Wesel: Bäderchef Martin Christoph übt Kritik an Biergarten-Pächter

Martin Christoph : Biergarten-Streit: Bad-Chef erklärt Hintergrund

Für heute ab 18 Uhr lädt Pächter Aberfeld zur Protestparty. Kaum ein Politiker wird dabei sein.

Wesels Bäderchef Martin Christoph hat sich am Mittwochabend als Gastredener bei der Mitgliederversammlung des CDU-Stadtverbandes erstmals öffentlich zum Thema Biergarten am Rhein geäußert. Dass er den im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag mit dem Rheinberger Pächter Dirk Aberfeld nicht verlängern werde, habe mit einer Vielzahl von Beschwerden zu tun, die die Bäder GmbH erreicht hätten.

„Das kann so nicht weitergehen“, erklärte Christoph. Ein Kritikpunkt sei, dass die Sanitäranlagen nicht den geltenden Hygienevorschriften entsprechen würden. Den vor allem in den sozialen Netzwerken geäußerten Befürchtungen, dass der Biergarten komplett verschwinden werde, erteilte Christoph eine Absage. „Der Biergarten wird künftig anders betrieben, mit einem neuen Konzept“, kündigte er an, ohne Details zu nennen.

Die Äußerungen Christophs werden am heutigen Freitag sicher für reichlich Diskussionsstoff im Biergarten an der Rheinpromenade sorgen. Denn Aberfeld hat für 18 Uhr zur Protest-Party eingeladen und hofft auf viele Besucher. Damit will er den Politikern zeigen, wie groß sein Rückhalt in der Bevölkerung ist. Doch kaum ein Politiker wird auftauchen. Wie berichtet, haben fast alle Fraktionsvorsitzenden (bis auf Thomas Moll von „Wir für Wesel“) inklusive Verwaltungschefin Ulrike Westkamp in einem gemeinsamen Brief der Einladung Aberfelds eine Absage erteilt. Grund: Das Vertragsverhältnis Aberfelds bestehe mit der Bäder GmbH – folglich sei die Politik außen vor.

Unsere Redaktion hat Gäste gefragt, wie ihnen der von Aberfeld und seinem Team geführte Biergarten gefällt. Wer an einem sonnigen Tag an der Rheinpromenade mit Menschen spricht, stellt schnell fest: Der Ort ist beliebt, auch für Nicht-Weseler. Das Ehepaar Theo und Beate Hilgers aus Mönchengladbach etwa macht hier Urlaub mit seinem Wohnwagen. „Wir waren schon zwei Mal hier und finden es nicht schlimm. Die Preise sind normal, die Bedienung freundlich. Das Angebot könnte größer sein“, sagt der 74-jährige Theo Hilgers. Eine Vierergruppe ist für die Rheinpromenade den langen Weg aus Scharbeutz an der Ostsee gefahren. „Wir finden das gut, wir sind ja extra hierher gekommen. Der Biergarten ist sauber, gepflegt, es gibt Essen – alles, was das Herz begehrt. Und Stänker gibt’s immer, gerade bei Facebook“, sagt eine Frau. Auch die Weseler, die wir an diesem Tag treffen, sehen die Lage entspannter als die Diskussion in den sozialen Medien vermuten lässt. „Es ist gemütlich, das Personal ist freundlich, und vor allem am Samstag ist es proppenvoll“, sagt Reiner Dudda (68).

Wenn es doch Kritik gibt, ist sie eher zahm. Ein Besucher wünscht sich, dass er für seinen Hund nicht erst nach einer Schüssel mit Wasser fragen muss; einen anderen stört es, dass der Biergarten so viel Platz an der Promenade einnimmt. Was die Besitzverhältnisse angeht, so bringt Claudia Dickmann (55) aus Wesel wohl die Sicht vieler Gäste auf den Punkt: „Wer den Biergarten betreibt, ist mir relativ egal. Ich will hier ein Bier oder einen Kaffee trinken. Wer hinter dem Tresen steht, ist mir nicht wichtig.“

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