Wesel Volles Haus bei FDP-Star Lindner

Wesel · Wesels FDP-Parteichef kündigte den liberalen Star aus Düsseldorf selbstbewusst an: "Der Oppositionsführer im Landtag ist zum wiederholten Mal in Wesel." Beifall brandete auf im vollen Saal Schepers, denn Christian Lindner ist Zugpferd für die relativ kleine Weseler FDP.

 Hoher Besuch: (v.l.) Fraktionschef Friedrich Eifert, Landes-Parteivorsitzender Christian Lindner, Klaus Lantermann (50 Jahre FDP) und Parteichef Bernd Reuther.

Hoher Besuch: (v.l.) Fraktionschef Friedrich Eifert, Landes-Parteivorsitzender Christian Lindner, Klaus Lantermann (50 Jahre FDP) und Parteichef Bernd Reuther.

Foto: Malz, Ekkehart

So waren neben vielen FDP-Sympathisanten Parteimitglieder von CDU und SPD gekommen — auch um Klaus Lantermann, früheres Landtags-, Kreistags- und Ratsmitglied sowie Ex-Stadtwerke-Geschäftsführer für 50 Jahre Parteimitgliedschaft zu ehren. Dem 79-Jährigen bescheinigte Lindner frei nach Otto Graf Lambsdorff, dass die FDP im jahrzehntelangen Auf und Ab "nichts für schwache Nerven ist".

"Die starken Nerven bekommt man durch die FDP", antwortete der Jubilar schlagfertig, bevor er in seiner Antwortrede dem Jungstar politische Gedanken mit auf den Weg gab.

Lindner selbst schlüpfte erwartungsgemäß in die Rolle des gewieften Rhetorikers, schnappte sich in freier Rede das Mikrofon und zeigte zwischen angriffslustig und sachlich gut munitioniert, was er drauf hat. Er bezieht Positionen, vermittelt Profil und bewegt sich sprachlich geschliffen von Thema zu Thema. In einer guten Stunde Redezeit kommt keine Langeweile auf — auch weil abgenutzte Textbausteine nicht seine Sache sind.

Der Fraktions- und Parteichef bekundete Respekt vor dem Wahlsieg von Rot-Grün, doch die übermächtige Koalition werde ihrem Anspruch nicht gerecht. Ministerpräsident Hannelore Krafts kürzliche Regierungserklärung hält er für dünn. "Da hat die Bedienungsanleitung für die neuen Plenarstühle im Landtag mehr Gehalt", zockte er verbal hoch. Will sagen: Kraft präsentierte einen "politischen Bauchladen von Progrämmchen".

Lindner geißelte die hohe Verschuldung NRWs von 4,6 Milliarden trotz Rekordeinnahmen. Seine These: "Der Staat macht sich durch Kreditbedarf immer abhängiger vom Bankensektor, dem NRW so gerne Fesseln anlegen will." Der FDP-Mann rät zu "Bescheidenheit, dann kann sich der Staat von der Überschuldung befreien". Anderes Thema: Für eine gerechtere Gesellschaft sei mehr Bildung nötig.

Doch statt mehr Qualität zu wollen, sehe man nun die "Privilegierung gewisser Schulformen" (Gesamt- und Sekundarschule) zulasten des am meisten beliebten Gymnasiums. Lindner lobt den Ansatz der Inklusion, es werde aber zu selten auf die "Praktiker in den Schulen gehört". Noch das Thema Mittelstand — viel Beifall für den Polit-Star.

(RP/rl)
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