Wesel: Claas Relotius gibt Journalistenpreis zurück

Wahrheit verfälscht : Claas Relotius gibt Weseler Journalistenpreis zurück

Im Januar war der ehemalige Spiegel-Journalist für seinen Text „Nummer 440“ ausgezeichnet worden. Jetzt hat er sich schriftlich an die Jury des Weseler Preises gewandt.

Der ehemalige Spiegel-Journalist Claas Relotius (33) hat nach jetzt den eingeräumten Textmanipulationen von sich aus den Konrad-Duden-Journalistenpreis zurückgegeben. Das hat die Juryvorsitzende des Weseler Preises, Sigrid Baum, am Freitagvormittag mitgeteilt. Relotius war im Januar 2018 für seinen im Spiegel erschienenen Beitrag „Nummer 440“ ausgezeichnet worden. Vor einigen Tagen hatte Claas Relotius gegenüber seiner Hamburger Chefredaktion Manipulationen und Fälschungen vieler Reportagen eingestanden. Laut Spiegel entspricht die in Wesel ausgezeichneten Geschichte „Nummer 440“ nicht der Wahrheit.

Claas Relotius hat sich nun in einer Mail an „Wesel Marketing“ erklärt: „Sie werden die Nachrichten über meine Person und meine Fehler und Verfehlungen als Journalist verfolgt haben. Natürlich gebe ich meine Auszeichnung des Konrad Duden Journalistenpreises hiermit zurück. Es tut mir unendlich leid. Ich werde mich eines Tages, wenn es mir besser geht, wieder bei Ihnen melden. Ich hoffe, ich kann Ihnen dann mehr erklären.“

Sigrid Baum, Vorsitzende der Jury des Konrad-Duden-Journalistenpreises und Vorsitzende des Presseclubs Niederrhein, und Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, die auch Mitglied der Jury ist: „Die freiwillige Rückgabe unseres Preises spricht – bei allem, was Herr Relotius zu verantworten hat – für ihn. Wir sind froh, dass damit die Angelegenheit erledigt ist.“ Inzwischen steht fest, dass er das Preisgeld zurückgeben muss. Die Juryvorsitzende will ihm nach Weihnachten einen Brief schreiben. Ob nun der Zweitplatzierte des Wettbewerbs 2018, Philipp Elsbrock erster Preisträger wird, soll die Jury nun entscheiden.

„Wir sind entsetzt und betroffen über die Täuschungen und Manipulationen, die Claas Relotius anscheinend seit vielen Jahren erfolgreich in mehreren Redaktionen praktiziert hat, um seine Beiträge besonders gut zu platzieren. Damit hat er dem Berufsstand und dem Ansehen der Journalisten schweren Schaden zugefügt und bringt einen ganzen Berufsstand unter Generalverdacht“, teilen Sigrid Baum und Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD) in ihrer gemeinsamen Mitteilung mit. „Wir zeichnen mit dem Konrad-Duden-Journalistenpreis die sprachliche Brillanz aus. Als Jury müssen wir darauf vertrauen, dass das publizierende Medium, in diesem Fall der Spiegel, seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommt. Es ist die Aufgabe dieser Medien, alle genannten Fakten eines Beitrags vor seinem Erscheinen durch die interne Qualitätssicherung zu überprüfen. Das setzt voraus, dass die internen Kontrollmechanismen funktionieren. Dies hat hier anscheinend versagt.“

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