1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Wesel: Bahn und Brüssel erschweren die Arbeit der Gärtnerei Rohde

Gärtnerei Rohde am Holzweg : Gärtner gegen Bürokratie

Der Ausbau des Schienenverkehrs in der Feldmark macht Gärtner Rohde seit Jahrzehnten einen Strich durch die Rechnung. Als Besitzer eines kleinen Betriebs steht er ohnehin vor vielen Problemen – vor allem bürokratischer Art.

Seit fast 25 Jahren betreibt Jürgen Rohde die Gärtnerei in der Feldmark am Holzweg. Fast genau so lange wartet er auf eine Entscheidung, von der 3000 Quadratmeter seiner Fläche abhängen. Denn die Gärtnerei Rohde grenzt unmittelbar an den Bahnhof Wesel-Feldmark, der mit einem dritten Gleis erweitert werden soll. Dieses ist Teil der sogenannten Betuwelinie für den Güterverkehr aus den Niederlanden. Um das Gleis zu bauen, braucht die Bahn Platz – Platz, der eigentlich Rohde gehört. Jetzt hatten er und Vertreter des Kreisverbands Gartenbau die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik eingeladen, um ihr die Problematik und weitere Herausforderungen von Gärtnereien in der Region zu schildern.

„Von mir aus können sie bauen, Aber ich will Klarheit haben“, sagt Rohde. Dass die Bahnlinie kommen muss, steht für Quik nicht in Frage. Sowohl Deutschland als auch die Niederlande seien auf den Schienengüterverkehr angewiesen. Das dritte Gleis und die neue Straße, die für die Anwohner angelegt werden soll, brauchen 1500 Quadratmeter von Rohdes Grundstück.

Weitere 1500 Quadratmeter werden vorübergehend für die Bauarbeiten nötig sein. Auch Schallschutzwände werden angebracht. Diese wird Rohde mit ausgestreckter Hand aus seinem Hausfenster berühren können. Das geht aus den Bauplänen hervor. Damit hat sich Rohde abgefunden. Was ihn aber nach wie vor stört, ist die Unsicherheit. „Ich will einfach wissen, wann etwas passiert und was ich dafür bekomme.“

Von dem Setzling bis zur blühenden Blume dauert es acht bis zehn Wochen. Foto: Viktor Marinov

Tritt man in eines der acht Gewächshäuser der Gärtnerei in der Feldmark ein, erkennt man schnell, wie leidenschaftlich sie geführt wird. Um die 50 Pflanzensorten – von Gurken über Duftgeranien bis hin zur weiß blühenden „Zauberschnee Euphorbia“ – kümmern sich drei Leute: Rohde, seine Frau und eine Auszubildende. Rohde wollte schon immer Gärtner werden, wie sein Vater. Als Besitzer eines kleinen Betriebs hat er jetzt viel um die Ohren – und das nicht nur wegen der Bahn.

Zunehmende Regulierung und EU-Verordnungen hätten die Arbeit in den letzten Jahrzehnten erschwert, beklagt der Weseler Kreisverband Gartenbau. Viele Schwierigkeiten treffen vor allem die kleineren Betriebe. Rohde hat einen 30 Jahre alten Lkw, mit dem er seine Ware früher transportiert hat. „Jetzt wäre das ein Oldtimer. Damit könnte ich privat über die Straße fahren, aber nicht für die Arbeit.“ Für alte Geräte bekomme er kein TÜV-Zertifikat. Selbst Verordnungen über Pflanzentöpfe bereiten den Gärtnern Schwierigkeiten.

„Wir zahlen Lizenzen, damit die Töpfe den Grünen Punkt bekommen“, erklärt Kreisverbands-Vorsitzender Martin Becker. Erst dann kann ein Plastiktopf in die Gelbe Tonne entsorgt werden. In den Niederlanden gelte diese Regelung nicht. Solche Beispiele können die Mitglieder des Verbands lange aufzählen. Düngeverordnung, Pflanzenschutz, Verpackungsverordnungen: Aus ihrer Sicht viel Bürokratie, die die Arbeit erschwert. Ähnliche Probleme haben auch Landwirte, sagt Quik. „Das frustriert mich immer wieder.“ Auf Entscheidungen als Brüssel könne der Landtag allerdings nicht viel Einfluss nehmen.