Wesel: Bei Metzger Lemken gibt es Schweinefleisch nur vom "Obrighovico"

Weseler Landwirt züchtet „Obrighovico“ : Metzger stellt auf regionales Fleisch um

Ein Traditionsmetzger und ein alteingesessener Hof arbeiten zusammen: Frisches Schweinefleisch gibt es bei Lemken nur noch vom Duroc-Schwein „Obrighovico“. Viele Kunden begrüßen das.

Schweinefleisch ist in Deutschland ein Sattmacher. Und es darf nichts kosten. „Jedes Tierfutter ist im Kilo teurer als das Fleisch im Supermarkt“, sagt Ludger Lemken, in fünfter Generation Metzger in Xanten, seit 2013 auch in Wesel vertreten. Kleine Betriebe gehen bei diesen Kampfpreisen ein – oder sie finden eine Nische für sich. „Metzger bedienen die Massen seit Jahrzehnten nicht mehr.“

Bauer Holger Vens mit einem Obrighovico-Ferkel . Foto: Markus Weissenfels

Lemken hat beim Frischfleisch auf „Obrighovico“ umgestellt, wie Holger Vens seine Duroc-Schweine in Obrighoven nennt. Der Metzger und der Bauer bedienen Leute, die nicht bloß satt werden wollen. Holger Vens ist überzeugt von seinen Schweinen: „Lassen Sie die Grillsaucen weg“, empfiehlt er, „bloß würzen, grillen und genießen“.

Immer mehr Leute tun das und geben gern mehr Geld dafür aus. Ist gutes Fleisch nur für Wohlhabende? „Man muss nicht jeden Tag Fleisch essen“, sagt Lemken – eine Aussage die man vom Metzger eher nicht erwartet. „Lieber zwei Mal die Woche und dafür gutes“, plädiert er. Erschwinglich solle das Fleisch trotzdem bleiben. „Es gibt keine reichen Metzger mehr“, sagt er und lacht.

Der 50-Jährige hat inzwischen Kunden aus der gesamten Region. „Es werden Koteletts vorbestellt, Kunde nehmen Wege in Kauf dafür. Das ist seit zehn Jahren nicht mehr der Fall gewesen.“ Das Duroc-Schwein, erklärt er, hat weniger Wasser und eine feine Fettmarmorierung. Auch Laien können das Fleisch erkennen, intermuskuläres Fett ist charakteristisch.

Bauer Vens erklärt, was es mit der Rasse auf sich hat. Sie wachsen langsamer. „Andere deutsche Landrassen bringen es in sechs Monaten auf 120 Kilo. Die Duroc-Schweine haben zwei Monate mehr Zeit, zu wachsen.“ Zudem füttert er eine Kräutermischung und meidet Antibiotika wo möglich. „Medikamente verabreichen wir nur bei Krankheit und nur in geringen Mengen.“ 60 Muttersauen leben auf dem Hof und ihre zahlreiche Nachkommenschaft.

Geschlachtet wird in einem sechs Kilometer entfernten Betrieb, Vens mutet seinen Tieren keine langen Transportwege zu. Das ist gut für die Schweine, aber auch fürs Fleisch, wie Metzger Lemken erläutert. „Ich kann nicht jedes Fleisch zu jedem Produkt verarbeiten.“ Er demonstriert, was er meint: Der Schweinenacken ist groß und fest und der Niederrheinische Bure-Speck bleibt auf der Arbeitstheke aufrecht stehen. Lemken, der räuchert, wurstet und seine Produkte selbst handwerklich herstellt, schätzt das.

Der Metzger fasst zusammen, was er durch die Obrighovico-Schweine den Supermärkten voraus hat: „Die hohe Qualität frisch aus der Region, die absolute Rückverfolgbarkeit und mehr Lebensqualität für die Tiere, die kaum Stress ausgesetzt werden.“ Lediglich für seine Wurst kauft er Schweinefleisch hinzu, sie enthält nur einen Teil Duroc.

Sven Komp hatte Obrighovico als erster in seinen Edeka-Filialen angeboten. „Die Nachfrage nach den Edelteilen war groß“, sagt er – nach Filet, Rücken und Bauch eben. „Die anderen Teile zu vermarkten, war schwierig.“ Da schauen die Kunden eben doch auf den Preis. Weil selbst ein Duroc-Schwein aber nicht nur aus Filet besteht, sei er auf den anderen Teilen sitzen geblieben. „Das Produkt ist hervorragend und Ludger Lemken konsequent, dass er darauf umstellt“, sagt Komp. Supermarkt, das sei ein anderes Geschäft, „eine traditionelle Fleischerei muss sich abgrenzen“. Und die Zusammenarbeit zwischen Bauer und Metzger funktioniert prima.

(sz)