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Verbände warnen: 8000 Arbeitsplätze in freier Wohlfahrtspflege gefährdet

Verbände im Kreis Wesel warnen : 8000 Arbeitsplätze in freier Wohlfahrtspflege gefährdet

Die Wohlfahrtsverbände im Kreis Wesel schlagen in der Corona-Krise Alarm. Für kleinere oder wenig solvente soziale Anbieter werde die gegenwärtige Hilfe der öffentlichen Hand nicht ausreichen.

(RP) Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Wesel warnt, dass die wirtschaftlichen Einschränkungen in der Corona-Krise viele soziale Träger in schwere Nöte bringen könnten. Mit einem offenen Brief haben sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft am Mittwoch dieser Woche auch an die Lokal- und Kreispolitik gewandt und um Unterstützung geworben. 8000 Arbeitsplätze seien im Bereich der freien Wohlfahrtspflege durch die Krise bedroht.

Die ersten Details aus den Corona-Rettungsschirmen von Bund und Land sind mittlerweile bekannt –  auch die Anbieter der Freien Wohlfahrt werden mit Hilfe bedacht. Bis zu 75 Prozent ihrer monatlichen Durchschnittseinnahmen sollen die Einrichtungen erhalten, wenn sie finanzielle Ausfälle wegen Corona beklagen müssen. „An sich ist das eine gute Idee, die wir begrüßen“, sagt dazu Bernd Riekemann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Wesel sowie Vorstand Fachpolitik der Arbeiterwohlfahrt Kreis Wesel. „Nur für kleinere oder wenig solvente soziale Anbieter wird dies nicht ausreichen. 75 Prozent Erstattung heißt eben auch, dass mindestens 25 Prozent der Einnahmen fehlen.“

Das Problem der Freien Wohlfahrtspflege, so erklären die verbände, sei die Gemeinnützigkeit ihrer Unternehmen. Als gemeinnützige Organisationen dürfen diese weder nennenswerte Rücklagen bilden noch Gewinne erwirtschaften. Überschüsse müssen sie zeitnah wieder in soziale Projekte investieren. Das heißt: Es gibt keine Ersparnisse, auf die sie zurückgreifen können, wenn Einnahmen wegbrechen. „Das wiederum bedeutet: Selbst wenn bis zu 75 Prozent der Ausfälle erstattet werden, müssen die Träger der Freien Wohlfahrt mindestens 25 Prozent selbst tragen. Das stellt angesichts der niedrigen Gewinne schon für die großen Träger ein Problem dar“, erläutert Bernd Riekemann.

„Ein Wegbrechen sozialer Leistungen ist unbedingt zu vermeiden. Für unsere Angebote gibt es keinen oder kaum Ersatz. Wenn diese wegfallen, stehen Tausende im Kreis Wesel ohne Hilfe da“, sagt Bernd Riekemann.

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(sep)