Meister, 1974 übernahm er das Haus. Elf Gästezimmer, die Gastronomie und die Bäckerei. „Vater ist jeden Sonntag um 3 Uhr aufgestanden“, sagt Andrea Bruns, „Mutter bediente im Laden“. Diesen Einsatz zu ersetzen, sei kaum möglich. Und: Es würde sich auch nicht mehr lohnen. „Früher haben die Frauen hier Brötchen und Brot gekauft, es war der Dorfmittelpunkt.“ Das aber ist lange her.

Und nun? Torten und Feinbackwaren wird es weiter geben. Gesellin Monika Lamers, sie hat bei Pooth schon gelernt, kümmert sich darum. Sie wird auch für die Hotelgäste backen, fürs Frühstück. Hubertus Pooth ist gelernter Bäcker und Koch und hat Betriebswirtschaft studiert. Seine Schwester ist Konditorin und Hotelfachfrau. Damit steht fest: Das Haus Pooth ist also auch in der vierten Generation in gut ausgebildeten Händen.

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