Weniger Kiriminalität: Polizei im Kreis Wesel zieht Erfolgsbilanz

Kriminalität im Kreis geht zurück : Weniger Straftaten, höhere Aufklärung

Das Leben im Kreis Wesel wird immer sicherer. Die Kriminalitätsbilanz der Polizei weist Erfolge aus. Allein Wohnungseinbrüche gingen in zwei Jahren um 45 Prozent zurück.

Gefühlte Unsicherheit ist eine Sache. Gemessene Fakten sind eine andere. So ist trotz womöglich subjektiver Wahrnehmung, es würden immer mehr Straftaten verübt, genau das Gegenteil der Fall. Dies belegt die am Dienstag von Landrat Ansgar Müller als Behördenleiter mit dem Leitenden Polizeidirektor Rüdiger Kunst und Roland Wolff, Leiter der Direktion Kriminalität, vorgelegte Statistik für 2018. Die Erfolgsbilanz liest sich auch im langfristigen Vergleich eindrucksvoll

25.528 Straftaten markieren den geringsten Stand der letzten 25 Jahre. 28.916 waren es im Vorjahr, ein Höchstwert von 35.113 datiert aus 2010. Die Aufklärungsquote von 53,1 Prozent war ebenfalls die beste des letzten Vierteljahrhunderts. Als enorm wurde zudem der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen auf 783 Fälle bezeichnet, die sich im vergangenen Jahrzehnt mit Spitzen in 2013 (1424 Fälle), 2015 (1515) und 2016 (1416) zu einem echten Problem entwickelt hatten. Besonders die psychischen Langzeitfolgen für Betroffene waren ein Grund, hier die Bemühungen der Polizei zu verstärken. Laut Müller werden Einbrüche auch „weiter mit hoher Priorität behandelt“. Die Tatsache, dass es in 40 Prozent der registrierten Fälle bei Versuchen blieb, unterstreicht für ihn, „wie sehr es nützt, wenn man sich schützt“. Mehr technische Sicherheit rund ums Haus und erhöhte nachbarschaftliche Aufmerksamkeit könnten mitgeholfen haben, die Zahl der Taten einzudämmen.

Was gezielte Polizeiarbeit mit den „erfreulichen Zahlen“ (Müller) zu tun hat, erläuterte Kripo-Chef Wolff. Mit mehreren Ermittlungskommissionen sei beispielsweise gegen Intensivtäter, bei bestimmten Tatserien oder gegen Bandenkriminalität vorgegangen worden. In einigen Sparten seien so Serien gestoppt worden. Zum Beispiel bei Kfz-Diebstählen, die um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr abnahmen. Auch Diebstähle aus Kfz gingen signifikant zurück. Als ein Moerser, der mehr als hundert Taten verübte, aus dem Verkehr gezogen werden konnte, gingen die Zahlen schlagartig in den Keller. Minus 16 Prozent bei den Raddiebstählen, minus 33 Prozent bei den Taschendiebstählen sowie Rückgänge auch beim Betrug und den Ladendiebstählen listete Wolff auf.

Wie sehr Fleißarbeit sich negativ auswirken kann, erklärte Roland Wolff am Beispiel Sonsbeck. Das beschauliche Örtchen könnte in den schlechten Ruf einer Drogenhochburg kommen, weil hier 321 Straftaten zu Buche schlugen. Bei genauerem Hinschauen war es aber so, dass ein auswärtiger Täter die Gemeinde als Einwurf-Ort für den Postversand des Rauschgifts nutzte, von dem kein Gramm in Sonsbeck selbst Niederschlag fand. Für mehr als 1000 Taten kam der Verantwortliche für sieben Jahre in den Knast.

Beim polizeilichen Ausblick für 2019 dürfen sich Missetäter darauf einstellen, dass wieder Ermittlungskommissionen gebildet werden, die sich verschiedenen Schwerpunkten widmen. Dazu gehört laut Wolff die Moerser Innenstadt, wo gut 20 junge Täter unter 18 Jahren mit Raub, Körperverletzung, Nötigung und anderen Delikten ihr Unwesen treiben. Sie sollen von ihren kriminellen Wegen abgebracht werden. Neben dem bereits erwähnten weiteren Kampf gegen Einbrecher, werden Raub, Schutzgelderpressung und Rauschgift Deliktfelder sein, auf die sich die Polizei im Kreis Wesel in diesem Jahr konzentrieren will.

Auf die mit dem Missbrauchsskandal in Lügde aufgekommene Frage zu möglichen Veränderungen der Polizeiorganisation erklärte Müller, dieser Fall habe nichts mit Behördenstrukturen zu tun. Die zivile Führung bei der Polizei mit einem demokratisch gewählten Landrat wie auch bei der Bundeswehr mit einem Verteidigungsminister sei vernünftig. Ein Polizeipräsidium Niederrhein von Neuss bis Kleve, womöglich inklusive Krefeld und Mönchengladbach, hält er für wenig sinnvoll. Erhoffte Synergien hätten sich bei der Zusammenlegung von Köln und Leverkusen sowie Essen und Mülheim kaum ergeben.

Mehr von RP ONLINE