Vor der Europawahl: Bürger-Talk statt Parteiendebatte

Neue Wege in Hamminkeln : Bürger-Talk statt Parteiendebatte vor der Europawahl

In einer öffentlichen Veranstaltung am heutigen Dienstagabend in der Gesamtschule Hamminkeln berichten Menschen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen im geeinten Europa, Politiker stehen im Hintergrund. Dies ist mal etwas ganz anderes und ein erfrischender Ansatz im Vorfeld der Wahl in Deutschland am 26. Mai.

Zufrieden ist Hamminkelns CDU-Parteivorsitzender Norbert Neß keineswegs, wenn er die Slogans auf den christdemokratischen Plakaten zur Europawahl sieht. „Zu sehr Wohlfühlkampagne, zu wenig nah an den Menschen“, sagt er über die bei der Bundes-CDU erdachten Botschaften zur Europawahl. Da ist es schon sehr viel mehr nach seinem Geschmack, was die Parteien unter der Organisations-Federführung der Verwaltung ersonnen haben, um die Hamminkelner für Europa zu interessieren und möglichst zum Urnengang am 26. Mai zu animieren. Neß lobt Bürgermeister Bernd Romanski, was auch nicht alle Tage passiert. „Er hat uns beim CDU-Neujahrsempfang angesprochen und eine Idee mitgebracht, wie man mal anders über Europa debattieren kann“, sagt er.

Das „Mal anders“ findet am heutigen Dienstag ab 18.30 Uhr im Forum der Gesamtschule Hamminkeln, Diersfordter Straße, statt und ist mit „Hamminkeln sagt Ja zu Europa“ betitelt. Es handelt sich um den Gegenpol zur Parteiendebatte, denn es geht um Menschen und ihre Erfahrungen im geeinten Europa. „Wir erleben die längste Friedenszeit, die es je gegeben hat, und wir wollen, dass die Errungenschaften von Europa nicht einfach so hingenommen werden. Wir wollen die Vorteile bewusst machen und zur Wahl animieren, damit nicht die gewählt werden, die Europa abschaffen wollen“, sagen auch Johannes Flaswinkeln (Grüne) und Helmut Wisniewski (USD) aus dem Rat.

Das inhaltliche Ziel wäre damit genannt. Am heutigen Dienstagabend aber werden sie schweigen, denn bei der dreigeteilten Talkrunde unter der Moderation von Sebastian Falke (Radio KW) haben Menschen das Wort, die Europa praktisch erleben, die über seine Chancen und einigende Kraft jenseits von überbordender Bürokratie und dem gewaltigen Brüsseler/Straßburger EU-Apparat erzählen können.

In Talkrunde eins spricht Thomas Duvenbeck, Dingden-Bocholter Großspediteur, über das Thema „Europa und die Wirtschaft“. Der international agierende Logistiker hat einen großen Erfahrungsschatz. Anneliese Hecheltjen aus Brünen berichtet anschließend von den „Freundschaften“, wie sie sie als Gastgeberin bei der Partnerschaft mit dem englischen Sedgefield erlebt hat.

In Runde zwei berichtet einer über „Europa und Nachbarschaft“, der mit einem Schritt die niederländisch-deutsche Grenze von Bocholt-Suderwick nach Dinxerperlo überwinden kann: Anton Stapelkamp, Bürgermeister von Dinxerpelo/Aalten. Aktuell eingedeutschter Brite ist John Emery, ehemaliger Golf-Profi vom GC Weselerwald. Er kann sicher über die europäisch-britischen Konflikte und seine Sicht der Dinge berichten.

Wie selbstverständlich gehen offene Grenzen gewohnte junge Leute mit dem Thema Europa um? Im dritten Teil des Talks heißt es „Europa und die Zukunft“ mit Schülern und Lehrern im Gespräch. Sie werden dabei die besondere Partnerschaft mit dem polnischen Chmielno berücksichtigen. Das alles soll nicht nur Bewusstsein wecken, sondern auch das Interesse an der Europawahl. Denn nicht wählen zu gehen heißt, die Gegner Europas zu stärken, sind sich die politischen Unterstützer aus dem Rat einig.

Eine andere Frage ist es, welche Wahlbeteiligung wünschenswert und welche realistisch ist. „Alles unter 70 Prozent in Hamminkeln wäre schlecht“, sagt der Bürgermeister. Hoch gegriffen, aber nicht ganz so fern. Am 25. Mai 2014 gaben 59,49 Prozent der Hamminkelner ihre Stimme ab. Das war kreisweit top. Übrigens siegte die CDU in der Stadt mit 47,5 Prozent, die SPD lag bei 29,3 Prozent. Am Wahltag 2019 wird die jetzt zur Schau gestellte Parteienneutralität sicher weichen. Denn dann werden die neuen Ergebnisse auch als Standortbestimmung für kommende Wahlen angeschaut.