Hamminkeln.: Was Klimaschutz mit Pils zu tun hat

Hamminkeln. : Was Klimaschutz mit Pils zu tun hat

UN-Umweltexperte Prof. Klaus Töpfer sieht in der Klimapolitik ein wichtiges Stück Friedenssicherung. Parteichef Neß und Bürgermeister Romanski loben ehrenamtliche Politiker und empfinden sie als Bollwerk gegen Populisten.

Professor Dr. Klaus Töpfer hatte vor seinem Auftritt gestern beim CDU-Neujahrsempfang im rappelvollen Ratssaal die Rheinische Post gelesen. Nach der Eselordenverleihung 1989 in Wesel war er mitsamt Familie dem Schild "Hamminkeln ruft" gefolgt, hatte im Bürgerhaus ein leckeres Pils getrunken und als Hobbykoch die Küche inspiziert. Der Stoff, aus dem solche Legenden sind, nahm er als munterer, immerhin schon 78-jähriger Festredner auf - und zeigte, was Klimaschutz mit einem Pilsken Made in Hamminkeln zu tun hat. Der Running Gag in der Rede gipfelte in dem keineswegs trockenen Scherz, dass er aus seiner Zeit als Bundesumwelt- und später Städtebauminister schon erlebt hatte, wie ihm eine Kiste zugeschickt wurde, wenn er nur das Etikett gezeigt habe. Braumeister Wilhelm Kloppert lachte auf und beschloss spontan, dem Gast einen Kasten Goldesel-Pils aus dem Hause Feldschlösschen zukommen zu lassen. "Klimaneutral", versprach er. Zum Ausgleich gab's Alkoholfreies für den Professor dazu - aus van Nahmens Saftladen.

Töpfer, nach seiner Ministerzeit unter anderem Direktor beim UN-Umweltschutzprogramm mit Sitz in Nairobi und acht Jahre lang in Kenia, verband mit seinen unterhaltsamen verbalen Brücken eine ernste Botschaft. Dass vom neuen US-Präsidenten der Klimawandel ignoriert wird, verstört ihn. Töpfer hat politisch schon früh für erneuerbare Energien geworben, sieht Klimaschutz und Friedenssicherung als eine Einheit. Denn wer Menschen in armen Ländern energie- und klimapolitisch unterstütze, schaffe für sie bessere Lebensbedingungen vor Ort. "Allerhöchste Zeit, dass wir uns dem annehmen. Das ist auch ein Geschäftsfeld, wenn Energieerzeugung entwickelt wird, die sich die Menschen dort leisten können", sagte Töpfer. Zudem erwartet er einen Krieg um Wasser. Er lobte auch höhere deutsche Ausgaben für Entwicklungshilfe und internationalen Ausbau der Solartechnik. Diese "alternativlose" Botschaft passte zum Lob, das der Umweltpolitiker für seine Vorredner Norbert Neß, CDU-Parteichef, und Bürgermeister Bernd Romanski parat hatte. Beide hatten die schlichte Propaganda mancher Populisten kritisiert, die man auch vor Ort erlebe und Fakten - etwa aus der Lokalpolitik - kontern müsse. Hier erkennt der Verwaltungschef zwar "Werteverfall" im Grad der Anfeindung. Aber Neß und er lobten den hohen ehrenamtlichen Einsatz - nicht nur in der Ratsleute. CDU-Aktive wie Jürgen Kuran (Bosnienhilfe) oder Thomas Neu (Freiwillige Feuerwehr Brünen) oder alle Helfer beim Isselhochwasser würden beweisen, dass Taten zählen. Neß: "Das müssen wir darstellen und nicht auf Parolen der AfD schauen."

Romanski sah es ebenso, beklagte als "bedrückend", wie Wahrheits- und Realitätsverlust um sich greifen. Hier nannte er die Beispiele US-Präsidentenwahl und Brexit-Abstimmung. "Lassen Sie uns standhaft gegen Populisten bleiben und unsere Werte leben - das wird die größte Herausforderung." CDU-Landtagsabgeordnete Charlotte Quik ist ihn diesem Sinn im sicherlich harten Wahlkampf schon aktiv und bat die Gäste abschließend zum gemütlichen Beisammensein. Gut dürfte der CDU das Lob des Verwaltungschefs und Genossen getan haben. Er sprach von einer "guten Veranstaltung mit einem anspruchsvollen Redner". So war es auch.

(RP)
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