Volksbank-Bilanz in Schermbeck „Ein gutes Jahr in einer schwierigen Zeit“

Schermbeck · Die Volksbank Schermbeck informierte 111 Vertreter im Ramirez über die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mit dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr gaben sich die Verantwortlichen zufrieden.

Im Saal der Gaststätte Ramirez fand die Vertreterversammlung der Volksbank Schermbeck statt.

Im Saal der Gaststätte Ramirez fand die Vertreterversammlung der Volksbank Schermbeck statt.

Foto: Helmut Scheffler

Eine umfangreiche Beschreibung der aktuellen Lage der Volksbank Schermbeck und der wirtschaftlichen Daten der Bank lieferten die Vorstandsmitglieder Stefan Korte und Norbert Scholtholt am Dienstagabend im Rahmen der Vertreterversammlung im Saal der Gaststätte Ramirez. Zu Beginn begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende Eduard Kolkmann insgesamt 111 stimmberechtigte Vertreter, die die 11.000 Mitglieder der Volksbank repräsentieren und die Interessen von rund 17.000 Kunden in der Region wahren.

In der Schilderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verwies Stefan Korte auf den währenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine, auf den Krieg im nahen Osten, auf hohe Inflationsraten und explodierende Energie- und Lebenshaltungskosten, auf den daraus resultierenden massiven Zinsanstieg, auf den Fachkräftemangel und auf eine ausufernde Bürokratie. „Hier trifft es alle“, stellte Korte fest, „die Unternehmen, die Selbstständigen, die privaten Haushalte und natürlich auch uns, die Volksbank“.

Nach vier Krisenjahren seien die staatlichen Hilfsprogramme ausgelaufen, die Stimmung – insbesondere im Mittelstand – sei gedrückt, der Wirtschaft gehe die Luft aus. „Unser Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken BVR erwartet“, so Korte, „in der nächsten Zeit eine steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen.“ Aktuell bemerke die Volksbank in ihren Büchern die ersten Auswirkungen. Gleichzeitig stünden die nächsten Änderungen des Bankaufsichtsrechtes vor der Tür.

Die Vorstellung des wirtschaftlichen Ergebnisses des Jahres 2023 übernahm Norbert Scholtholt. Das Wirtschaftsjahr 2023 bewertete Scholtholt als „ein insgesamt gutes Jahr in einer schwierigen Zeit.“ Das Gesamtkundenvolumen, also die Summe aller betreuten Geldanlagen, Wertpapiere und Kredite, stieg um 3,25 Prozent auf 1,482 Milliarden Euro. Im letzten Jahr betreute die Volksbank Schermbeck ein Kundenvermögen in Höhe von 652,6 Mio. Euro.

Dieses überproportionale Wachstum war auf zwei Faktoren zurückzuführen, zum einem auf das Anlagengeschäft mit festen Zinsen. Die Sparer legten ihr Geld vermehrt in kurzfristigen Anlagen an. Insbesondere das variable Tagesgeld VR Flex plus war mit 596 neuen Konten ein Renner.

Als zweiten Faktor des Wachstums nannte Scholtholt die Entwicklungen an den Aktienmärkten. „Hier hätten die Anleger von den steigenden Kursen der letzten Monate profitiert. Das Kundenvermögen in Wertpapieren sei um 35,8 Millionen Euro angewachsen, das sei ein Plus von 19 Prozent gewesen. Gleichzeitig wurden 557 neue Depotkonten eröffnet.

Das betreute Kundenkreditvolumen stieg im Jahre 2023 um 1,75 Prozent auf 776 Millionen Euro. In dieser Zahl summieren sich Kontokorrentkredite, Anschaffungsdarlehen für Autos oder Möbel, die Finanzierung der eigenen vier Wände sowie langfristige Investitionskredite der Firmen und Unternehmer.

Im letzten Jahr begleitete die Volksbank 314 größere Finanzierungsprojekte mit einer Gesamtfinanzierungssumme von 94 Millionen Euro. Dahinter verbergen sich 96 betriebliche Vorhaben der Firmenkunden sowie 218 Immobilienprojekte von Sanierung bis Neubau. Aktuell betreut die Volksbank ein Neubauprojekt am Raiffeisenweg in Altschermbeck. Hier entstehen sieben attraktive Reihenhäuser in zentraler und ruhiger Lage. Drei Häuser warten noch auf ihren neuen Eigentümer.

Scholtholts Fazit: „Insgesamt sind wir mit dem Jahresergebnis 2023 gut zufrieden. Die Ertragslage unserer Volksbank hat sich, insbesondere durch den Zinsanstieg der letzten Zeit, verbessert. Die Kostenseite halten wir genau im Blick.“ Der Jahresüberschuss betrug rund 2,6 Millionen Euro. Mehr als eine Millionen Euro wurden in die gesetzliche Rücklage und in andere Ergebnisrücklagen übergeben. Auf die eingezahlten Geschäftsguthaben gewährt die Volksbank eine 4,0-prozentige Dividende, die einstimmig beschlossen wurde. Die Auszahlung soll am 20. Juni erfolgen.

Der IT-Dienstleister hat in einer Studie aufgeschlüsselt, über welchen Weg die Menschen mit ihrer Bank in Kontakt treten möchten. Es stellte sich heraus dass insbesondere die jüngeren Kunden bis 24 Jahre sich eine persönliche Beratung von Mensch zu Mensch wünschen. Für 70 Prozent der Bankkunden ist die Filiale der Ort der Beratung. Dazu passe die abgeschlossene Erweiterung der Hauptstelle an der Mittelstraße. Im April 2024 wurde damit begonnen, den Bereich des Alt-Gebäudes zu sanieren. Bis zum Winter sollen alle Arbeiten erledigt werden.

„Kontakt zu den Menschen“ ist für die Volksbank ein besonderes Bestreben. Scholtholt erinnerte an die Gruppen Frauen und Finanzen, den Primax-Club für die jüngsten Kunden, den Club 50plus oder die Volksbank-Gruppenreisen. „Wir möchten Menschen aus der Region zusammenbringen“, begründete Scholtholt diese Zielsetzung, die zum Zweck der Genossenschaft passe.

Den Bericht über den Aufsichtsrat und über die gesetzliche Prüfung und Beschlussfassung übernahm der Vorsitzende Eduard Kolkmann. Sechsmal traf sich der Aufsichtsrat, um intensiv über die Ertrags- und Vermögenslage, über Risikopositionen und die Personalsituation zu diskutieren.

Die Aufsichtsratsmitglieder Isabella Palik und Stefan Beyer schieden turnusgemäß aus, stellten sich aber zur Wiederwahl und wurden einstimmig wiedergewählt. Zum siebenköpfigen Aufsichtsrat gehören außerdem Eduard Kolkmann, Dennis Woltsche, Annegret Ruloff, Kurt Holtkamp und Christian Werner.

(hs)