Wesel: Chemie-Konzern Altana öffnet Büro-Neubau für neun Millionen Euro

Pilotprojekt von Altana und Byk-Chemie in Wesel : Vorzeigearbeitsplätze im Millionen-Bau

100 IT- und Digitalisierungs-Mitarbeiter des Spezialchemie-Konzerns Altana und seiner Tochter Byk werden am Montag ihre neuen Arbeitsplätze an der Abelstraße beziehen. In das Projekt wurden neun Millionen Euro investiert.

In Zeiten des Fachkräftemangels müssen sich vor allem Unternehmen jenseits der Metropolen Gedanken machen, wie sie hochqualifizierte Mitarbeiter dauerhaft an sich binden. Experten wissen, dass gut ausgebildete Nachwuchskräfte vor allem eine attraktive Arbeitsumgebung zu schätzen wissen. Aus TV-Dokumentationen kennt man Bilder aus den USA, wo junge Menschen in cool gestylten Bürolandschaften (Stichwort: „Multispace“) an ihren Laptops sitzen. In den „Wohlfühloasen“ von Apple, Google, Facebook & Co. gibt es verglaste Konferenzräume, überall Pflanzen, verschiedene Entspannungsräume und offene Küchen. Das alles sorgt für kreativen Gedankenaustausch und stärkt die Kommunikation.

Für ein buchstäblich gutes Klima in der barrierefreien Bürolandschaft sorgen Deckinduktionsgeräte. Foto: Altana

Als erstes Unternehmen in der Region hat der Weseler Spezialchemie-Konzern Altana in Kooperation mit seinem Tochterunternehmen Byk diesen Trend aufgenommen und ein neues Bürogebäude errichtet, das ein Arbeitsumfeld nach modernsten Standards bietet. Nach etwas mehr als einjähriger Bauzeit wurde am Donnerstag das neun Millionen Euro teure Gebäude während einer internen Feierstunde eingeweiht. Am Montag werden zunächst rund 100 Mitarbeiter aus den Bereichen IT und Digitalisierung ihre neuen Arbeitsplätze in Beschlag nehmen. 40 weitere Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren von neuen Kollegen besetzt werden.

Der Neubau erinnert an ein Hotel oder an ein stylisches Möbelhaus. Foto: Altana

Basis des Neubaus ist die Stahlkonstruktion der ehemalige Frenck-Produktionshalle. Witzig: An dem alten Kran der Firma hängt in luftiger Höhe ein kunstvoll gestalteter Wesel-Esel. Den haben die bauausführenden Unternehmen mit ihren Logos versehen und den beiden Auftraggebern zum Geschenk gemacht.

Überall finden sich gemütliche Sitzecken. Foto: Klaus Nikolei

Ungewöhnlich: Im Rahmen von mehreren Workshops wurden die Mitarbeiter in die Planungen eingebunden. Unter anderem besuchte eine 80-köpfige Delegation aus Wesel die Vodafone-Zentrale in Düsseldorf an. „Wir haben uns angeschaut, wie attraktive Arbeitsplätze aussehen und was zu unseren Unternehmenswerten passt“, sagt Projektleiter Tim Ridder. Auch bei der Auswahl der Möbel hatten die IT-Mitarbeiter von Altana und Byk mehr als nur ein Wörtchen mitzureden.

Die bauausführenden Firmen haben Altana und Byk einen Esel geschenkt. Foto: Klaus Nikolei

Wer die neue Arbeitswelt betritt, fühlt sich an die Lobby eines Designhotels erinnert. Oder vielleicht auch an ein stylisches Möbelhaus. Denn überall in den Bürolandschaften des zweigeschossigen Gebäudes gibt es gemütliche Sitzecken und verglaste Besprechungskabinen und Räume, in denen sich Mitarbeiter zurückziehen und ihren kreativen Gedanken freien Lauf lassen können. Witzig: Viele Wände sind mit einem Speziallack versehen, auf denen man mit entsprechenden Stiften schreiben und hinterher auch wieder alles wegwischen kann.

Ein Speziallack sorgt dafür, dass man auf Wänden schreiben kann. Foto: Klaus Nikolei

Selbstverständlich ist der Neubau mit modernster Telekommunikations- und IT-Technik ausgestattet. So erfolgt die Vernetzung der Rechner komplett kabellos über W-LAN. Bei schönem Wetter können Arbeiten am Laptop auch auf der Sonnenterrasse verrichtet werden – mit Blick auf eine Blumenwiese mit Obstbäumen. Die vorgesehene Fläche an der Abelstraße wird im nächsten Jahr eingesät, die Bäume gepflanzt.

Jörg Heselmann (r.) und Projektleiter Tim Ridder entspannen im Spieleraum beim Kickern. Foto: Klaus Nikolei

Natürlich haben sich Altana und Byk auch von Klimaschutzaspekten leiten lassen. So wurden vor allem mineralische Bau- und Dämmstoffe verwendet. Für ein buchstäblich gutes Klima sorgen Induktionsgeräte an den Decken. Wärme und Kälte, die in benachbarten Produktiongebäuden anfallen, werden im Neubau genutzt, damit es Winter angenehm warm und im Sommer schön kühl ist.

Bei der Möbelauswahl hatten die Mitarbeiter ein Wörtchen mitzureden. Foto: Klaus Nikolei

Übrigens: Wenn sich bei dem Pilotprojekt herausstellen sollte, dass sich die Mitarbeiter rundum wohlfühlen (woran die Verantwortlichen keinen Zweifel haben), sollen bei Altana und Byk in den nächsten Jahren bestehende Büros nach einem ähnlichen Konzept modernisiert werden.

Ein echter Hingucker ist das Bürogebäude an der Abelstraße. Foto: Klaus Nikolei

Info Zwei große Arbeitgeber mit mehr als 1000 Mitarbeitern

Weltmarktführer Die Byk-Chemie, größte Tochter von Altana, ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bereich Lackadditive. Additive verhindern unter anderem die Bläschenbildung bei der Verarbeitung von Farben.

Beschäftigte Bei Byk in Wesel sind rund 870 Mitarbeiter beschäftigt, bei Altana direkt nebenan etwas mehr als 140.