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Wesel: Byk-Chemie will mit Millionen neue IT-Fachkräfte locken

Millionen-Investition in Wesel : Byk-Chemie schafft neue Arbeitswelt

An der Abelstraße investiert das Weseler Unternehmen mehrere Millionen Euro in ein modernes Bürogebäude, um hochqualifizierte IT-Fachkräfte zu locken. Ende des Jahres soll der Bau mit 140 Arbeitsplätzen fertig sein.

Aus TV-Dokumentationen über weltweit erfolgreiche Unternehmen wie Apple, Google oder Facebook kennt man diese Bilder von hochqualifizierten junge Menschen in cool gestylten Büro-landschaften (Stichwort: „Multispace“) die mehr oder weniger lässig an ihren Laptops sitzen. Feste Arbeitsplätze gibt es in diesen Wohlfühl-Oasen, die an Designhotel-Lobbys erinnern, nicht mehr. Jeder setzt sich hin und arbeitet dort, wo es ihm gerade gefällt. Überall gibt es Pflanzen, voll verglaste Konferenzräume und Entspannungsflächen, dazu offene Teeküchen. Das alles soll den Teamgedanken und die Kommunikation stärken.

Doch nicht nur in den USA setzen Firmen, die im Wettbewerb um rare Fachkräfte die Nase vorn haben wollen, auf diese neuen Arbeitswelten. Auch in Deutschland liegen sie im Trend. Als eines der ersten Unternehmen am Niederrhein investiert das Weseler Vorzeig-Unternehmen Byk-Chemie in Kooperation mit der benachbarten Konzernmutter Altana (siehe Infobox) mehrere Millionen Euro in ein Bürogebäude, das problemlos auch in Berlin, Hamburg oder München stehen könnte. An der Abelstraße entstehen in direkter Nachbarschaft des Byk-Gesundheitszentrums (ehemals Firma Koster) unter anderem auf dem Gelände der früheren Schlosserei Frenck ein gut 3000 Quadratmeter großes Bürogebäude auf zwei Ebenen mit großzügig gestalteter Außenfläche. Die Planung des Düsseldorfer Architekturbüros Bkp sieht vor, dass die Spezialisten nach Lust und Laune auch im (überdachten) Außenbereich problemlos ihrer Arbeit nachgehen können.

 Mischung aus Wohnstudio und Designhotel-Lobby: Computeranimationen des Innenraums.
Mischung aus Wohnstudio und Designhotel-Lobby: Computeranimationen des Innenraums. Foto: Klaus Nikolei

Basis des Neubaus ist die Stahlkonstruktion der alten, rund 750 Quadratmeter großen Frenck-Produktionshalle. Mittlerweile ist ein gleich großes Stahlgerippe angebaut worden. Bis zum Ende des Jahres soll das ehrgeizige Projekt fertig gestellt sein, für das Tim Ridder verantwortlich zeichnet.

 Auch von außen wird das neue Bürogebäude an der Abelstraße ein Hingucker.
Auch von außen wird das neue Bürogebäude an der Abelstraße ein Hingucker. Foto: Byk

Zusammen mit Kollegen war der Diplom-Bauingenieur im vergangenen Jahr bundesweit unterwegs, um sich ähnliche Konzepte bei anderen Unternehmen anzusehen. Unter anderem bei Vodafone in Düsseldorf oder beim Hamburger Gabelstapler-Riesen Jungheinrich. „Wir haben uns angeschaut, wie heute attraktive Arbeitsplätze aussehen und was zu unseren Unternehmenswerten passt“, sagt Tim Ridder. Denn Byk und Altana sind naturgemäß daran interessiert, gute Leute für den Bereich IT und Digitalisierung nach Wesel zu locken, auch wenn die Kreisstadt „sicher nicht der Nabel der Welt ist“, wie Ridder betont. Allerdings, sagt Firmensprecher Sven Kremser, „wollen wir durch diese Form der Arbeitswelt junge Leute auf uns aufmerksam machen“, erklärt er. Ungewöhnlich: Im Rahmen von Workshops wurden die IT-Mitarbeiter von Byk und Altana an der Planung beteiligt, was dazu geführt hat, dass gut 85 Prozent der Beschäftigten dem neuen Konzept äußerst positiv gegenüberstehen. „Und die anderen 15 Prozent werden begeistert sein, wenn sie das Endergebnis sehen“, ist Kremser überzeugt. Außerdem werden sie bei der Auswahl der Möbel mitreden können. 140 Mitarbeiter werden Platz in dem zweigeschossigen Neubau finden. Die meisten sind bereits in den beiden Unternehmen tätig. Alle anderen werden im Laufe der nächsten Jahre eingestellt.