Wesel: Wehr spürt die Demografie

Wesel: Wehr spürt die Demografie

Die Freiwillige Feuerwehr Wesel blickt heute bei der Jahreshauptversammlung im Saal Schepers auf ein einsatzreiches Jahr zurück. Auffällig ist, dass immer öfter ältere Menschen Hilfe benötigen.

Wenn ein älterer Mensch die Tür nicht öffnet und auch nicht ans Telefon geht, dann wächst in der Regel die Sorge, dass ihm was passiert ist. In solchen Fällen rückt die Feuerwehr an. 57 Einsätze der Kategorie "Person in verschlossener Wohnung" schlugen 2009 zu Buche – 18 mehr als im Vorjahr. Auch auf anderen Ebenen spürt die Weseler Wehr den demografischen Wandel. Wie Wehrführer Robert Meyboom gestern mit Wachleiter Rudolf Friedhoff und Wilhelm Pooth erläuterte, gab es verstärkt Alarm durch Brandmeldeanlagen aus Senioreneinrichtungen, wo Bewohner schlicht den Topf auf dem Herd vergessen hatten. Damit die Wehr nicht unnütz anrückt, wurde mit Heimleitungen gesprochen. Unempfindlichere Meldeanlagen sollen zunächst im Haus selbst Alarm geben. Anstiege bei Notarzteinsätzen (von 2777 auf 3073) und Rettungsfahrten (3460 auf 3685) bezeichnen die Experten zwar als normal, führen sie aber auch darauf zurück, "dass wir alle älter werden".

Lkw-Brand auf der A 3

So blickt die Freiwillige Feuerwehr Wesel heute bei der Jahreshauptversammlung (siehe Info) auf insgesamt 8361 Einsätze (2008; 7890) zurück. 336-mal waren dabei Brände zu bekämpfen. Als größere Unglücke ragten zwei Bauernhofbrände in Bislich-Schüttwich und Vissel (April und Dezember) heraus. Im Fall des Letzteren kamen die Retter gerade noch rechtzeitig, um ein Übergreifen der Flammen von der Scheune aufs Wohnhaus zu verhindern. Spektakulär, aufwendig und langwierig gestaltete sich auch der Brand eines Lkw voller Altpapier im Oktober auf der A 3.

Haften blieb für die Wehr zudem die mehrtägige Suche per Boot nach der vermissten Judith (14) auf der Lippe. Wochen später wurde die AVG-Schülerin tot aus der Ijssel bei Arnheim geborgen. Gut reagiert habe laut Friedhoff die Einsatzleitung bei dem schweren Unfall an der Rheinbrücke, bei dem zu Karneval ein 20-Jähriger aus Büderich ums Leben kam. Sie habe junge Feuerwehr-Kameraden aus dem Polderdorf, die das Opfer kannten, weitestgehend abgeschirmt.

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Personell hat die Wehr keine Sorgen. Von den 399 Mitgliedern sind 216 aktiv, darunter mittlerweile 18 weibliche Kräfte. Es gibt 63 hauptberufliche Feuerwehrleute. 62 sind in der Jugendfeuerwehr, 57 in der Altersabteilung.

Übungsanlage wird erweitert

Froh ist die Wehr über ihre neue Brandübungsanlage bei der Kiesfirma Hülskens in Ginderich. Als eine der wenigen in NRW wird sie von vielen Wehren der Nachbarschaft mitgenutzt und soll weiter ausgebaut werden. Unter anderem soll ein Klettermast errichtet werden. Zurzeit sind aus dem ganzen Kreis Wesel 41 Leute in der Truppführerausbildung.

(RP)