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Warum in Schermbeck 1991 ein Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde

30 Jahre Naturschutzgebiet in Schermbeck-Gahlen : Das Moor der Zukunft

Vor 30 Jahren begann die Unterschutzstellung des Naturschutzgebietes Gahlener Torfvenn/Rehrbach. Die wertvolle Landschaft ist wichtig für den Schutz von seltenen Arten. Wie damals eine Milchquotenaktion zur Rettung beitrug.

Das Naturschutzgebiet Torfvenn/Rehrbach im Gahlener Süden ist 30 Jahre alt. Am 28. November 1991 wurde das Torfvenn im Rahmen des Feuchtwiesenschutzprogramms der Landesregierung einstweilig sichergestellt. Es handelte sich damals zunächst um ein 198 Hektar großes Gebiet im südlichen Heisterkamp und im südwestlichen Besten beiderseits des Rehrbaches, das bis auf das Gebiet von Bottrop-Kirchhellen reicht.

Die Unterschutzstellung wurde erleichtert, weil die Landwirte im Gahlen-Kirchhellener Raum im Rahmen einer freiwilligen Beteiligung an der Milchquotenaktion des Landes Nordrhein-Westfalen ihre Flächen in das Feuchtwiesenschutzprogramm einbrachten. Haupterwerbslandwirte, die zugleich Milchlieferanten waren, hatten die Möglichkeit, die Milchquote um 1000 Liter pro Hektar zu vergrößern. Finanzielle Zuschüsse gab es, wenn man bereit war, Ackerland in Grünland umzuwandeln. Als Gegenleistung musste der Landwirt eine ganze Reihe von Einschränkungen in Kauf nehmen, die vom Verbot einer Umwandlung des Grünlandes in Ackerland bis zum Verbot zusätzlicher Entwässerungsanlagen und dem Bestandsschutz von Hecken reichten.

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Mit der Unterschutzstellung sollte eine Landschaft geschützt werden, die Anfang des 20. Jahrhunderts als ein sehr wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere ausgewiesen wurde. „Es ist eines der interessantesten Heidemoore des Niederrheins“, beschrieb 1913 der Botaniker Hans Höppner das Bestener Torfvenn und ergänzte: „Auf dem wenig umfangreichen Gelände drängt sich fast alles zusammen, was wir sonst nur an einzelnen Stellen oder überhaupt nicht in den Heidemooren des Niederrheins finden.“ Anlass für Höppners pflanzengeographische Arbeit war die zunehmende Melioration. „Nur stellenweise ist das Torfvenn noch unberührt“, schrieb Höppner 1913. „In früheren Jahren hat man hier Torf gestochen. Reste dieser Torfschicht ziehen sich gleich Dämmen durch die Sümpfe, und zum Teil dienen sie jetzt als Wege.“

Den von Höppner beschriebenen Zustand der Landschaft wird man nicht mehr herstellen können, zumal die Trockenlegung vor dem Ersten Weltkrieg zum Absterben vieler Pflanzen führte, die Flächen heute in Privathand sind und deshalb alle Schritte in Richtung eines effektiveren Naturschutzes nur sehr mühselig sind. Seit 1998 gelang es, immer mehr Landwirte für den vertraglichen Naturschutz zu gewinnen. Für die Berücksichtigung von Betriebswirtschaftungsauflagen erhielten die Landwirte dabei für den Grundschutz und für neun Bewirtschaftungspakete Ausgleichszahlungen.

 Nicht alle Bäche wurden begradigt. Der Rehrbach mäandriert noch an einigen Stellen und hält das Wasser so lange im Bachbett zurück.
Nicht alle Bäche wurden begradigt. Der Rehrbach mäandriert noch an einigen Stellen und hält das Wasser so lange im Bachbett zurück. Foto: Helmut Scheffler

Im Landschaftsplan des Kreises Wesel, Raum Hünxe/Schermbeck, der 2004 rechtskräftig wurde, wird für das Naturschutzgebiet Torfvenn/Rehrbach bescheinigt: „Bei dem Naturschutzgebiet handelt es sich um einen weitgehend entwässerten Grünlandniederungskomplex. Die naturnahen Gräben weisen einen wertvollen Pflanzenbestand auf, in dem auch Relikte des einstigen Niedermoores enthalten sind. Das Gebiet ist als solches noch in einem relativ guten Zustand (ca. 70 Prozent Grünland) und hat insgesamt ein hohes Entwicklungspotential. Wertbestimmend für dieses Gebiet einer kulturhistorisch geprägten Landschaft ist das Vorkommen von gefährdeten Pflanzen und Tierarten, sowie die Bedeutung für Vogelarten des Offenlandes (Wiesenbrüter). Im Gebiet kommen schützenswerte Grundwasser- und Moorböden vor. (…) Auf dem wenig umfangreichen Gelände (…) drängt sich fast alles an Pflanzen zusammen, was wir sonst nur an einzelnen Stellen oder aber überhaupt nicht in den Heidemooren des Niederrheins finden. “

In den textlichen Darstellungen und Festsetzungen des Landschaftsplanes werden zahlreiche Gründe für die Ausweisung des Torfvenns als Schutzgebiet genannt, das inzwischen 266 Hektar umfasst. Der Schutz soll danach „zur Erhaltung und Wiederherstellung eines typisch ausgebildeten, grünlandgeprägten Niederungsgebietes als Relikt einer bäuerlich geprägten Kulturlandschaft mit ihren charakteristischen Tier- und Pflanzenarten“ beitragen. Die Festsetzung als Schutzgebiet erfolge „aus landeskundlichen, naturgeschichtlichen und erdgeschichtlichen Gründen, insbesondere wegen der Bedeutung der Moor- und Grundwasserböden“ und „wegen der Seltenheit, besonderen Eigenart und Schönheit des Feuchtbiotopkomplexes“.