Wesel: Wesel als Stromknoten Europas

Wesel: Wesel als Stromknoten Europas

Die Energiewende braucht Strom-Autobahnen. Die sollen Saft aus erneuerbaren Energiequellen in den Süden Deutschlands transportieren. Mega-Strommasten sind dafür nötig. Verwaltungen sehen's positiv. Und die Bürger?

Bis zum 15. Mai liegen noch die Planunterlagen für den Neubau einer Hochspannungsfreileitung zwischen Wesel und Meppen öffentlich aus. Die Unterlagen können in den Rathäusern der betroffenen Kommunen Hünxe, Schermbeck und Wesel sowie auf der Internetseite der Bezirksregierung (www.brd.nrw.de) eingesehen werden.

Auch die Politik ist nun am Zug (siehe Info). Die RP hat mit Dr. Andreas Preuß, Sprecher des Netzbetreibers Amprion, die wichtigsten Fragen und Antworten des Projekts zusammengefasst.

Was ist eine Hochspannungsleitung? Eine Hochspannungsleitung wird mit einer Spannung von 60 bis 110 kV (Kilovolt) betrieben. Unter Höchstspannung versteht man Leitungen mit 220 oder 380 kV. Es gibt auch 750 kV, allerdings nicht in Deutschland.

Wie unterscheidet sich eine Hochspannungsleitung von einer Höchstspannungsleitung (380 kV)? Der Unterschied liegt in der Höhe der Spannung. Während das Höchstspannungsnetz dem Transport des Stromes quer durch Deutschland dient, verteilt das Hochspannungsnetz den Strom regional.

Warum muss die neue 380 kV-Leitung gebaut werden? Die geplante 380 kV-Leitung von Meppen über Wesel nach Koblenz ersetzt die alte vorhandene 220 kV-Leitung, die abgebaut wird. Die 380 kV-Leitung ist notwendig, um große Mengen Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren zu können — Stichwort Energiewende. Derzeit reichen die Leitungskapazitäten dazu nicht aus. Wer baut die Höchstspannungsleitung? Amprion ist der Vorhabensträger. Das heißt die Firma plant die Leitung und wird sie nach Fertigstellung betreiben. Gebaut wird die Freileitung von zahlreichen unterschiedlichen Unternehmen.

Wer ist Amprion? Amprion ist ein Übertragungsnetzbetreiber in Europa und betreibt mit 11 000 Kilometern das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland. Von Niedersachsen bis zu den Alpen werden mehr als 27 Millionen Men-schen über das Amprion-Netz versorgt. Amprion ist eine 75-prozentige Tochter eines Finanzkonsortiums unter der Führung der Commerz Real mit Sitz in Dortmund. Derzeit sind etwa 900 Mitarbeiter bei Amprion beschäftigt. In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber. Was kostet die Höchstspannungsleitung? Ein Leitungskilometer kostet etwa 1,2 Millionen Euro. Für das rund 130 Kilometer lange Teilstück der Leitung von Meppen bis Wesel rechnet Amprion mit Kosten von rund 250 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 100 Millionen auf die rund zwölf Kilometer geplanten Kabelteilstücke bei Raesfeld, Borken und Legden im Kreis Borken.

Von wo nach wo verläuft die Höchstspannungsleitung? Die Leitung beginnt im niedersächsischen Diele. Von dort bis Meppen ist die Tennet Deutschland Vorhabensträger. Amprion plant die Leitung von Meppen durch den Kreis Borken bis nach Wesel und von dort weiter über Moers, Rheinberg, Hünxe, Voerde, Neukirchen-Vluyn, Krefeld, Willich, Meerbusch, Kaarst, Neuss, Dormagen, Rommerskirchen, Pulheim, Bergheim, Frechen, Hürth, Brühl, Wesseling, Köln, Bornheim, Alfter, Bonn, Rheinbach, Meckenheim, Wachtberg (alle NRW) nach Grafschaft (Rheinland-Pfalz) und weiter nach Koblenz. Das Teilstück von Grafschaft nach Koblenz ist bereits in Betrieb.

Welche Stromautobahnen verbinden welche Standorte künftig? Amprion baut zu 95 Prozent in vorhandenen Trassen und demontiert dort ältere Leitungen mit weniger Transportkapazität. Die fünf Prozent neue Trassen beziehen sich vorwiegend auf kleinere Trassenoptimierungen. Die Endpunkte bleiben also die gleichen. Amprion verstärkt vor allem die beiden bestehenden Nord-Südverbindungen Meppen—Koblenz und St. Hülfe-Frankfurt.

Gibt es Verknüpfungen in die Niederlande? Die geplante Leitung von Meppen nach Wesel wird mit der geplanten Leitung Wesel-Doetinchem verknüpft; zum Beispiel in der Weseler Umspannanlage Niederrhein. Diese Verknüpfungen sind der Vorteil des Drehstromnetzes. Überall auf der Strecke können Knotenpunkte gebildet werden, so dass der Strom auf andere Leitungen verteilt werden kann oder auch für die Versorgung von Städten entlang der Leitung genutzt werden kann.

Wie hoch werden die Masten in der Region? Auf dem Teilstück zwischen Wesel und Schermbeck werden die Masten zwischen 60 und etwa 85 Meter hoch.

Wie steht es um die Strahlenbelastung? Die Grenzwerte werden deutlich unterschritten. Deren Höhe wird nicht vom Betreiber, sondern von der Politik festgelegt. Mit in den Niederlanden geltenden Werten sind sie nicht vergleichbar, weil die Messmethoden unterschiedlich sind.

(RP/rl)
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