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Wesel: Weiße Farbe verdeckt Narben

Wesel : Weiße Farbe verdeckt Narben

Warum der Bislicher Neuhollandshof ein Stück lebendiger niederrheinischer Geschichte ist: Von Maschinengewehr-Einschüssen im Gemäuer bis zum Vorzeigehof von heute – ein Blick ins Fotoalbum.

Die Maschinengewehr-Einschüsse im Gemäuer sind noch deutlich zu sehen. Faustgroße Löcher überziehen die ganze Wand. Nicht nur das sogenannte Schweinehaus auf dem Neuhollandshof in Bislich wurde im Zweiten Weltkrieg unter Beschuss genommen. Auch das im 19. Jahrhundert errichtete Hauptgebäude war nach dem Aufmarsch der britischen Truppen nur noch ein Schatten seiner selbst. „Es war ein vernarbtes Haus“, berichtet Rolf Clostermann.

Aus Fotoalben und Erzählungen weiß der Obstplantagenbesitzer von der wechselvollen Geschichte seines Elternhauses. Ein weißer Anstrich verdeckt heute die Narben der Kriegszeit. Die Historie des Neuhollandshofes geht weiter zurück. Im Jahr 1867 teilte der studierte Landwirt Heinrich Holland sein Anwesen in zwei Hälften. Während er einen Teil des jahrhundertealten Hollandshofes selbst weiterbewirtschaftete, überließ er die andere Hälfte seinen beiden unverheirateten Kindern, Johann Heinrich und Agnes Elisabeth Holland. So entstand der Neuhollandshof.

1927 in England Obstanbau gelernt

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Nach dem Tod ihres Bruders heiratete Agnes den Diplom-Landwirt Wilhelm Overdiek. Sohn August Overdiek und seine Frau Ilse legten den Grundstein für den Obstanbau auf dem damals 3,5 Hektar großen Grundstück. „Meine Großeltern unternahmen 1927 zusammen mit Otto Schmitz-Hübsch aus Haffen, der auch eine Obstplantage hatte, eine Reise nach Kent“, erzählt Rolf Clostermann. In England lernten die Bislicher den modernen Obstanbau kennen. Zurück in der Heimat setzte das Ehepaar die Eindrücke in die Praxis um und pflanzte seine ersten Obstbäume an. Die Produktion lief so gut an, dass die Viehzucht schließlich abgeschafft wurde. Bei der Bewirtschaftung ihrer Plantage setzten die Overdieks auf damals modernste Technik.

Mit Pferdewagen und einer Sechs-PS-Motorspritze rückte man 1936 Schädlingen auf den Leib. Bei drohendem Frost wurde die ganze Plantage in künstlichen Nebel gehüllt, um Schäden an den Blüten zu vermeiden. 1950 erfand Overdiek eine moderne Obstsortiermaschine, die bis in die sechziger Jahre in Betrieb war. Auch sonst war die Familie fortschrittlich. Auf einem Foto von 1926 posiert eine stolze Ilse Overdiek mit ihren beiden Schwestern vor dem nagelneuen Fiat Cabrio. „Es gab damals in ganz Bislich zwei Autos. Das eine gehörte dem Tierarzt und das andere meinen Großeltern“, berichtet Clostermann, der 1959 geboren wurde. Im selben Jahr übernahm sein Vater Gerd Clostermann den Hof, der Overdieks älteste Tochter Dorothee geheiratet hatte. Anfang der 60er wurde der Hofladen eröffnet. Ein Obstabonnement versorgte Kunden im ganzen Ruhrgebiet. „Mein Vater hatte auch Gewächshäuser, in denen er Nelken, Rosen und Gurken kultivierte. Wir haben viel ausprobiert“, erinnert sich Rolf. Als jüngster der Clostermann-Söhne übernahm er 1993 die Hofnachfolge zusammen mit seiner Frau Thea. Schon in den 80er Jahren begann der Obstbau-Techniker, den Betrieb auf biologisch-dynamische Anbauweise umzustellen.

(RP)