Schermbeck: Weihnachten wie früher

Schermbeck: Weihnachten wie früher

"Schöne alte Weihnachtszeit" heißt in Schermbeck ein Fest der Werbegemeinschaft mit der GAGU-Zwergenhilfe.

Starker Schneefall am Morgen, der dann langsam in Schneeregen überging, hat am Samstagmorgen viele Besucher abgehalten, zum Fest "Schöne alte Weihnachtszeit" zu kommen, das die Werbegemeinschaft Schermbeck in Zusammenarbeit mit der GAGU-Zwergenhilfe zum sechsten Male veranstaltete. Erst am Nachmittag stieg bei besseren Witterungsverhältnissen die Zahl der Besucher deutlich an. Erwachsene und Kinder, die das Leben der Menschen im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anschaulich kennen lernen wollten, fanden zwischen Gaststätte "Am Rathaus" und Nispa an der Ludgeruskirche auf der für den motorisierten Verkehr gesperrten Mittelstraße ("Mi") jede Menge Anschauungsmaterial.

Nahe der Volksbank zeigten Marco Kolz und Friedhelm Hülsmann, wie man Waffeln in einem Eisen über dem offenen Feuer backen kann. Tanja Hülsmann und Bettina Kolz konnten beim Waffeln-Verkauf den Besuchern ihres Standes auch alte Haushaltsgeräte wie Waschbretter, Geschirr und ein nostalgisches Telefon zeigen. Die Marktfrau Ute Halbsguth verkaufte Antiquitäten. "Arbeit und Fleiß erhält den Preis" verriet einer ihrer Wandbehänge für die Küche.

Wer in historischen Kostümen bummelte, wusste meist auch eine Geschichte für seinen Auftritt auf der Mi zu erzählen. Als Edelfrau und Edelmann waren Anke und Anja Kott auf dem Weg zur Ludgeruskirche, weil dort Sohn Karl-Friedrich die adlige Charlotte vom Steintor heiratete. Anschließend wurde im Hotel Vennschott gefeiert. Im Pelzgewand machte sich Rosi Jäger als Ur-Ur-Enkelin von Ötzi auf die Suche nach ihren Vorfahren. Der Essener Stahlfabrikant Honorious Higgins, ein guter Freund von Alfred Krupp, verbrachte das Wochenende in seiner Zweitwohnung in Schermbeck. Anke Hutmacher machte mit der Freifrau von Hohenstein (Marion Malessa) einen Einkaufsbummel. Als Marketender der Schermbecker Kaufmannsgilde bot Bernd Malessa seine Waren an. Cornelia Albertz und Gudrun Gerwien vom Gaguner Orden, die Waisenkindern in Afrika helfen, besuchten während ihres Heimatfestes ihre Schwestern in der Niederrhein-Region. Bruder Thomas (Dieter Schmitt) vom selben Orden bummelte über die Mittelstraße in Richtung des katholischen Altschermbecks. Als Mönch bot der Praktikant Abdulrahman des "Schermbecker Reisebüro" den Passanten Spekulatius an.

Mitglieder der Gymnastikgruppen des Netzwerkes kämpften für das Wahlrecht der Frauen. Große Schilder mit den Aufschriften "Lasst Frauen wählen" oder "Frauen wollen wählen" reckten die Frauen in die Höhe, als sie lärmend mehrfach über die Mi in beide Richtungen gingen. Auch ein paar Männer machten sich für das Anliegen der Frauen stark. Dass es auch Gegner des Wahlrechtes für Frauen gab, bewies Adolf Klammer mit seinem Schild "Frauen am Herd".

  • Schermbeck : Einmaliger Ausflug ins 19. Jahrhundert

Einblicke in das Alltagsleben der Menschen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erhielt man in diesem Jahr an deutlich weniger Stellen als noch vor einigen Jahren, als einzelne Gruppen typische Handwerkstätigkeiten präsentierten. Großen Anklang fand der erstmalige Auftritt der EselFreunde Niederrhein. Wer sich am Samstag von acht Eseln mit ihren treuen Augen anschauen oder mit einem langgezogenen "iiiiaaaah" begrüßen lassen wollte, der musste zur Mittelstraße im Bereich des "Schermbecker Reisebüro" kommen. Dort konnte man die Esel streicheln oder an die Leine nehmen, um mit ihnen über die Mittelstraße zu spazieren. An einem Infostand konnte man sich mit den Esel-Experten über die Herkunft der Esel ebenso unterhalten wie über ihre physiognomischen Besonderheiten und über die Nutzung im Verlauf vieler Jahrhunderte.

Auf dem Parkplatz Overkämping kamen die Esel an drei Alpaka-Stuten vorbei, welche die Betreiber der Alpaka-Ranch in Bricht auch in diesem Jahr als südamerikanische Tiere vorstellten. Mehrere Schermbecker Vereine oder Gruppen sorgten für das leibliche Wohl der Besucher. Auf dem Gustav-Sack-Parkplatz führte die Theatergruppe der GAGU-Zwergenhilfe das Musical "Vom Geist der Weihnacht" von Charles Dickens auf. Das Musical präsentierte den Wandel des hartherzigen Unternehmers Scrooge zu einem Menschen, der wieder an die Liebe und an das Leben glaubt.

Schade: Weder Chöre noch Musikvereine sorgten für weihnachtliche Klänge auf der Mittelstraße. Lediglich vor der Gaststätte "Am Rathaus" unterhielten ein Dutzend Tambouristen mit Weihnachtsliedern. Entlang der Mittelstraße verdienten sich einige musikalisch begabte Kinder mit weihnachtlich gestimmten Instrumentalklängen einen Zuschuss für ihr Taschengeld.

(hs)