Wesel: Vom Tanzcafé zum Restaurant

Wesel: Vom Tanzcafé zum Restaurant

Vor 25 Jahren haben Jutta und Ullrich Langhoff das Lippeschlößchen übernommen und aus dem Tanzcafé ein Ausflugs-Restaurant gemacht. Beide sind überzeugt, dass die neue Lippeaue zusätzliche Gäste lockt.

Noch immer kommt es vor, dass Gäste Ullrich Langhoff fragen, wann denn im Lippeschlößchen Tanztee sei. "So etwas gibt es bei uns schon lange nicht mehr", sagt der Chef des gastlichen Hauses, das von Samstag bis Karfreitag 25-jähriges Bestehen feiert (siehe Info) und in den 60er und 70er Jahren als Tanzlokal über die Grenzen von NRW hinaus bekannt war.

Das Lippeschlößchen selber gibt es natürlich schon sehr viel länger. Ullrich Langhoff und dessen Frau Jutta haben recherchiert und herausgefunden, dass der Grundstein des Hauses um 1640 gelegt wurde. "Das war wirklich mal ein Schlösschen und diente dem Fort Blücher als Offizierskasino", erzählt Jutta Langhoff. Spätestens um das Jahr 1900 muss das "Schlößchen" mit Festsaal und Voliere schon als Restaurant für jedermann gedient haben. "Wer damals in Wesel etwas auf sich gehalten hat", sagt Ullrich Langhoff, "der kam sonntags mit Kind und Kegel zum Lippeschlößchen."

Im Krieg völlig zerstört

Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, baute die Familie Kampen 1957 die Ruine als Gaststätte wieder auf. Wenige Jahre später übernahmen die Eheleute Anni und Hans Holtschlag das Lippeschlößchen und eröffneten in ihm ein Tanzlokal von überregionaler Bedeutung. Selbst aus den Niederlanden seien die Gäste mittwochs und an den Wochenenden Richtung Voerde gepilgert, heißt es. Bis zur kommunalen Neuordnung 1975 gehörte Lippedorf und damit auch das Lippeschlößchen noch nicht zu Wesel.

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Anfang der 80er Jahre wurde der Mietvertrag mit den Holtschlags nicht verlängert. Stattdessen, so erzählt Ullrich Langhoff, "hat die Eigentümerin mit wechselnden Pächtern ihr Glück versucht". Letztlich erfolglos.

Mehr als ein Jahr stand das Haus leer, als Ullrich Langhoff Mitte 1985 erfuhr, dass die Sparkasse Dinslaken/Voerde das Objekt vermieten wolle. Der aus Walsum stammende Hotelmanager und seine Frau Jutta nutzten die Chance und machten sich in dem komplett sanierten Objekt selbstständig – zusammen mit den beiden Köchen Anke und Horst Rahden, mit denen sie zuvor viele Jahre in Bad Schwartau zusammengearbeitet hatten. Den Eröffnungstag werden die Langhoffs nie vergessen: "Wir hatten auf der Karte Königinnen Pastetchen und bemerkten beim Eintreffen des ersten Gastes, dass wir vergessen hatten, die Blätterteig-Pastetchen selbst zu backen", erinnert sich Jutta Langhoff. Ein Bäckermeister half ihnen damals aus der Patsche.

1994 gingen die Eheleute Rahden zurück in ihre nordische Heimat nach Bremerhaven. Gleichzeitig erwarb die Großfamilie Langhoff – alle vier Brüder sind in der Gastronomie tätig – das Lippeschlößchen, für das Ullrich und Jutta Langhoff nach wie vor Pacht zahlen.

Mit ihrer klassischen Küche, die auf regionalen (Bio-)Zutaten basiert, haben sich die Langhoffs und ihr Team (unter anderem drei Köche und drei Lehrlinge) in der Region einen guten Ruf und viele Stammkunden erarbeitet. Deren Zahl, davon sind sie überzeugt, wird schon bald durch die neue Lippeaue weiter steigen.

(RP)
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