Unwetter in Hamminkeln: Gewittersturm verwüstet Sportplatz

Unwetter in Hamminkeln: Gewittersturm verwüstet Sportplatz

Ein 30-Sekunden-Unwetter hat Donnerstagabend in Hamminkeln schwere Schäden verursacht: Bäume knickten um, das Dach der Tagesstätte Arche Noah wurde stark beschädigt, an zahlreichen Häusern lösten sich die Dachziegel.

Günter Kohls hat das Unheil kommen sehen. Donnerstagabend gegen kurz vor 19 Uhr blickt der 69-Jährige, ehemaliger Direktor des Weseler Berufskollegs, aus dem Küchenfenster seines Hauses an der Diersfordter Straße. Was sich da am tiefdunklen Himmel zusammenbraut, lässt ihn erschaudern: "Auf dem Regenradar meines Smartphones habe ich die kleine Gewitterzelle gesehen und noch gedacht, dass die Wetterfront knapp an uns vorbeizieht." Doch genau das tut sie nicht, sondern trifft Hamminkeln mit voller Wut. Es hagelt, es blitzt. Donner, Sturm. Es scheppert, es knallt. Dann ist plötzlich alles still. Der Alptraum hat 15, vielleicht 30 Sekunden gedauert. "So etwas habe ich noch nie erlebt. So etwas sieht man sonst nur im Fernsehen - in den USA, wenn dort ein Tornado übers Land zieht", sagt Kohls. Er und seine Familie haben Glück gehabt. Nur ein Dachziegel hat sich gelöst.

Aber direkt nebenan, im Kindergarten Arche Noah, hat der Gewittersturm schwere Schäden angerichtet - so wie an vielen anderen Häusern in der Umgebung auch. Einige Wellplatten des Kita-Pultdaches sind zerstört. In dem mit Kieselsteinen beschwerten Flachdach ist die Abdichtung an mehreren durch umherfliegende Plattenteile zerstört. Mit der Folge, dass unten im Kindergarten Wannen aufgestellt wurden müssen, um das Wasser aufzufangen. Die Hamminkelner Feuerwehr, von der Leitstelle alarmiert, rückt mit 16 Einsatzkräften aus, sperrt den Bereich ab und räumt auf. Dachdecker- und Klempnermeister Wilhelm Devers wird von der Katholischen Kirchengemeinde, die Träger der Einrichtung ist, mit den Reparaturarbeiten beauftragt. Er und seine beiden Kollegen legen sich mächtig ins Zeug, dass die schlimmsten Schäden schnell beseitigt werden. Auch am Freitag hatten sie noch einiges zu tun.

Tagesstättenleiterin Liane Wierz-Schöbel aus Wesel-Ginderich trifft gegen 20 Uhr ein. Sie ist schockiert und gleichzeitig erleichtert: "Denn es ja niemandem etwas passiert." Unter anderem die Mitglieder des Elternrates und Vertreter des Trägers treffen sich um Gespräch. Die Entscheidung fällt, dass die Kita am nächsten Tag geschlossen bleibt. Es wird viel telefoniert an diesem Abend. Schnell ist klar: Es gibt für jedes der 46 Kinder eine gute Betreuungslösung.

"Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu"

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Zeitgleich fahren einige Feuerwehrleute zum nahegelegenen Sportplatz des Hamminkelner SV. Dort hat das Unwetter Bäume umgeknickt, die jetzt auf der Straße liegen. Die Kettensägen werden angeworfen, das Problem damit schnell aus dem Weg geräumt. Auf dem Sportplatz wird derweil schon wieder gekickt. Die A-Jugendlichen haben das Tor einfach ein paar Meter nach vorne gezogen, denn im Bereich der Torauslinie sind die Kunstrasen-Bahnen durch den Gewittersturm aus dem Boden gerissen worden. Was kaum jemand für möglich gehalten hat: Die massive, mit einem verzinkten Dach ausgestattete Trainerbank ist aus ihrem Fundament gerissen worden und liegt nicht weit vom Anstoßkreis entfernt, das Dach direkt am Eingang des schmucken Sportzentrums am Mühlenrott. Der Imbisswagen ist umgestürzt und schrottreif, Teile der Bandenwerbung zerstört. Vereinschef Gottfried Bückmann eilt gegen kurz nach 19 Uhr in die Arena. "Wer hätte gedacht, dass der Sturm so eine Kraft haben könnte."

Ob am Wochenende die Jugendmannschaften aufs Spielfeld können, das wollte Bückmann am Freitag noch nicht entscheiden. "Die eine Hälfte des Platzes ist bespielbar. Die andere Hälfte nicht, weil der Rasen Wellen hat." Auf dem angrenzenden Rasenplatz liegen überall Glassplitter. "Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu", sagt Bückmann beim Ortstermin mit Chef-Techniker Bernhard Payer aus dem Rathaus.

Davon ist auch Tom Brucks überzeugt. Das Mitglied der Alt-Herren-Mannschaft ist mit dem Rad zum Stadion gekommen. Beim Bau der Arena hat er einst mitgeholfen. "Das war vor sieben oder acht Jahren. Schlimm, was hier passiert ist. Das wird nicht billig", befürchtet er.

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(RP)