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Vor 150 Jahren: Wesel im Deutsch-Französischen Krieg

Ein Keim für die Weltkriege : Vor 150 Jahren: Wesel im Deutsch-Französischen Krieg

Als am 18. Januar 1871 Wilhelm I. in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen wurde und ab dem 28. Januar die Waffen schwiegen, war die Garnisonsstadt am Rhein voller Kriegsgefangener.

Während der Erste Weltkrieg heute gemeinhin als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird, die unweigerlich zum zweiten, noch schlimmeren Massensterben ab 1939 führen musste, so ist für Tobias Arand der deutsche Sieg von 1870/71 bereits der Keim für 1914/18. Der Historiker, der am Andreas-Vesalius-Gymnasium Wesel Abitur machte, hat sich intensiv mit dem Deutsch-Französischen Krieg befasst, der in der Reichsgründung und symbolträchtigen Ausrufung Wilhelms I. zum deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles gipfelte. Die Waffen schwiegen zumindest gebietsweise ab dem 28. Januar. Das ist nun genau 150 Jahre her. Ein endgültiger Friedensvertrag folgte am 10. Mai. Arand hat zu den Ereignissen 2018 das beachtete Werk „1870/71. Die Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erzählt in Einzelschicksalen“ vorgelegt. Und er hat für einen Sammelband die Garnison Wesel als Fallbeispiel des Geschehens im Rheinland genommen, das wir auszugsweise wiedergeben:


In Wesel stationierte Regimenter Der Krieg betraf Wesel zunächst in doppelter Weise. Zum einen waren in Wesel zwei Regimenter stationiert, mit denen die Einwohner zusammenlebten, Handel trieben und gesellschaftlichen Umgang pflegten. Zum anderen wurden wie in allen deutschen Ländern auch in Wesel Söhne der Stadt zu den Waffen gerufen. Zum Teil dienten diese Weseler auch in den dort stationierten Regimentern. In Wesel stationiert waren bei Kriegsbeginn die 1. Fuß-Abteilung und die Reitende Abteilung des Westfälischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 7 (FAR 7) und das 5. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 53 (IR 53). Vom IR 53 befanden sich das I. und II. Bataillon in Wesel, das Füsilierbataillon lag in Kleve. Die Männer des IR 53 waren teils kaserniert, teils in Privatquartieren untergebracht. Das 8. Westfälische Infanterieregiment Nr. 57 (IR 57), eigentlich ebenfalls in Wesel stationiert, befand sich bei Kriegsausbruch in Hannover. 1866 hatte das IR 53 den Platz des IR 57 eingenommen. Das IR 57 kehrte erst im Zuge der Demobilisierung und damit nach den Kampfhandlungen in seine eigentliche Garnison Wesel zurück, wo es bei der Bewachung der Kriegsgefangenenlager und bei deren Auflösung im Sommer 1871 half. Das IR 53 hingegen wechselte 1871 nach Münster und Paderborn. Das FAR 7 nutzte südlich von Wesel die „Spellner Haide“, das heutige Friedrichsfeld, für Schießübungen. [...] In den Juliwochen vor Ausbruch der Kämpfe Anfang August war das ganze Rheinland [...] Durchmarschgebiet [...] Die Artilleristen des FAR 7 zogen mit Gerät, Munition und Pferden am 25. Juli 1870 mit der Eisenbahn von Wesel über Oberhausen-Rheinhausen nach Aachen, wo sie am 26. Juli ankamen. [...] Das Regiment nahm direkt bei Kriegsbeginn an den großen Schlachten von Spichern (6. August 1870), Colombey-Nouilly (14. August 1870) und Gravelotte-St. Privat (18. August 1870) teil. Das Regiment hatte allein 111 Tote zu beklagen, die entweder direkt gefallen, später ihren Verwundungen oder Krankheiten erlegen sind. Auf die Rheinprovinz entfielen dabei 51 Tote allein aus diesem Regiment. Das IR 53 kämpfte ebenfalls bei Spichern, Colombey-Nouilly und Gravelotte-St. Privat. Die Verluste beliefen sich auf 115 Tote und 335 Verwundete. Fast alle Toten und Verwundeten des Regiments waren Westfalen oder Rheinländer.

