Pflanzaktion in Schermbeck 4000 neue Bäume für den Handball-Wald

Schermbeck · Etwa 80 Helfer haben sich an einer Pflanzaktion im Grenzgebiet zwischen Schermbeck und Drevenack beteiligt. Dort richtete der Orkan „Kyrill“ große Schäden an. Die Pflanzen sollen später Lebensräume bieten. Bis dahin ist aber noch viel zu tun.

 Im Grenzbereich zwischen Weselerwald und Drevenack beteiligten sich erwachsene und junge Mitglieder des SV Schermbeck an einer Pflanzaktion.

Im Grenzbereich zwischen Weselerwald und Drevenack beteiligten sich erwachsene und junge Mitglieder des SV Schermbeck an einer Pflanzaktion.

Foto: Helmut Scheffler

Thomas Friedmann strahlte. Der Leiter der Handballabteilung des SV Schermbeck war mit der Pflanzaktion am Samstag sehr zufrieden. „Mit einer solch großen Beteiligung hatten wir nicht gerechnet“, freute er sich über die etwa 80 Erwachsenen und Kinder, die zu einem Waldstück im Grenzbereich zwischen Drevenack und Schermbeck, etwa 500 Meter südlich des Otto-Pankok-Museums, kamen, um sich viele Stunden am Pflanzen für den Handball-Wald zu beteiligen.

Die fachliche Begleitung der Pflanzaktion übernahm der Schermbecker Revierförster Christoph Beemelmans als Mitarbeiter des Regionalverbandes Ruhr (RVR), dessen Eigenbetrieb Ruhr Grün sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat. Bis zur Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in der Metropole Ruhr im Jahr 2027 sollen fünf Millionen Bäume neu angepflanzt oder durch natürliche Verjüngung herangezogen werden (siehe Infobox). „Sport und Natur gehören eng zusammen“, begründete Friedmann die enge Zusammenarbeit zwischen der Handballabteilung und dem RVR beim Bemühen, stabile und gesunde Wälder als geschützte Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen.

Beemelmans hatte für die Pflanzaktion ein Waldstück ausgesucht, das durch den Jahrhundert-Orkan „Kyrill“ am 18. und 19. Januar 2007 starke Schäden erlitten hatte. Europaweit wurden damals etwa 75 Millionen Bäume umgerissen. Auch im Bereich des jetzigen Handball-Waldes hatte der Orkan starke Lücken im Baumbestand hinterlassen.

Die Pflanzaktion wurde von einem Ruhr-Grün-Arbeitsteam vorbereitet. Stefan Kalisch, Michael Rohlf, Luise Horstmann, Lasse Steinbring und Christoph Beemelmans entfernten im Vorfeld Reststücke abgestorbener Baumteile. Ein Tag vorher wurden dann Pflanzrillen mit einem Spaltpflug angelegt, die gleich eine doppelte Funktion übernahmen. Sie dienten als Orientierungslinien für die Anordnung der jungen Baumpflanzen und sammeln jetzt das Regenwasser, um es so an die Wurzelbereiche der neuen Pflanzen heranzuführen.

Bei der Auswahl der Baumarten hat der RVR die im Raum stehende rasante Veränderung des Klimas berücksichtigt. „Es wurden klimaresiliente Pflanzen ausgesucht“, berichtete Beemelmans und verwies auf Douglasien, Nordmanntannen, europäische Lärche, Weißdorn, Schwarzdorn und Kornelikirsche, die sich langfristig mit den erhalten gebliebenen Kiefern, Eichen, Buchen und Birken vermischen.

Um sicherzustellen, dass möglichst viele der insgesamt 4000 Pflanzen auch angehen, erklärte Beemelmans den Besuchern die einzelnen Schritte des Pflanzaktes. In Kleingruppen verteilten sich die Besucher auf verschiedene Pflanzrillen. Die Erwachsenen bohrten in Abständen von 1,70 bis 1,80 Metern mit motorisierten Erdbohrern etwa 40 bis 50 Zentimeter tiefe Pflanzlöcher. Darin wurden die jungen Pflanzen mit einer Hand so tief gehalten, dass nach dem Anfüllen die Erde bis zum Wurzelansatz reichte. Im Anschluss wurde die eingefüllte Erde mit den Füßen so verdichtet, dass sich die Pflanze bei einem normalen Kontrollzug nicht aus der Erde ziehen ließ. Ein Nachgießen war nicht erforderlich, weil vorher Regenfälle für ein feuchtes Erdreich gesorgt hatten.

Zu den Sponsoren der Aktion gehörten Anne Spengler und das Ingenieurbüro EnAplan, das Landhotel Voshövel, die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe (Nispa), der Pflegebetrieb Jung, die Rechtsanwälte Prüwer Proff Streller Schajor, die Steuerberatungsgesellschaft Rauhut Rottländer Ende, die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft, die Volksbank Schermbeck und ein unbekannter Spender. „Wir unterstützen Maßnahmen, die nachhaltig zur Verringerung von CO2 beitragen“, sagte Volksbank-Vorstandsmitglied Stefan Korte. Als Leiter des Nispa-Kunden-Centers nannte auch Tim Scholz die Nachhaltigkeit als Grund für die Förderung. „Wer diese Arbeit kennengelernt hat, der geht auch später sorgsam mit dem Wald um“, verwies Volksbank-Marketingchef Wolfgang Lensing auf einen Lerneffekt.

Die jungen Pflanzen erfordern noch viel Pflegeaufwand. Um einen Verbiss des Haupttriebes durch Hasen oder Rehe zu verhindern, wurden die Pflanzen mit einem Verbissschutzmittel behandelt. Im Herbst und im kommenden Frühjahr wird diese Schutzmaßnahme wiederholt. Bereits in diesem Sommer wird im Handball-Wald eine Pflegeaktion fällig; der stark wachsende Adlerfarn muss herausgeschnitten werden. Diese Maßnahme wird in den nächsten drei Jahren mehrfach wiederholt, um den jungen Bäumen den zum Wachstum erforderlichen Freiraum zu bewahren.