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Veranstaltung in Schermbeck: Gemeinde bietet Hilfe bei Altersarmut an​

Viele Möglichkeiten auf kommunaler Ebene : Gemeinde Schermbeck bietet Hilfe bei Altersarmut an

Der Seniorenbeirat und die Volkshochschule haben zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, während der ein Experte über Ursachen und Lösungswege referierte. Dabei zeigte sich, welche Unterstützung bereits möglich ist.

Mit den Ursachen für die zunehmende Altersarmut und mit den Möglichkeiten, diese zu reduzieren, hat sich am Montagabend eine Veranstaltung im Begegnungszentrum befasst, die der Seniorenbeirat in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) angeboten hatte. Etwa 30 Zuhörer konnte Sebastian Kleiber-Lampe als VHS-Leiter des Fachbereiches Politik und Gesellschaft begrüßen. Das einführende Referat zum Thema Altersarmut übernahm Martin Debener als Mitarbeiter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW. Dieser Verband umfasst viele eigenständige Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen der Wohlfahrtspflege, die soziale Arbeit für andere oder als Selbsthilfe leisten.

Aus der rechnerischen Perspektive heraus wird Armut definiert mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. „Armut kann man aber nicht nur nach dem Geld bemessen“, stellte Debener fest und verwies auf die Art und Weise des Wohnens, der Gesundheit, der Bildung und der sozialen Teilhabe als wichtige Maßstäbe für die Armut eines Menschen. An mehreren Beispiel-Ketten machte Debener deutlich, wie sich die Ursachen für Altersarmut auf das gesamte Leben eines Menschen auswirken.

 Martin Debener (r.) vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW informierte im Begegnungszentrum etwa 30 Besucher über Altersarmut.
Martin Debener (r.) vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW informierte im Begegnungszentrum etwa 30 Besucher über Altersarmut. Foto: Helmut Scheffler
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Wer zum Beispiel in einem Milieu mit wenig Bildungsanregungen aufwächst, hat in den Schulen in der Regel geringere Bildungschancen und erlangt deshalb meist auch einen geringeren Bildungsabschluss. Dies führe zu einer beruflichen Tätigkeit mit weniger Verdienst und dadurch meist zu geringen Beiträgen in die Rentenkasse und irgendwann zu einer geringeren Rente. Die Folgen seien ein geringeres Einkommen, das sich auf die Qualität des Wohnens, der Gesundheitsvorsorge, der Bildungsmaßnahmen und auf die soziale Teilhabe auswirke. Einsamkeit sei eine der schlimmsten Folgen der Altersarmut.

Bei der Suche nach Gründen für die Altersarmut fand Debener unterschiedliche Ansätze. Wenn in den letzten Arbeitsjahren vor der Rente jemand seine Arbeit verliert, dann bewirkt das eine Reduzierung der Rente. Das trifft auch auf Menschen zu, die nicht ununterbrochen gearbeitet haben – zum Beispiel Studenten oder Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder den Beruf gegen die Betreuung der Familie eintauschten. Alleinerziehung und Verwittwung führten in vielen Fällen auch zur Erhöhung der Altersarmut.

Im zweiten Teil seines Referates befasste sich Martin Ebener mit Maßnahmen zur Linderung der Altersarmut auf verschiedenen Ebenen. Der Staat müsse für eine gut bezahlte Arbeit sorgen, für eine Vollzeitbeschäftigung, für eine Anpassung der Rentenerhöhungen an die inflationäre Wirtschaftsentwicklung, für die Bezahlung eines Bürgergeldes und für die Schaffung einer Alterssicherung, die diesen Namen auch verdiene. Die Regelsätze müssten verbessert werden und die Erwerbsunfähigkeitsrente müsse erhöht werden.

Auch auf kommunaler Ebene könne ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Altersarmut geleistet werden. Bei vielen älteren Menschen grassiere die falsche Meinung, dass Kinder für die Versorgung ärmerer Eltern finanziell aufkommen müssten. Deshalb scheuten sie sich vor dem Gang zum Rathaus. Seit 2008 seien die Freibeträge aber so stark erhöht worden, dass nur noch ganz wenige Kinder für ihre Eltern aufkommen müssten. Deshalb empfiehlt Martin Debener Menschen mit einem sehr niedrigen monatlichen Einkommen dringend den Gang zum Rathaus, um ergänzende Leistungen zu beantragen. Von einer Kommune könne man auch erwarten, dass sie sich bei den Stromlieferanten für jene Menschen einsetzt, deren Stromzufuhr gestoppt wird, weil sie die Kosten nicht mehr bestreiten können. Die Leiterin des Schermbecker Bürgeramtes, Irmgard Schwenk, ermutigte die betroffenen älteren Menschen, im Rathaus vorstellig zu werden, um Hilfe bei der Antragstellung von zusätzlichen Leistungen zu bekommen.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde seitens der Organisatoren und der Zuhörer auf unterschiedliche Möglichkeiten externer Hilfen verwiesen. Die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) des Kreises Wesel wurde ebenso genant wie die Internet-Seite www.erwerbslos.de, auf der man unter anderem bei der Eingabe einer Postleitzahl die in diesem Ort ansässigen Beratungsstellen erfahren kann.

Friedhelm Stoltenberg und Reiner Emdemann vom Schermbecker Seniorenbeirat verwiesen auf den im Jahre 2017 in Schermbeck erschienenen Senioren-Wegweiser. Die 32 Seiten umfassende Broschüre liegt im Foyer des Rathauses aus und kann kostenlos mitgenommen werden. In den Kapiteln „Finanzielle Hilfen und Vergünstigungen“ und „Unterstützende Hilfe/Wohnen im Alter“ wird eine Reihe von Hilfsorganisationen aufgelistet. Der Dammer Wolf-Ulrich Thiemann stellte als VdK-Mitglied die Beratungsangebote des Sozialverbandes vor. Für 5,50 Euro Mitgliedsbeitrag pro Monat könne man schon zu Beginn des zweiten Jahres eine kostenlose Beratung in Anspruch nehmen.

Mehrfach tauchten aus der Versammlung Fragen auf, die sich mit den Renten befassten. Das sei ein eigenständiges Thema mit vielen Aspekten, begründete Sebastian Kleiber-Lampe den Verweis auf eine separate Veranstaltung. Ob die zustande kommt, ließ Friedhelm Stoltenberg noch offen. Er werde dies im Rahmen des nächsten Stammtisches mit den Mitgliedern des Seniorenbeirates erörtern. Der Seniorenbeirat trifft sich an jedem letzten Dienstag eines Monats ab 19 Uhr in der Gaststätte Nappenfeld‘s. Auch Gäste sind herzlich willkommen.