 Johann Kaspar Demuth, Invalide von 1870/71 und später langjähriger Wächter des Schill-Denkmals
Johann Kaspar Demuth, Invalide von 1870/71 und später langjähriger Wächter des Schill-Denkmals Foto: RPW


Tote und Verwundete aus Wesel Allein für den Monat August 1870 verzeichnen die Verlustlisten und weitere Verzeichnisse 54 Namen getöteter, verwunderter oder vermisster Weseler Männer bzw. in Wesel wohnhafter Männer. Die meisten Opfer aus Wesel hatte mit 17 Mann das IR 53. In den folgenden Monaten bis zum Waffenstillstand Ende Januar 1871 folgten noch zahlreiche weitere Weseler, die getötet oder verwundet wurden. Ein Weseler Bürger starb [...] einen Tag nach Unterzeichnung des vorläufigen Waffenstillstands von Paris. Im Kampfgebiet westlich der Schweizer Grenze galt der Waffenstillstand zunächst nicht, was Hermann Heinrich Nebel vom IR 53 am 29. Januar 1871 zum Verhängnis wurde, als er im Gefecht bei Chaffois von einer Kugel tödlich in den Kopf getroffen wurde. Ein Verzeichnis [...], das allerdings nur gebürtige Weseler aufgenommen hat, nennt 36 Tote des Krieges.


Der Krieg in der Stadt Wesel Doch bevor der Krieg losbrach, war auch in Wesel die Julikrise wichtigstes Thema der Lokalpresse. Ganz wie die große Presse in Berlin berichtete die Weseler Lokalzeitung „Der Sprecher“ einseitig und antifranzösisch. Kurz vor der französischen Kriegserklärung titelte die Zeitung „Große Aufregung und Kriegsdrohung in Paris – große Kühle und Ruhe in Preußen“. Am Tag der Pariser Kriegserklärung vom 19. Juli zierte ein patriotisches Gedicht des bergischen Dichters Emil Ritterhaus das Titelblatt des „Sprechers“, dessen letzte Verse lauteten: „Doch muß es sein – des Blutes letzter Tropfen/Für unser liebes, deutsches Vaterland.“ [...] Der Mobilmachungsordre vom 16. Juli folgten auch in Wesel Freiwillige, die meisten wurden jedoch einfach einberufen. So wurden drei Lehrer und sechs Abiturienten des Gymnasiums und der Höheren Bürgerschule eingezogen, drei Abiturienten meldeten sich freiwillig. Die Abiturprüfungen mussten für die neun Schüler vorgezogen werden: „Alle Abiturienten wurden für reif erklärt, sofort entlassen und standen wenige Tage später fast sämmtlich in Reih und Glied.“ Dazu meldeten sich noch „3 Unterprimaner, 2 Gymnasial- und 2 Realsecundanten“ zu den Waffen. Voller Stolz berichtet die Schulchronik: „Die Zurückgebliebenen bethätigten ihren patriotischen Sinn dadurch, dass sie Samstag den 30. Juli Nachmittags und den folgenden Montag an den Befestigungswerken halfen.“ Weitere Schüler halfen nach dem Unterricht bei der Freiwilligen Feuerwehr aus und ersetzen so die eingezogenen Wehrpflichtigen. Alle Schüler des Gymnasiums überlebten den Krieg. Während der Tage der Mobilmachung musste die Stadt kurzzeitig über 3000 zusätzliche Soldaten und 350 Pferde unterbringen und verpflegen. In der Stadt wurde neben dem Reservelazarett auch private und städtische Krankenpflege organisiert. Gemeinsam mit dem Reservelazarett, das 100 Betten für Verwundete und Erkrankte vorhielt, boten Krankenhaus und private Pflegeeinrichtungen 450 Betten für Kriegsopfer an. Der „Vaterländische Frauen-Verein“ sammelte Material für Lazarette, kümmerte sich am Bahnhof um Erfrischungen für ankommende Verwundete und richtete von Februar bis Mai 1871 ein Invalidenhaus ein. Der Frauen-Verein sammelte vor allem Sachspenden und Geld, mit dem neben vielen anderen Dingen „160 Matrazen, [...] 110 Decken, [...]1000 Stück Cigarren“ für Verwundete gekauft werden konnten. Weiteres ziviles Engagement entwickelten das „Comité für directe Zusendung von Liebesgaben an ausgerückte Weseler Krieger“, die „Speiseanstalt für Soldaten und Frauen einberufener Landwehrmänner“, das „Comité für Bewirthung der rückkehrenden Landwehr, so wie der Begleitmannschaften von Kriegsgefangenen-Transporten“, und der „Local-Verein für im Felde verwundete und erkrankte Krieger“. [...] Als am 7. August die Nachricht vom Sieg in der Schlacht von Weißenburg in der Stadt die Runde machte, gab es eine spontane Feier im Gymnasium und am Nachmittag zog ein Schülerumzug mit „Fahne und Trommeln durch die beflaggte Stadt in den Diersforter Wald“ wo es „Spiel und Gesang“ gab. Nach dem Sieg von Wörth wurde „Victoria geschossen“ und bengalische Feuer erleuchteten die Stadt. Am Tag des Falls von Metz läuteten die Kirchenglocken [...].


