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Volksbank Schermbeck zieht positive Bilanz für 2020

Schermbecks Voba zieht Bilanz : „Zusammen anpacken“ bleibt Volksbank-Leitbild

Die Volksbank Schermbeck legte jetzt eine positive Bilanz für 2020 vor. Besonders stolz ist der Vorstand, dass sein Haus die einzige verbliebene Ortsbank im gesamten Kreis Wesel ist.

„Es war ein Jahr, in dem wir bei schwierigen Rahmenbedingungen versucht haben, Normalität herzustellen und für unsere Mitglieder präsent zu sein“, fasst Vorstandsmitglied Rainer Schwarz die Entwicklung der Volksbank Schermbeck im vergangenen Geschäftsjahr zusammen. Mit seinem Vorstandskollegen Norbert Scholtholt machte er deutlich, dass viele kleine Bausteine zum Erfolg beitrugen und ein gutes Fundament schufen für die Zukunft der Bank. Besonders stolz ist der Vorstand, dass sein Haus die einzige verbliebene Ortsbank im gesamten Kreis Wesel ist.

„Die Fiskalpolitik erlebt in der Corona-Krise eine Renaissance“, stellt Rainer Schwarz fest. Mit gewaltigen Konjunkturpaketen würden die Regierungen versuchen, die Folgen der Pandemie abzufedern. „Gleichzeitig vermehren sich die Anzeichen, dass es sich hier nicht nur um eine kurzfristige Notfallhilfe handeln wird, sondern sich eine dauerhafte Verschuldung der EU abzeichnet.“ Hinzu kämen die seit rund zehn Jahren anhaltende Niedrigzinspolitik der europäischen Zentralbanken, eine schwächelnde Wirtschaft und eine steigende Inflationserwartung.

Die Entwicklung der Kreditgenossenschaft aus betriebswirtschaftlicher Sicht schildert Norbert Scholtholt. Die Bilanzsumme ist um 13,9 Prozent gewachsen. Mit 609,7 Millionen Euro bewegt sich Schermbeck im Mittelfeld der rund 900 selbstständigen Volksbanken in Deutschland. Das betreute Gesamtvolumen, also die Summe aller Anlagen und Kredite, stieg um 10,9 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Gegenüber dem Vorjahr sind die bilanziellen Geldanlagen um neun Prozent gestiegen. Viel Geld wurde auf den Konten geparkt, weil – coronabedingt – weniger Möglichkeiten bestanden, Geld auszugeben, und weil viel Geld für schlechtere Zeiten zurückgelegt wurde.

Um 14,1 Prozent stiegen die Anlagen in Wertpapieren, in Investmentfonds, bei Bausparkassen und bei der R+V. Das Niedrigzinsumfeld trug zu Umschichtungen des Geldes bei. Dazu habe auch der 3,5-prozentige Anstieg der DAX-Punkte beigetragen.

Das bilanzielle Kundenkreditgeschäft ist um 12,6 Prozent gestiegen. 134 Millionen Euro neue langfristige Kundenkredite wurden vergeben. Auch im Bereich der Baufinanzierungen war 2020 ein gutes Jahr. 300 Wohnbaufinanzierungen mit insgesamt 69 Millionen Euro hat die Volksbank begleitet. Im Bereich der Baufinanzierung konnten zahlreiche Kunden hinzugewonnen werden. „Wir waren immer offen während der Corona-Zeit“, nennt Schwarz einen Hauptgrund für den Wechsel zur Volksbank.

Rainer Schwarz berichtet von der Finanzierung eines Wohn- und Geschäftshauses in Dorsten-Holsterhausen, das im Januar komplett bezogen werden konnte. „Wir werden nicht groß in das Immobiliengeschäft einsteigen“, so Schwarz, aber er könne sich ein ähnliches Projekt vorstellen, wenn der Bank in Schermbeck ein interessantes Grundstück angeboten werde.

Die Volksbank ist mit 80 Mitarbeitern ein bedeutender Arbeitgeber in Schermbeck. Die Azubis Oliver Hemmert, Noel Kölking und Jan Wolf wurden übernommen. Im August beginnen vier neue in der Volksbank ihre Ausbildung. Die Volksbank zahlte in den letzten Jahren mehr als eine Million Euro als Gewerbe- oder Körperschaftssteuer in die Gemeindekasse. Neben der üblichen Förderung erhielten Vereine im letzten Jahr eine zusätzliche Unterstützung in Höhe von 35.000 Euro. Nur ein Teil konnte bislang ausgezahlt werden, weil seit elf Monaten kein Vereinsleben stattfinden konnte. Für das vergangene Geschäftsjahr zahlte die Bank eine sechsprozentige Dividende aus.

Die seit Jahren betriebene Digitalisierung, die von einer zwölfköpfigen Projektgruppe vorangetrieben wird, hat dazu geführt, dass die Bank jetzt über neun Videoplätze und 25 mobile Arbeitsplätze verfügt.

Die Volksbank ist für die Zukunft zwar gut aufgestellt und, so Schwarz, „die vielbeschworene Bankenkrise durch Unternehmerpleiten sehen wir aktuell für uns auch aufgrund der guten Risikovorsorge der letzten Jahre nicht.“ Allerdings könne man den Verlauf der Pandemie, Dauer und Intensität möglicher Einschränkungen oder Umfang und Wirkung staatlicher Maßnahmen nicht seriös abschätzen. Die Volksbank rechne in den nächsten zwei Jahren mit mehr Insolvenzen. Es sei wichtig, die Kreditvorsorge zu stärken und Eigenkapital aufzubauen. Um das Eigenkapital zu vergrößern, bietet die Bank im Frühjahr ihren Mitgliedern an, die Geschäftsanteile zu erhöhen. Bislang konnten sie zehn Anteile zu je 150 Euro erwerben. Der Höchstbetrag soll künftig pro Mitglied 6000 Euro ausmachen.

„Zusammen anpacken“, heißt die Leitlinie der Volksbank. Das gilt auch für ein neues Finanzierungspaket, das in Kürze vorgestellt werden soll. Jetzt wurde lediglich angedeutet, dass es mit Blick auf neue Wohngebiete um Unterstützung von Bauwilligen geht. Von der Beantragung staatlicher Fördermittel über die Absicherung der Bau- und Finanzierungsphase bis zur Vermittlung von Handwerksleistungen soll alles in einem Angebot erfolgen.