Wesel: Wesel bleibt attraktivste Einkaufsstadt

Wesel: Wesel bleibt attraktivste Einkaufsstadt

Die Weseler City hat die höchste Zentralitätskennziffer im Kreisgebiet. Sie zieht also stark auch Käufer aus dem Umland an. Hamminkeln gewinnt leicht an Attraktivität. In Schermbeck und Hünxe wird wenig Kaufkraft vor Ort gebunden.

Der Weseler Einzelhandel spürt den Trend schon seit längerem, er drückt sich weiter auch in den Zahlen aus: Die neu gestaltete Weseler Innenstadt zieht stark Kunden auch aus dem Umland an. Der Handelsverband Niederrhein hat neue Statistiken zu Umsatz und Kaufkraft der Niederrhein-Städte im Kreis Wesel vorgelegt. Demnach hat Wesel eine Zentralitätskennziffer von 111,1. Städte mit einer Kennziffer über dem Wert 100 ziehen mehr Kaufkraft an als vor Ort vorhanden ist. Höher als bei Wesel liegt der Wert nirgendwo im Kreisgebiet. Im gesamten Kreis Wesel gibt es ohnehin nur drei Städte, die eine Kennziffer höher als 100 haben: Kamp-Lintfort (107,9), Moers (109) und eben Wesel.

Die 700 Meter lange und 20 Meter breite Fußgängerzone vom Berliner Tor bis zum Willibrordidom mit einem vielerorts hochwertigen Einzelhandelsangebot lockt somit auch Kunden aus Hamminkeln, Hünxe und Schermbeck an. "Nach Wesel fließt weiter viel Kaufkraft auch aus den Nachbarstädten", sagt Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Handelsverbandes Niederrhein. Er macht die positive Entwicklung auch an politischen Entscheidungen fest. "Die Politik hat in Wesel für die Innenstadt richtige Schritte eingeleitet."

Zur Erklärung: Die Zentralitätskennziffer liefert Aufschluss darüber, ob in einer Stadt ein Kaufkraftzufluss oder -abfluss stattfindet. Liegt die Ziffer über 100, dann liegt ein Kaufkraftzufluss vor - in der Stadt wird also mehr Umsatz im Einzelhandel getätigt, als die dort lebende Bevölkerung im Einzelhandel ausgibt. Einen kleinen Wermutstropfen halten die Zahlen dennoch bereit: Lag die Zentralitätskennziffer der Weseler Innenstadt 2015 bei 112,6 und stieg 2016 auf 115,3, so ist sie mit 111,1 jetzt gesunken. Bommann sagt: "Die Zentralitätskennziffer ist manchmal auch eine Momentaufnahme."

  • Wesel/H'keln/Hünxe/Schermbeck : Stromleitung läuft durch Hamminkeln

Wolfdietrich Degler, Chef der Weseler Werbegemeinschaft, beobachtet im Gegensatz zum neuen Zahlenmaterial, dass Wesel zunehmend an Attraktivität gewinnt. "Insbesondere aus Bocholt kommen mehr Kunden." Wilhelm Bommann wiederum macht darauf aufmerksam, dass viele der Weseler Kunden aus dem direkten Randbereich kommen, Friedrichsfeld, Brünen oder Drevenack. Rein statistisch fällt die Kaufkraft dieser Stadtteile nicht Wesel zu, eingekauft wird aber hier.

Auch für Hamminkeln, Schermbeck und Hünxe hat der Handelsverband die Zahlen analysiert. Auffällig: Die Stadt Hamminkeln legt zu. Im Jahr 2015 lag die Kennziffer bei 69,2, nach neuen Zahlen des Einzelhandelsverbands liegt sie bei 69,6. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in Hamminkeln liegt bei 180,7 Millionen Euro, der Umsatz im Hamminkelner Einzelhandel liegt bei 111,5 Millionen Euro. Hünxe und Schermbeck liegen zwar bei der Einwohnerzahl mit rund 13.000 auf einem ähnlichen Niveau. In puncto Zentralitätskennziffer unterscheiden sie sich aber deutlich: Schermbeck kommt auf einen Wert von 61,2, Hünxe auf nur 45. "Schermbeck kann hier mit seiner Mittelstraße punkten, die mit Rewe und Edeka zwei attraktive Endpunkte hat", sagt Bommann. In Hünxe wiederum würde sich auswirken, dass die Kaufkraft vor Ort mit vielen sehr reichen Bewohnern hoch ist, es aber kaum Geschäfte vor Ort gebe. Zwangsläufig wandert diese Kaufkraft in das Umland ab.

Der Einzelhandelsverband hat die Vorstellung der Zahlen am Donnerstag auch genutzt, um den Wandel in der Handelswelt zu thematisieren. Noch melden 48 Prozent der Betriebe, trotz vermehrter Online-Konkurrenz, eine positive Umsatzbilanz. In Zeiten des Online-Handels sieht Bommann dringenden Bedarf, nach Weseler Vorbild die Innenstadt zu stärken. "Urbanität bekommt man nicht zum Nulltarif." Die lokale Kaufmannschaft müsse sich deshalb in die Lokalpolitik einbringen. "Blüht der Handel, blüht die Stadt." Zunehmend würde der lokale Einzelhandel auch auf den Sektor E-Commerce setzen. In der Jahresumfrage des Verbandes gaben rund ein Drittel der befragten Einzelhändler am Niederrhein an, auch Online-Umsätze zu generieren. Verschiedene lokale Plattformen werden dafür angeboten, in Wesel das vom Stadtmarketing betriebene Online-Schaufenster "Wesel erleben", in Schermbeck die Seite "Schermbeck Deals", auch in Hünxe wird derzeit über eine solche Plattform nachgedacht.

(RP)