Was jeder Schütze für das Weseler Fest wissen muss

Das kleine RP-Schützen-Brevier : Was jeder Schütze fürs Fest wissen muss

Der Bürger-Schützen-Verein Wesel und der Bürgerschützenverein vorm Brüner Tor stehen in den Startlöchern für ihr drittes gemeinsames Fest. Das hat besondere Gebräuche. Die Rheinische Post stellt die fünf wichtigsten Regeln vor.

Im kommenden Jahr wird der Bürger-Schützen-Verein Wesel (BSV) 175. Mithin sollten Grünröcke und Schwarzfräcke geübt sein. Aktuell steht der BSV mit den Kameraden vom Bürgerschützenverein vorm Brüner Tor in den Startlöchern für das dritte gemeinsames Fest, sodass auch da schon eine gewisse Routine eingekehrt sein sollte. Dennoch: Der Ablauf ist komplex. Die Regeln sind besonders. Was jeder Schütze wissen muss und jeder Freund des städtischen Schützenwesens wissen sollte, listet die RP heute in einem kleinen Brevier mit fünf Punkten auf.

1. Der König und die Königin

Nichts ist einfacher, als in Wesel Schützenkönig zu werden. Denn wer auch immer den letzten Holzspan des Rumpfs von der Stange holt: Er bekommt ein Rundum-sorglos-Paket, braucht sich um fast nichts zu kümmern und kann sich darauf konzentrieren, gefeiert zu werden. Während anderenorts oft Angst regiert, wie man an eine Königin kommt und welche Paare den Hofstaat bilden, ist das in Wesel im Vorfeld längst geklärt. Jürgen van der Kuil fungiert als BSV-Vizepräsident als Königinnenmacher. Am morgigen Freitag wird er seine Regentin für 2019 einem kleinen Kreis von Berichterstattern präsentieren, die dann daraus ein Rätsel konstruieren, damit die Spannung möglichst bis zur Inthronisation am Samstag, 31. August, 20, Uhr, in der Niederrheinhalle erhalten bleibt. Ihre Majestät wird ihre Garderobe ebenso parat haben wie die Damen der Thronpaare, die von den einzelnen Einheiten bereits ausgeguckt sind.

2. Der Apfel

Der begehrteste Vogelpreis ist in Wesel der Reichsapfel. Ihm gilt der erste Schuss. Der gebührt dem jeweiligen Staatsoberhaupt. Weil dies aber meist verhindert ist, tritt ein Stellvertreter aus den Reihen der Schützen ans Gewehr. Und wenn das gute Stück auf Anhieb fällt, dann wird es dem Staatsoberhaupt gebracht. Aktuell wäre also eine Reise nach Berlin zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angesagt. Dankend abgesagt, selbst zu erscheinen, hat er zwar noch nicht, aber es wird damit gerechnet. Fünfmal hat der Kunstschuss schon geklappt: 1893 für Kaiser Wilhlem II., 1933 für Reichspräsident Paul von Hindenburg sowie für die Bundespräsidenten Carl Carstens (1980), Richard von Weizsäcker (1993) und Horst Köhler (2009). Mit der Schießnummer 1 wird am Freitag, 30. August, um 16 Uhr Arvind Potphode auf den Apfel anlegen. Er wurde in der 4. Kompanie ausgelost, die in diesem Jahr turnusgemäß das Vogelschießen eröffnet. Potphode stammt aus Indien, war 2001 übrigens Wesels Karnevalsprinz. Mit einem weißen Elephanten, so Vize van der Kuil, wolle man im Fall eines Glückstreffers dann in die Hauptstadt reiten.

3. Der Auftakt

Los geht es mit dem Weseler Schützenfest bereits am kommenden Wochenende: Am Samstag, 24. August, wird ab 13 Uhr auf dem Stand im Schützenhaus An de Tent um den Alfred-Pannenbecker-Pokal, Preise und Schnüre geschossen. Parallel wuchern erfahrungsgemäß die Spekulationen um die Identität der neuen Königin. Weiter geht es am Sonntag, 25. August, ab 10.30 Uhr mit dem Probereiten des Reiterzuges, dem Kinderschützenfest und der Kartenausgabe zu Lackhausener Blasmusik.

4. Der Parole-Befehl

Den minutiösen Ablauf sämtlicher Programmpunkte finden Schützen im traditionellen Parole-Befehl, einem kleinen Faltblatt. Da steht dann auch drin, welche Einheit wann die Fahnen-Kompanie oder den Eingangs-Wachdienst stellt, welches Vorstandsmitglied gerade verantwortlich ist und vor allen Dingen, wo was stattfindet. Das findet auch Präsident Ferdi Breuer nützlich um zu wissen, wann wo angetreten wird.

5. Höhepunkte und Nachfeier

Dem ersten Auftritt in der Stadt mit Zug vom Berliner Tor zum Großen Markt am Donnerstag, 29. August, 19.30 Uhr, und dem Start des Schießens am Freitag mit Musik der Pils’n Buam ab 20 Uhr in der Niederrheinhalle folgt Samstag die Inthronisation (20 Uhr) mit anschließendem Krönungsball. Den Huldigungschor bilden diesmal Akteure verschiedener Weseler Chöre. Ab 21 Uhr spielt die Band The Daylights. Sonntag, 1. September, sind die Bataillone beider Vereine und der Reiterzug um 13.45 Uhr wieder auf dem Großen Markt. Große und kleine Majestäten sitzen in Kutschen, Thron und Vorstand in Cabrios auf dem Weg zur Niederrheinhalle, wo um 14.45 die Parade beginnt. Für die gab es früher, als noch unter der Woche gefeiert wurde, schulfrei und viele Geschäfte schlossen.

Die Nachfeier beendet den Reigen am Samstag, 7. September. Da besucht der Thron das Altenheim am Willibrordi-Platz, ist bei der Bürgermeisterin zu Gast und zieht um 17 Uhr mit den Bataillonen wieder zur Niederrheinhalle. Nach einer Parade ist ab 20 Uhr Tanz mit der Band Citysound.

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