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Wesel: Dauerhafte Dürre macht Landwirtschaft das Leben schwer

Kreis Wesel : Dürreperiode sorgt für Bauernfrust

Landwirte in der Region klagen über steigende Futter- und sinkende Fleischpreise.

„Die Dürre drückt allen aufs Gemüt“, sagt Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, und bringt damit die Stimmung unter den Landwirten auf den Punkt. Das Gras wächst nicht, der Mais ist mickrig. „Wenn es nicht regnet, ist das eine Katastrophe“, sagt er, eine halbe sei es jetzt schon. Zwar gebe es aktuell die Ausnahmeregelung, dass Brachflächen für den eigenen Bedarf gemäht werden dürfen. Das hilft aber wenig, denn auch dort wächst kaum etwas. Angesichts des Klimawandels müsse man sich die Frage stellen, ob die Bauern nicht Pflanzen brauchen, die Extremwetterlagen besser vertragen, „obwohl wir Gentechnik bislang ablehnen.“

Alle Landwirte stecken in der frühen Ernte und sind genervt. Der Schermbecker Biobauer Eckhard Holloh erläutert die Lage. Zwar kann er seine Möhren und Kartoffeln beregnen, doch ist das ein hoher Arbeitsaufwand. Und die Zeiten, dass eine geringe Ernte höhere Preise bringt, sind vorbei. „Das funktioniert auf dem globalen Markt nicht.“ Umgekehrt sei daher auch die Sorge, der Brotpreis könnte deutlich steigen, unbegründet. „Wir brauchten einen lange andauernden, leichten Landregen“, sagt er. Wolkenbrüche helfen nicht, das Wasser fließt einfach ab. Obwohl: Kartoffeln, Erbsen und Weizen brauchen nichts mehr, sie sind geerntet. „Regen könnte helfen, den kümmerlichen Maispflanzen noch zu ordentlichen Kolben zu verhelfen“, hofft Holloh. Die Bauern müssen das Winterfutter wohl einkaufen – die Futterpreise steigen täglich. „Besser heute als morgen kaufen“, sagt Wilhelm ten Huf, der auf dem Drevenacker Sandboden kaum noch auf eine Silomaisernte hoffen kann. „Das ist das schlechteste Maisjahr seit 1976“, sagt er. Und obwohl er 2017 einen Vorrat anlegen konnte, wird es nicht reichen. Die Folge: Seine Mastbullen werden früher geschlachtet – der Fleischpreis fällt. Und auch von weniger leistungsstarken Milchkühen wird er sich trennen müssen, um weniger Vieh durch den Winter zu füttern. Milchkühe sieht man derzeit kaum auf der Weide. Es stehe gar zu befürchten, dass die Tiere gar nicht mehr rauskommen, betont Wilhelm ten Huf.„Sie vertragen die Hitze nicht.“

Doch nicht allein das Wetter bringt Verluste, die mitunter absurden Marktverhältnisse können größeren Schaden anrichten. In der vergangenen Woche habe ein Kollege bei einem marktführenden Discounter versehentlich den falschen Kartoffel-Preis angegeben, sagt Biobauer Holloh, für 2,5 Kilo den für 1,5 Kilo genannt. Nun zahlt der Discounter allen den niedrigen Preis – friss oder stirb. Der Fehler habe 14 Millionen Euro Schaden bei den Herstellern angerichtet, auf seinem Hof mehr als 10.000 Euro.

(sz)