Kreis Wesel: Welt-Parkinsontag: Offen mit der Krankheit umgehen

Kreis Wesel: Welt-Parkinsontag: Offen mit der Krankheit umgehen

In Deutschland sind etwa 320.000 Mitbürger an Parkinson erkrankt - jedes Jahr kommen 30.000 hinzu.

Heute ist Welt-Parkinsontag. Weltweit rückt die immer noch nicht heilbare Erkrankung für einen Tag in den Fokus der Öffentlichkeit. In Deutschland sind etwa 320.000 Mitbürger an Parkinson erkrankt und jährlich bekommen rund 30.000 Neuerkrankte die Diagnose Parkinson gestellt. Meist sind es Menschen ab 50 Jahren, die erkranken, aber zunehmend auch Jüngere erkranken an der Dopamin-Mangelerkrankung Parkinson. Bis zur richtigen Diagnose vergehen oft bis zu zwei Jahre, in denen der Patient von Arzt zu Art unterwegs ist. "Nach der Diagnose verändert sich das Leben gravierend", sagt Detlev Friedriszik aus Rheinberg, der selbst seit zwölf Jahren an Parkinson leidet. "Durch die Erkrankung produziert das Gehirn immer weniger den für die Muskelfunktion wichtigen Botenstoff Dopamin. Wer nun glaubt, eine Dopamin-Tablette wäre die Lösung, verkennt die Situation. Das ist leider nicht so einfach, da die Tablette nicht die Zwischenhirnschranke überwinden kann. So hat jeder Parkinsonpatient seinen eigenen Parkinson mit Rigor, Tremor usw. und benötigt genau auf ihn abgestimmte Medikamente, damit die Auswirkungen so gering wie möglich gehalten werden können."

In den ersten Jahren ist die Erkrankung noch einigermaßen zu beherrschen, dann wird es immer komplizierter. Neben den Tabletten, Medikamentenpflastern und Pumpen, die Dopamin direkt in den Darm leiten, ist die Tiefenhirnstimulation zunehmende eine Methode, um durch elektronische Stimulation des Gehirns Parkinson beherrschbarer und den Tablettenkonsum mit allen Nebenwirkungen so gering wie möglich zu gestalten.

Friedriszik: "Für den Parkinsonpatienten ist es besonders wichtig, die Erkrankung anzunehmen und damit offen umzugehen, denn ab einem gewissen Grad der Erkrankung lässt es sich nicht mehr verbergen und den Spekulationen wird Tür und Tor geöffnet. Dann hört man Sätze wie ,Der zittert ja so, ihm fehlt wohl seine Alkoholdosis' oder es kommt zu Unmutsäußerungen wie ,Mach mal schneller, wir haben nicht ewig Zeit'." Durch diese Situationen ziehen sich Parkinsonpatienten immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück, werden depressiv und drohen zu vereinsamen.

Um so wichtiger seien Gesprächskreise für Betroffene und Angehörige, weiß der Rheinberger. Informationen zu neuen medizinischen Möglichkeiten, gemeinsamen Aktionen sowie Sport und Bewegung gibt es in solchen Selbsthilfegruppen.

Ansprechpartner der Parkinsonselbsthilfegruppen am Niederrhein kann man in Neuss unter Telefon 02131 740240 erfragen oder im Internet unter www.parkinson-vereinigung.de/kontakt. Detlev Friedriszik erreicht man unter der Telefonnummer 02843 990338.

(up)