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Warum der Vorsitzende des Heimatvereins Dingden Ehrenmedaille erhielt

Hohe Auszeichung für den Vorsitzenden des Dingdener Humberghauses : Euregion-Ehrenmedaille für Heinz Wolberg

Heinz Wolberg, Vorsitzender des Dingdener Heimatvereins, ist für seine Bemühungen ausgezeichnet worden, auch niederländische Schüler für das Humberghaus, das die Geschichte der jüdischen Familie Humberg erzählt, zu interessieren.

Bei der Euregioratssitzung in Kleve-Kellen ist Heinz Wolberg, Vorsitzender des Heimatvereins Dingden und des Humberghauses im Ortskern, mit der Euregio Rhein-Waal-Ehrenmedaille ausgezeichnet worden. Überreicht wurde sie ihm vom Vorsitzenden Thomas Ahls. Die Euregioratssitzung stand außerdem im Zeichen des 50-jährigen Bestehens der Euregio Rhein-Waal (siehe Infobox). Passend dazu wurde die Chronik „50 Jahre Euregio Rhein-Waal in europäischer Perspektive“ präsentiert. Aufgrund von Corona fand die Sitzung in hybrider Form statt. Es waren rund 60 Personen vor Ort. Die anderen Euregioratsmitglieder nahmen digital teil.

Heinz Wolberg gehört zu den großen Aktivposten des Heimatvereins. „Er hat die Ehrenmedaille insbesondere für seine Bemühungen erhalten, auch niederländische Schüler für das Humberghaus in Dingden bei Hamminkeln, das die Geschichte der jüdischen Familie Humberg erzählt, zu interessieren“, heißt es in der Begründung der Euregio. Heinz Wolberg zeigte sich in seinem Dankeswort sichtlich gerührt und betonte, dass es gerade heute notwendig ist und bleibt, dass vor allem junge Menschen die Entscheidungssituationen, die die Familie Humberg meistern musste, für ihre eigene Lebenssituation reflektieren. Menschlichkeit, Freiheit und Demokratie müssten als Kernwerte unserer Gesellschaft beibehalten werden.

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Normalerweise wird diese besondere Auszeichnung während des traditionellen Jahresabschlussempfangs der Euregio Rhein-Waal verliehen, dem rund 250 Vertreter deutscher und niederländischer Kommunen, der Provinzen, des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und Projektpartnern beiwohnen. Diesmal konnte er wegen der geltenden Corona-Maßnahmen nicht stattfinden, die Verleihung wurde so in die Euregioratssitzung integriert.

Heinz Wolberg ist bekennender Dingden und interessiert an allem, was Dorfgeschichte, Dingdener Tradition und Erhalt alter Bauten betrifft.  Er ist seit 1976 Mitglied des Heimatvereins Dingden und seit 2016 dessen Vorsitzender. In dieser Position kümmert er sich gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitgliedern erfolgreich und generationsübergreifend um dörfliche Themen. Die Euregio rühmt dabei das große „bürgerschaftliche Engagement“. Der Heimatverein erforscht seit seiner Gründung 1976 die Vergangenheit Dingdens und seiner Umgebung. Eine sehr besonderer Schwerpunkt ist das Humberghaus.

Der Heimatverein begann 2011 mit dessen Sanierung. Dabei wurden authentische Details aus der Wohn- und Nutzungsgeschichte des Hauses und der jüdischen Bewohner entdeckt, die heute als einmalig im Rheinland gelten. Bis 1941 wohnte und arbeitete in dem Haus die jüdische Familie Humberg. Sie war anerkannter Teil des Dorflebens, wurde aber Opfer der systematischen Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten. Die Entdeckung von authentischen Details jüdischen dörflichen Lebens führte dazu, dass der ursprüngliche Plan, das Haus als Erweiterung des benachbarten Heimathauses zu nutzen, aufgegeben wurde. Stattdessen wurde eine einmalige Gedenkstätte zur Geschichte des jüdischen Lebens in Dingden geschaffen. Seit Juni 2012 können Besucher diese entdecken. Das Humberghaus ist aber ausdrücklich kein Museum, sondern ein Ort der Erinnerung, des Nachdenkens und des Lernens, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereint sind.

„Von Anfang an war es Heinz Wolberg eine Herzensangelegenheit, dass die Besucher von der Vergangenheit lernen und das Prinzip der gemeinsamen Freiheit in den Vordergrund stellen“, heißt es bei der Euregio. So wurde unter anderem Kontakt mit den Niederlanden gesucht, etwa seit 2012   mit dem Onderduikmuseum in Aalten.

2013 gehörte Heinz Wolberg mit zu den engagierten Organisatoren, die einen besonderen euregionalen Tag in Dingden veranstalteten. Gemeinsam mit der Stadt Hamminkeln, dem Exodus Comité Huissen, der Gemeinde Lingewaard, der Euregio Rhein-Waal und zwei Niederländern, die in Dingden wohnhaft sind, organisierte der Heimatverein Aktionen für die Schüler der Hamminkelner Heinrich-Meyers-Realschule und dem Overbetuwe College aus Bemmel.

Im Jahr 2020 hat das Humberghaus gemeinsam mit dem Otto-Pankok-Haus in Hünxe-Drevenack und dem Onderduikmuseum erneut ein euregionales Schülerprojekt organisiert. Ergebnis waren nachhaltige Kontakte zwischen den Museen und den Schulen.