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Veranstaltung in Hamminkeln: Gedenken an die Opfer der Pogromnacht am Schloss

Veranstaltung in Hamminkeln : So lief das Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Gesamtschule, Klausenhof, Heimatverein Dingden und Stadt erinnerten am Schloss Ringenberg an die Opfer. Die Veranstaltung am Dienstagabend bildete auch den Auftakt für die Ausstellung „Jüdische Nachbarn“.

Es war ein würdevoller Moment im nur von Kerzenschein erhellten Eingang zu Schloss Ringenberg. Fünf Gesamtschüler aus Hamminkeln sprachen Texte, zu Gitarrenbegleitung wurde gesungen. Die Schüler gehören zum neunten Jahrgang, in dem gehört der Holocaust und dessen Folgen zum Unterrichtsstoff. In Hamminkeln lässt sich der Holocaust am Beispiel der Dingdener Familie Humberg erzählen. Das originale Humberghaus, betrieben vom Heimatverein Dingden, ist bis heute ein einmaliges Zeugnis des Landjudentums.

Die zahlreiche Zuhörerschaft verharrte in gedenkender Stille vor dem Gedenkstein für die Familien Isaak und Moses Murchand. Der eindrückliche Moment war auch Teil und Auftakt für die LVR-Ausstellung „Jüdische Nachbarn“, die ein paar Meter entfernt im Rittersaal zu sehen und bis 20. November auch öffentlich zugänglich ist. Bürgermeister Bernd Romanski mahnte, „alles zu tun, um das Vergessen zu verhindern. Die Bedrohung ist nicht weg, sie rückt an vielen Stellen näher“. Gesamtschulrektorin Anette Schmücker betonte: „Die Pogromnacht war der erste grauenvolle Höhepunkt der Judenverfolgung.“

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Nach der Feier wurde das Projekt im Rittersaal vorgestellt, an dem auch die Akademie Klausenhof beteiligt ist. Sie ist federführend bei der Erstellung eines neuen Radfahr-Guides, den sie passend am Tag der Pogromnacht vorstellte. Auf insgesamt 196 Kilometern führen die Routen zu Orten, an denen sich jüdische Geschichte erleben lässt. Im Rahmen des Projektes „Milch, Honig und Holunder“ hatte der Klausenhof die Broschüre „Radtouren jüdisches Leben auf dem Land. Sichtbare und verlorene Orte“ entwickelt.

Aus Sicht der Heutigen sind die historischen Vorgänge rund um die Familie Humberg außerdem ein Ereignis, das besondere schulische und didaktische Möglichkeiten eröffnet. Die Didaktischen Leiter der Gesamtschule, Elke Wolberg und Christian Ströhl, berichteten, wie das Thema im Unterricht behandelt wird und die Geschichte vor Ort mit ihren Personen greifbare Nähe erzeugt. Das Fluchtfahrrad von Ernst Humberg gibt es noch, seine Fluchtroute ist bekannt. Die persönlichen Schicksale sind angebunden an noch erlebbare und erhalten gebliebene Örtlichkeiten.

 Ein Blick in die Ausstellung im Rittersaal
Ein Blick in die Ausstellung im Rittersaal Foto: Thomas Hesse

Die beiden Lehrer erzählten vom Workshop, der bewusst die Zeit vor 1933 aufgreift und das integrierte und akzeptierte Leben der jüdischen Familie Humberg im Dorf darstellt. Und sie fragten, wie trotzdem aus der Normalität das Monströse werden konnte. Der Englischkurs der Gesamtschule, bei dem das Thema Unterrichtsstoff war, reagierte „gerührt und betroffen“, wie Elke Wolberg sagte. Weil ganz nahe Geschichte junge Menschen offensichtlich packt, will die Gesamtschule den Stoff nutzen und „das Thema weiter in die Breite tragen“, so Anette Schmücker.

Das heißt perspektivisch auch, Partnerschule der berühmten israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem – wörtlich übersetzt „Denkmal und Name“ – zu werden. Lehrerin Wolberg hat dort bereits ein 14-tägiges Praktikum gemacht. Auch die Partnerschaft mit einer israelischen Stadt sei möglich, so Schulleiterin Schmücker.