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Wesel: Vor 50 Jahren: Boland rettet Boland

Wesel : Vor 50 Jahren: Boland rettet Boland

Gestern war für den Lackhausener Heinz Boland (74) ein besonderer Tag: Am 26. Dezember 1962 brach er in Mehr beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein. Sein Lebensretter hieß ebenfalls Boland – Norbert Boland (72) aus Mehrhoog.

Heinz Boland (74) aus Lackhausen feiert zweimal im Jahr Geburtstag. Seinen "echten" am 20. Dezember und wenige Tage später seinen "gefühlten". Denn am 26. Dezember 1962 brach der junge Landwirt beim Schlittschuhlaufen auf der Langen Renne im Grenzgebiet zwischen Mehrhoog und Mehr ins Eis ein. Dass er letztlich unverletzt an Leib und Seele der lebensgefährlichen Situation entkommen konnte, hat er einem Mann zu verdanken, der – was für ein Zufall – ebenfalls Boland heißt. Norbert Boland aus Mehrhoog. Am 50. Jahrestag der spektakulären Rettungsaktion trifft die RP die beiden nicht miteinander verwandten und verschwägerten Herren an der Stelle, an der das Unglück geschah.

Rückblende: Zusammen mit einem Freund macht sich Heinz Boland am knackig kalten zweiten Weihnachtsfeiertag 1962 im VW Käfer auf den Weg von Dinslaken-Hiesfeld zur Langen Renne. Denn das zugefrorene Gewässer, das wissen die beiden seit ihrem ersten Besuch Anfang des Monats, ist ein wahres Eislaufparadies. Heinz Boland scheut den Rummel, fährt lieber ein wenig abseits der Masse. Dann schlittert er über eine Stelle mit einer leicht aufgerauten Eisdecke – und bricht ein. "Mein Glück war es, dass ich sofort wieder aufgetaucht bin und mich mit einem Arm auf dem Eis abstützten konnte", erinnert sich der Nichtschwimmer.

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Seine Hilferufe hört August Schepersmann, der wiederum um Hilfe ruft. Norbert Boland, der kurz zuvor mit seiner Verlobten Margret, die er 14 Tage später heiraten wird, die Eisfläche verlassen hat, um sich bei seiner künftigen Schwiegermutter im Gasthaus "Zum reisenden Mann" aufzuwärmen, springt auf. Auf Socken rennt der erfolgreiche Leichtathlet zur Renne. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, legt er sich auf die fragile Eisdecke, robbt auf den unglücklich Eingebrochenen zu und hält ihm einen Hockeyschläger hin, den ihm einer der vielen Schaulustigen aus sicherer Entfernung zugeworfen hat. Norbert Bolands Verlobte und deren Tante sind mittlerweile ebenfalls zum Ufer geeilt, um eine Leiter aufs Eis zu schieben, an der sich der Retter mit einer Hand festhält. Schließlich gelingt es ihm, den Unbekannten aus dem Eisloch zu ziehen. Angst um sein Leben und auch die Kälte, sagt Heinz Boland, habe er während der Aktion nicht gespürt. "Aber wie in einem Film sind Bilder meines Lebens vor meinem geistigen Auge vorbeigerauscht."

Auf dem Weg in den Heizungskeller des "Reisenden Mannes" machen sich der Gerettete und sein Retter miteinander bekannt und können es kaum fassen, dass sie den gleichen Nachnamen haben.

Am Abend fährt Heinz Boland zum zweiten Mal an diesem Tag von Hiesfeld nach Mehr, um sich bei seinem Lebensretter herzlich zu bedanken, ein Geschenk zu überreichen und ihm die geliehenen Kleidungsstücke zurückzugeben. "Für mich war das keine Frage, dass ich Herrn Boland helfen musste", sagt Norbert Boland bescheiden und stößt mit ihm im "Reisenden Mann" auf die erfolgreiche und unvergessliche Rettungsaktion vor 50 Jahren an.

(RP)