Die Kriegsgefangenen Die Zehntausende französischer Kämpfer, die nach der Schlacht von Sedan in Gefangenschaft gehen mussten, wurden im ganzen Gebiet der deutschen Länder verteilt. Besonders viele kamen ins Rheinland. [...] Die ersten Gefangenen kamen am 9. September in Wesel an. Bis Ende November wurden die Gefangenen auf der nördlich der Stadt gelegenen Römerwardt, „[…] einem am Rheinufer gelegenen Wiesengrunde […]“ in einem Zeltlager untergebracht. Offiziere bekamen allerdings dem Comment der Zeit entsprechend Privatunterkünfte ohne Bewachung auf Ehrenwort zugewiesen. Die Ankunft tausender Franzosen zog so viele Schaulustige auch aus Nachbarstädten an. [...] Die Lokalpresse berichtete erstaunt: „[…] eine Franzosenstadt mit 4000 Einwohnern ist plötzlich entstanden.“ Vom weiteren Verlauf der Gefangenenunterbringung für einfache Soldaten in Wesel berichtet der mehrbändige „Sanitäts-Bericht der Deutschen Heere im Kriege gegen Frankreich 1870/71“: „Als mittlerweile die Menge der Gefangenen die Zahl 18.000 überschritten hatte, wurden zwei große Barackenlager erbaut und dieselben gleichzeitig mit Lazaretheinrichtungen versehen.“ [...] Eines dieser Barackenlager aus massiven Holzhütten befand sich auf der Büdericher Insel, „20 Minuten südlich von Wesel“ und bot 10.000 Mann Platz. Das andere Lager wurde auf dem „Spellner Schießfeld“ (Friedrichsfeld) errichtet. In Friedrichsfeld wurden in kurzer Zeit, „[…] theils in einem provisorischen, theils in einem für bleibenden Gebrauch bestimmten Barackenkomplex Räume für nahezu 10.000 Kriegsgefangene geschaffen […].“ Die dauerhaften Baracken in Friedrichsfeld wurden aus Fachwerk und Backsteinen errichtet, die provisorischen wie jene auf der Büdericher Insel aus Holz. Fachwerk- und Holzbaracken waren räumlich getrennt und boten je 5000 Mann Platz. Einen präzisen Bericht über die Zustände in den Lagern gibt neben dem Sanitäts-Bericht die „Deutsche Militairärztliche Zeitschrift“ des Jahres 1872. Sie berichtet u.a., dass den Gefangenen dreimal täglich warme Kost verabreicht wurde, die Franzosen das deutsche Brot jedoch nicht essen wollten und ihnen deshalb noch zusätzlich Weißbrot gebacken wurde, das den „Prisonniers“ aber auch nicht zusagte. […] Weiterhin berichtet die Militair­ärztliche Zeitschrift, dass jedem Gefangenen ein Strohsack, Strohsackkissen, ein Handtuch sowie 2 Wolldecken übergeben wurden. Dazu erhielten die Gefangenen „aus den Ersparnissen“ Annehmlichkeiten wie Seife, Kämme, Zigarren, Tabak und Wein. Jede permanente Lagerbaracke fasste 150 bis 300, jede Holzbaracke 500 Mann. Nach Fertigstellung der Lager auf der Büdericher Insel und in Friedrichsfeld wurde das Lager auf der Römerwardt aufgelöst und die Gefangenen wurden in die winterfesten Barackenlager überführt. Eine 500 Mann umfassende Gruppe gefangener „Turcos“, französische Kolonialsoldaten aus Nordafrika, wurde nicht in den Barackenlagern, sondern in den Kasematten der Festungszitadelle untergebracht. [...]

