1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Volkstrauertag in Schermbeck: Erinnern an die Gräueltaten von gestern

Volkstrauertag in Schermbeck : Erinnern an die Gräueltaten von gestern

Am Sonntag fanden in der Gemeinde Schermbeck gleich mehrere Gedenkfeiern zum Volkstrauertag statt. Der Bürgermeister und seine Stellvertreter hielten emotionale Reden. Was sie sagten und wie die Veranstaltungen abliefen.

An mehreren Ehrenmalen haben sich am Sonntagvormittag Bürger an Gedenkfeiern zum Volkstrauertag beteiligt. Besonders viele waren in Gahlen. Nach dem Gottesdienst in der Dorfkirche versammelten sich mehr als 100 Gahlener am Ehrenmal. Mitglieder der Feuerwehr, des Schützenvereins, des Männergesangvereins Gahlen-Dorf, des Heimatvereins, der Junggesellenvereine und des Reitervereins Lippe-Bruch Gahlen standen im weiten Rund, als der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Stiemer seine Gedenkrede hielt: „Der Volkstrauertag ist ein Tag der Trauer und Mahnungen, aber auch der Hoffnung auf Frieden und Versöhnung“. Dar Tag sei älter als die Bundesrepublik Deutschland. „Wir müssen uns unentwegt dafür stark machen“, so Stiemer, „dass Hass, Rassismus und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft nichts zu suchen haben.“

Die musikalische Untermalung fiel recht unterschiedlich aus. Am Altschermbecker Ehrenmal umrahmten die Blaskapelle Einklang und der Kirchenchor Cäcilia die Rede des Bürgermeisters Mike Rexforth, die sich im ersten Teil mit dem Text befasste, den Reinhold Beckmann am Vormittag im Deutschen Bundestag mit seiner Band sang. An den Ehrenmalen in Schermbeck und Bricht entfiel der Auftritt des Männergesangvereins Eintracht. Der Gemeindemitarbeiter Berthold Schmeing spielte Beckmanns Lied, um den Zuschauern der Feuerwehr und der Kiliangilde am Schermbecker Ehrenmal und eine halbe Stunde später den Feuerwehrleuten und den Brichter Schützen eine Volkstrauertag-Stimmung zu vermitteln.

  • So wie hier auf dem Ehrenfriedhof
    Volkstrauertag in Wesel, Hamminkeln und Schermbeck : Zahlreiche Gedenkenfeiern für Opfer von Krieg und Gewalt
  • Am Sonntag gibt es auf den
    Auf den Friedhöfen in Dormagen : Gedenkfeiern am Volkstrauertag
  • Am Sonntag nahmen 45 Mitglieder der
    So weit sind die Planungen : Kiliangilde Altschermbeck plant Schützenfest für 2022

„Natürlich“, so Rexforth, „gilt unserer Gedenken auch den Soldaten der unterschiedlichen Kriegsparteien, ohne Ansehen ihrer Herkunft, denn auch sie haben unsäglich gelitten, wurden gequält und in den Tod getrieben.“ Er ergänzte: „Wenn wir vor den Gräbern stehen, gibt es keinen Unterschied mehr zwischen den Nationalitäten und Uniformen; sie wurden alle zu Opfern des Krieges, egal ob Russen, Deutsche, Polen oder Franzosen, wobei das nicht bedeutet, dass wir die besondere Verantwortung und Schuld vergessen dürfen, die gerade Deutschland auf sich geladen hat.“

An den Ehrenmalen in Altschermbeck, Schermbeck und Bricht legte der Bürgermeister im Namen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und der Vereine Kränze nieder. Am frühen Morgen versammelten sich der Schützenverein Weselerwald und Umgebung und der Heimatverein Weselerwald am Weselerwalder Ehrenmal.

In Damm gab es zwei Neuerungen. Erstmals begleitete die stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Franke die Schützen und Wodan Damm-Reiter vom Schützenhaus zum Ehrenmal. Schützenpräsident Bernd Abel danke dem Posaunenchor Drevenack, der viele Jahre hindurch am Ehrenmal musizierte, aber nicht mehr existiert. Hauptmann Klaus Kohlenbrenner wusste sich zu helfen. Er ließ die passenden Lieder über Band ablaufen.

„Der heutige Volkstrauertag ist keine Traditionsveranstaltung“, stellte Hildegard Franke fest, sondern stehe für Gedenken, Erinnern und Mahnen. Die unzähligen Kriegstoten, Ehrenmale und Kriegsgräberanlagen müssten als Pflicht zur Verständigung verstanden werden. „Vor über 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg“, so Hildegard Franke, „an dessen Ende 10 Mio. Tote zu beklagen waren und über 21 Millionen zu Kriegsbeschädigten wurden. Über 80 Jahre ist es her, dass mit dem verbrecherischen Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg begann.“ Die unfassbare Bilanz nach dem mörderischsten aller Kriege und der menschenverachtenden Nazi-Gewaltherrschaft sei noch heute beispiellos. Während das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ über Band ablief, legten Bernd Abel und Hildegard Franke einen Kranz am Ehrenmal nieder.