Wesel: Vor 50 Jahren war die Geburtsstunde des Auesees

Wesel: Vor 50 Jahren war die Geburtsstunde des Auesees

Ende Mai 1963 gab's den ersten Spatenstich für den See, der zum Erholungsgebiet wurde. Jollenhafen wird bald kommen.

Viele junge Leute und Neuweseler glauben oft, der Auesee sei schon immer da gewesen. Sozusagen ein Geschenk der Natur. Dem ist nicht so: Gerade mal 50 Jahre ist es her, dass die Weseler Kiesfirma Hülskens zum ersten Spatenstich ansetzte. Als Stadtdirektor Dr. Karl-Heinz Reuber am 29. Mai 1963 das Projekt öffentlich vorstellte, stand Hülskens auf den Flächen der früheren Ziegelei Block schon in den Startlöchern. Jochen Haß, mit 40 Jahren Betriebszugehörigkeit einer der Dienstältesten bei Hülskens, erinnert sich an ein halbes Dutzend Verträge, die im Laufe der Zeit mit der Stadt geschlossen wurden. Dabei stand von Anfang an fest, dass parallel zur Gewinnung von Kies und Sand die Entwicklung zu einem bis heute beispielhaften Gebiet auf der Tagesordnung zu stehen hatte. Refugium für Mensch und Natur sollte der Auesee werden. Dies ist, trotz oder vielleicht auch gerade wegen negativer Begleiterscheinungen, gelungen.

Aus den Anfangsjahren des Auesees stammt dieser Blick vom Kieswerk über den Flugplatz Römerwardt auf die Stadt. Der kriegszerstörte Dom (Mitte) hat in den 60ern noch sein flaches Turmdach-Provisorium. Lkw stehen Schlange, um Kies und Sand aus der frischen Grube aufzunehmen. Foto: archiv

Als "Kristallisationspunkt" bezeichnet Jörg Hüting, Mitglied der Hülskens-Geschäftsführung, den sogenannten Hallmann-Plan, der 2000 heiße Diskussionen über einen befürchteten Rummelplatz auslöste, zur Gründung der Bürgerinitiative zur Erhaltung der Rheinaue führte und bis heute vorsichtigen Umgang bestimmt. Aktuell versuchen die Weseler Seglervereine die Voraussetzungen für den Bau eines Jollenhafens zu schaffen. Der ist bei der Gestaltung des Sees bereits berücksichtigt worden. "Wir sind sieben Jahre dran. Die Planung steht jetzt", sagt Jos Vaes (Yacht-Club Wesel). Das Projekt, das Jugendlichen leichteren Zugang zum Trainingsrevier eröffnen soll, werde gerade in den Ratsfraktionen vorgestellt (siehe Text oben).

Heute wegen fehlender Absperrungen undenkbar: Während im Hintergrund noch Sand angeschüttet wird, erobern erste Badegäste den Strand. Foto: NN

Rudern, Paddeln, Segeln, Surfen, Baden, Angeln, Tauchen, Natur- und Artenschutz: All das ist bislang gut unter einen Hut gebracht worden. 200 Hektar groß war der See in größter Auskiesungsstufe. Nach Gestaltung der Uferbereiche mit Flachwasserzonen misst die Wasserfläche heute immer noch beeindruckende 165 Hektar.

Decke an Decke und Schirm an Schirm: Von Beginn an zieht der Auesee an heißen Tagen die Massen an. In der Aue herrscht dann regelmäßig ein Verkehrschaos. Foto: Fischer, Armin

Wie das Stadtarchiv in einer Zusammenfassung der nun 50-jährigen Seegeschichte feststellt, war ursprünglich vorgesehen, den Kies 20 Jahre lang auf einer Fläche von 110 Hektar abzubauen. Die Abbauzeit wurde verlängert und endete erst 1993. Der Badestrand sollte 1967 fertig sein, doch provisorisch eröffnet wurde er erst 1970. Seitdem zieht Wesels "Costa Nixa" an heißen Tagen regelmäßig die Massen an. Wenn die Aue am Verkehrschaos zu ersticken droht, wird weiträumig abgesperrt. Das führt naturgemäß zu hitzigen Diskussionen mit denjenigen, denen die Zufahrt verweigert wird.

Stilles Genießen am Abend: Viele lieben gerade die ruhigen Momente am Ufer und schauen Ruderern beim Training zu. Foto: Malz, Ekkehart (ema)
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Ab 1971 wurde der Auesee als Ruderregattastrecke bundesweit bekannt, zog auch internationale Gäste an. Segelregatten werden bis heute veranstaltet. Außerdem fahren hier Drachenboote um die Wette, in diesem Jahr bereichert um das Entenrennen des Lions Clubs.

Der Bereich am Hundeauslauf (li.) ist der seit Jahren vorgesehene Platz für einen Jollenhafen. Die Stadt hat ihn aber als Schutzfläche gemeldet – warum auch immer. Der Tauchereinstieg Richtung Flüren gilt als Alternative. Foto: malz

1980 konnte der Rundwanderweg der Öffentlichkeit übergeben werden. Er dient Spaziergängern ebenso wie Langstrecklern, ist heute für etliche Laufwettbewerbe unverzichtbar. Ein Schmuckkästchen ist das Auestadion.

Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Manchmal kommen sich unterschiedliche Seenutzer in die Quere. Jörg Hüting erinnert sich daran, dass mal Nachtangler von Nachttauchern gestört wurden. Das sei aber alles gelöst worden, sagt Hüting, der den Arbeitskreis Aue vermisst: "Das war ein gutes Instrument." Auch ist der Auesee, was kaum einer weiß, ein Jagdrevier. Verträglich gelöst wurde dies mit einer Beizjagd. Bei der werden statt Schusswaffen Greifvögel eingesetzt. Apropos Vögel: Brutflöße für Flussseeschwalben gehören zu den Attraktionen des Sees.

(RP/ac)
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