Voerde: Gespräch mit Nabu-Neumitgliedern Ralf Klunk und Heike Neukäter

Doppelinterview Heike Neukäter und Ralf Klunk : Warum sind Sie eigentlich beim Nabu?

Ein Gespräch mit Neumitgliedern über ihre Motivation, Bienenhotels, Steingärten und Lieblingstiere.

Der Naturschutzbund (Nabu) wächst und wächst. Allein in NRW hat der Verein mittlerweile 95.000 Mitglieder. Das liegt auch am Kreisverband Wesel, er ist mit 9600 die größte Zweigstelle überhaupt. Woher kommt diese Sehnsucht der Menschen, die Natur vor sich selbst zu schützen? Heike Neukäter ist seit einem knappen Monat beim Nabu, Ralf Klunk seit einem Jahr – beide sind also Neumitglieder. Wir treffen uns an einem Ort, der für ein Gespräch über Naturschutz kaum passender sein könnte: Am Wasserschloss in Voerde blüht gerade alles in weiß, gelb und lila, man gelangt dorthin über eine fast leere Baumallee, die wie ein grüner Tunnel wirkt. Die Vögel singen laut, schön und ohne Unterlass.

Frau Neukäter, Herr Klunk, warum sind Sie denn dem Nabu beigetreten?

Heike Neukäter Man hätte es eigentlich viel eher machen müssen. Ich habe meine eigenen Sachen gemacht, die gut für die Natur, für die Umwelt, für den Klimaschutz waren. Aber letztendlich habe ich mich angemeldet wegen der Bewegung der Jugend. Das hat mich fasziniert. Sie sind so aktiv, dann wollte ich auch aktiv werden.

Ralf Klunk Es ist natürlich richtig, dass sich mit dieser Bewegung was tut. Ich selbst habe einen Garten und beschäftige mich dort länger mit Naturschutz. Da versuche ich mit verschiedenen Maßnahmen, Insekten und größere Tiere zu schützen.

Hat sich denn die Wolfsdebatte auf die Entscheidung ausgewirkt?

Klunk Nein.

Neukäter Das ist ein wichtiges Thema, hat mich aber nicht dazu bewogen, Nabu-Mitglied zu werden. Ich glaube, Kommunikation ist da ganz wichtig. Beide Seiten – Naturschützer und Tierhalter – müssen miteinander sprechen. Herdenschutz muss sein.

Klunk Naturschutz und Kulturlandschaft treffen beim Thema heftig aufeinander. Der Wolf ist nicht ohne Grund im Mittelalter ausgerottet worden. Eine Herde ist ein gedeckter Tisch für den Wolf oder wie ein Supermarkt. Man kann die Bedenken der Landwirte verstehen.

Wir haben jetzt viel darüber geredet, wie Sie sich privat für den Naturschutz engagieren. Wo kommt die Nabu-Mitgliedschaft ins Spiel?

Neukäter Ich möchte mich über den Verein weiter informieren und aktiver werden. Für eine Krötenwanderung könnte ich morgens um fünf Uhr aufstehen, das wäre kein Problem.

Klunk Ich bin bei der Gruppe in Dinslaken aktiv. Wir helfen Kröten über die Straße, betreuen Nistkästen und einen Teich im Rotbachtal. Ihn befreien wir von Wildwuchs, sonst wächst er zu und nimmt den natürlichen Verlauf, dass er verlandet.

Der Nabu macht also etwas, was gegen den natürlichen Verlauf ansteuert?

Klunk Eine Gewässerpflege hat auch den Sinn, Lebensraum für Tiere zu schaffen. Den wollen wir intakt halten. Wir wollen die Bewohner des Teichs fördern und pflegen.

Wie viel kann man denn beim Nabu überhaupt bewirken?

Klunk Es ist schön, wenn Interesse da ist und man Naturschutz vermitteln kann. Wir haben neulich für eine Aktion auf dem Markt in Hünxe Insektenhotels mit interessierten Bürgern gebaut. Wir waren überrascht, wie gut das angenommen wurde. Es sind viele Familien mit Kindern gekommen – das Interesse ist da. Wenn man das Bewusstsein dafür schärft, hat man schon viel gewonnen.

Neukäter Das Interesse ist in letzter Zeit durch die ganzen Aktionen stark gewachsen. Menschen sind heute offener, laufen nicht mit Scheuklappen durch die Gegend. Und wenn das nicht so wäre, wäre es noch eine größere Katastrophe als wir sie ohnehin schon haben. Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern eine Minuten vor zwölf. Ich glaube schon, dass es in die richtige Richtung geht.

Unter einem Tunnel aus Bäumen gelangt man zum Wasserschloss in Voerde – ein ausgezeichneter Ort für ein Gespräch über Naturschutz. Foto: Viktor Marinov

Wir müssen noch unbedingt über Steingärten sprechen, also zugeschotterte oder zugepflasterte Grünflächen. Was halten Sie davon?

Neukäter Die Steingärten, die Sie meinen, gehen gar nicht. Aber es gibt ganz schöne, die auch Lebensraum für Tiere bieten.

Klunk Bei den Schottergärten kommt das dicke Ende nach zwei, drei Jahren. Die Leute meinen, dass der Garten nach einer Ladung Schotter mit einer Folie drunter so bleibt. Aber das ist reine Unwissenheit: Das Unkraut kommt nicht von unten, sondern von oben. Mit der Zeit fliegt ganz viel Dreck in den Schotter rein, auch ganz viele Samen. Allein schon durch Laub hat das Unkraut besten Nährboden.

Neukäter Das ist doch super.

Klunk Na ja, ich kann mir nicht vorstellen, dass derjenige, der aus Bequemlichkeit den Garten mit Schotter zugekippt hat, jeden Stein umdreht und Unkraut entfernt. Der ganz dicke Haken kommt, wenn es sich der Besitzer ganz bequem macht und Unkrautvernichter kauft.

Und jetzt wirklich die allerletzte Frage – was ist Ihre Lieblingspflanze?

Neukäter Löwenzahn. Man kann aus der Wurzel was machen, aus den Blättern, den Blüten. Er ist auch für die Insekten gut.

Klunk Kann ich gar nicht sagen. Alles was blüht.

Und Ihr Lieblingstier?

Neukäter Wir haben eine Katze zu Hause. Meine Molche im Teich finde ich auch ganz klasse. Und meine Wildbienen auch.

Klunk Alle Tiere rund ums Wasser.

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