Ihren Höhepunkt erreichten die Gefangenenzahlen am 19. Dezember 1870, als 18.279 Mann, davon 5000 Mann Gefangene aus Sedan, der Rest aus Metz, in Wesel bewacht wurden. Damit befanden sich in Wesel fast so viele Kriegsgefangene wie Einwohner. Da sich auch in Wesel viele Männer im Krieg befanden und daher Arbeitskräftemangel herrschte, war die Mitarbeit französischer Kriegsgefangener in der lokalen Wirtschaft willkommen. So arbeiten z. B. Franzosen in der Klavierfabrik von Gerhard Adam. 2400 Gefangene halfen auf diese Weise freiwillig in Fabriken mit und erhielten dafür eine tägliche Zulage von vier Silbergroschen. Andere [...] wurden unter Zwang zu Erdarbeiten an der Festung herangezogen. Die Infrastruktur der Lager berücksichtige alle Bedürfnisse [...]. Es gab Seelsorge und sogar einen Postdienst. So kümmerten sich um das geistliche Wohl der Gefangenen die Garnisonsprediger beider christlichen Konfessionen und die eigene Lagerpoststelle hatte allein an den Weihnachtstagen 18.000 Postsendungen zu verarbeiten. Jüdische Franzosen wurden von einem Rabbiner aus Köln im Lager auf der Büdericher Insel besucht und konnten anschließend einen auf Französisch und Hebräisch gehaltenen Gottesdienst in der Weseler Synagoge besuchen. Sogar Damen aus Frankreich konnten zum „Besuch ihrer Männer oder Geliebten“ in die Lager kommen, wie die Lokalpresse im Dezember leicht süffisant berichtete. [...] Die Lager wurden ab 1871 sukzessive ausgelöst und die Gefangenen bis Juli repatriiert. [...]


Versorgung von Verwundeten und Erkrankten Doch nicht nur Eisenbahnwagen mit Gefangenen kamen in Wesel an. Sanitätszüge brachten Verwundete und Erkrankte von den französischen Schlachtfeldern nach Wesel am Rhein. Unter diesen Verwundeten waren Franzosen wie Deutsche. Die medizinische Versorgung dieser angelieferten Männer und der in den Gefangenenlagern erkrankten Franzosen erfolgte an drei Standorten. Das Reservelazarett befand sich auf der Esplanade der Festung. Erkrankte des Gefangenenlagers Römerwardt wurden wie ihre deutschen Kameraden im Reservelazarett oder den schon genannten zivilen Einrichtungen behandelt, Verstorbene wurden auf dem Militärfriedhof der Garnison in der Stadt beigesetzt. Das Reservelazarett wurde noch durch zwölf Holzbaracken zu zwölf Betten, eine Baracke zu 20 Betten und eine weitere Baracke zu 36 Betten erweitert. [...] Ein weiteres Lazarett wurde beim neuen Gefangenenlager auf der Büdericher Insel eingerichtet. Es entstanden sieben Lazarettbaracken für insgesamt 500 Kranke: [...] Dazu kamen noch Verwaltungsbaracken, Küchenbaracken, Waschhaus, Leichenhaus, acht Latrinen und Brunnen. [...] Verwundete oder Erkrankte, die in dem Lager starben, wurden auf der Büdericher Insel und im Fort Blücher auf der anderen Rheinseite bestattet. Die beiden Friedhöfe sind heute nicht mehr genau lokalisierbar, ein letzter Nachweis ihrer Pflege durch die Garnisonsverwaltung ist für das Jahr 1919 nachweisbar.

