Wesel: Am Kornmarkt wächst die Zahl der Leerstände - auch die Auszeit hat geschlossen

Gastronomie in Wesel: Die Kornmarkt-Krise

Die Zahl der Leerstände am Kornmarkt wächst weiter. Auch die Wirtschaftsförderung betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Zumal die Stadt für viele Systemgastronomieketten offenbar nicht attraktiv genug ist.

Der Kornmarkt präsentiert sich in diesen Tagen ein wenig trostlos. Und das hat nicht nur mit der Witterung zu tun. Denn nach dem Red (früher: Müllers Tag und Nacht beziehungsweise Cosmo-Lounge) und dem Restaurant Viva Polonia hat mittlerweile auch die Auszeit ihren Betrieb eingestellt. Und eine Besserung der Lage ist aktuell nicht in Sicht. Für das Ex-Red und das ehemalige polnische Restaurant gilt jedenfalls: Geeignete Pächter sind nicht in Sicht. Auch wenn es für das frühere Red durchaus Interessenten gibt. Doch deren Konzepte haben die Krombacher Brauerei, die das Objekt angemietet hat und einen Betreiber sucht, nicht überzeugt. Leiden womöglich auch die anderen Kneipen und Restaurants unter den Dauerleerständen? „Nein“, sagt Jörg Bluhm („Kornmarkt by Blühmi“) im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn sein Kneipe laufe im 28. Jahr ihres Bestehens nach wie vor gut. „Man muss sich halt auf die veränderten Zeiten einstellen“, sagt Bluhm, der mittlerweile verstärkt auch Speisen und Snacks anbietet. Er ist überzeugt, dass derjenige, der gut arbeite, nach wie vor am Kornmarkt erfolgreich sein könne. Und meint damit unter anderem den Fasskeller Mit dessen Chef, Andreas Neuenhoff, bildet Bluhm die Wirtevereinigung Corn.Unity. Damit der Kornmarkt wieder stärker in den Blickpunkt kommt, würde sich Bluhm die Einbeziehung der Kneipen in den Feierabend wünschen, der in den warmen Monaten donnerstags auf dem Großen Markt stattfindet. Außerdem erwartet er „aktive Wirtschaftsförderung“ und nennt als Beispiel, dass ihm bislang das Grillen am Kornmarkt „wegen der Geruchsbelästigung“ nicht gestattet werde. „Auf der anderen Seite gibt es die Shishabar mit zehn Pfeifen...“

Für ihn ist klar, dass der Gastronomie in der Stadt eine wichtige Bedeutung zukommt, weil die Innenstädte dadurch belebt würden. Getreu der Binsenweisheit, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, hofft Jörg Bluhm, dass die Leerstände auf der Westseite des Kornmarkts in den nächsten Monaten verschwinden. Denn, so sagt er: „Je mehr Vielfalt, desto attraktiver ist der Kornmarkt für die Weseler.“

Apropos Attraktivität: Auch wenn sich die Zahl der Gastronomiebetriebe in der Stadt durchaus sehen lassen kann und das Extrablatt an der Dimmerstraße ohne Zweifel gut zu tun hat, ist Wesel für eine ganze Reihe von Systemgastronomieketten nicht unbedingt erste Wahl. Das jedenfalls bestätigen Wesels Wirtschaftsförderer Johannes Opgen-Rhein und sein Stellvertreter Nicolas Kotzke. Als die Foodlounge an der Hohen Straße im Sommer 2017 ihren Betrieb eingestellte, schrieb die Wirtschaftsförderung mehr als ein Dutzend Franchisegeber an. Darunter bekannte Namen wie Vapiano, L’Osteria, Cafe Del Sol, Nordsee sowie dean & david.

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„Mit einigen“, erzählt Johannes Opgen-Rhein, „haben wir intensive Gespräche geführt. Doch fast immer hat es sich herausgestellt, dass sich die Anbieter nur für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern interessieren.“ Wesel hat bekanntlich nur knapp über 60.000. Dass aber beispielsweise in Kleve (mittlerweile über 50.000 Einwohner) ab Mitte des Jahres mit dem Bau einer L’Osteria-Filiale (Nudeln und Pizzen) begonnen werden soll, kann sich Opgen-Rhein nur so erklären, „dass es dort viele Studenten gibt und die Nähe zu den Niederlanden sicher eine Rolle spielt.“

Dass es vor allem Neulinge in der Gastronomie schwer haben, liegt nach Überzeugung von Nicolas Kotzke auch daran, dass es für Existenzgründer schwer ist, an die nötigen Kredite zu kommen. „Die Banken sind bei der Vergabe von Darlehen mittlerweile äußerst vorsichtig. Einfacher ist es, wenn ein großer Systemgastronomieanbieter dahinter steht“, sagt er.

Doch immer mal wieder gelingt es der Wirtschaftsförderung, interessierte Pächter und Hausbesitzer zusammenzubringen. Manchmal hilft auch der Zufall. So berichtet Nicolas Kotzke von einem Weseler, der von einen schönen Restaurant in Walsum, dem Frenzis, berichtete und meinte, dass er so etwas in Wesel vermisse. Kotzke nahm Kontakt mit dem Eigentümer des verwaisten Lokals Tapeo am Franz-Etzel-Platz und der Frenzis-Chefin Maria Teichner auf. Mit dem Ergebnis, dass Maria Teichner in den nächsten Wochen, spätestens aber Anfang März, das Lokal Frenzis Mediterran Tapas und mehr in Wesel eröffnen wird.

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