Nach dem Abzug des Militärs aus Wesel 1920 in Folge der Bestimmungen des Versailler Vertrags gerieten die Friedhöfe wohl in Vergessenheit. Das dritte Krankenlager entstand schließlich in Friedrichsfeld, einige Hundert Meter vom Gefangenenlager entfernt. In 15 Krankenbaracken konnten 500 Kranke versorgt werden. Auffällig für dieses Lager war eine große Zahl von Erkrankten, die an der Ruhr litten. [...] Insgesamt wurden 7876 Gefangene in den Lazaretten behandelt, von denen 723 Mann verstarben. Die 248 Toten aus Friedrichsfeld wurden auf dem sogenannten Franzosenfriedhof beerdigt, der noch heute erhalten ist. [...]

Invalidität und Hinterbliebenenversorgung Wer den Krieg überlebte, war oft körperlich und seelisch gezeichnet. [...] Der aus Wesel stammende Unteroffizier Friedrich Wilhelm Gustav Brandt vom IR 53, der einen am 6. August 1870 bei Spichern erlittenen Schuss ins Gesicht überlebte, war fortan nicht mehr arbeitsfähig. [...] Ob ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse, das er für seinen Kriegsdienst erhielt, darüber hinweghelfen konnte, bleibt ungewiss. Gewiss ist aber, dass er zu jenen 45.000 Invaliden allein in Preußen zählte, deren soziale Lage durch den Krieg prekär geworden war. [...] Brandt war jedenfalls ab Oktober 1871 auf das „monatliche Gnaden-Gehalt“ aus der Weseler Stadtkasse angewiesen. Insgesamt erhielten im Sommer 1871 38 Invaliden Unterstützung aus städtischen Mitteln. Ebenfalls Almosen aus der Stadtkasse erhielt zunächst der ehemalige Musketier Johann Kaspar Demuth vom Ersatzbataillon des IR 53. Er hatte [...] das Glück, einer invalidengerechten leichten Arbeit nachgehen zu können, die zusätzlich noch mit Prestige und Bekanntheit [...] einherging. Er war langjähriger Wächter des Denkmals, das 1835 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels zum Gedenken an die Erschießung der elf Schillschen Offiziere auf den Lippewiesen errichtet wurde. Auf vielen Postkarten [...] ist Demuth zu sehen, der immer in Uniformrock, mit Säbel, Gehstock, angelegten Kriegsauszeichnungen und Gedenkmedaillen seinen Dienst verrichtete. Angeblich soll er dabei „feurig-patriotische Erläuterungen zur Geschichte und zum Schicksal der elf Offiziere und zum Schill-Denkmal“ gegeben haben. [...] Johann Bongers vom Westfälischen Jägerbataillon Nr. 7 [...] hinterließ in Wesel seine Frau Antonia und seine fast einjährige Tochter Johanna. Die Stadt prüfte den Antrag der Witwe auf Waisengeld genau und kam zu dem Schluss, dass „[…] das Kind des Bongers […] arm“ sei, „[…] weil die Eltern kein Vermögen besitzen u. nur von ihrem Verdienst leben […].“ Da Antonia Bongers als „der Unterstützung in hohem Grade würdig“ beurteilt und eine Unterstützung als „dringend nothwendig“ eingeschätzt wurde, erhielt sie die erhofften monatlichen Zusatzgelder. Wie der Witwe Bongers erging vielen anderen Weseler Familien.

(fws)